28.05.12

Drachme-Rückkehr

Wie man sich für den Griechen-Austritt wappnet

Wenn Griechenland aus der Euro-Zone austritt, sollten Verbraucher vorbereitet sein. Unruhen im Urlaubsland, geschlossene Bankschalter, Turbulenzen an der Börse. Das sind die passenden Antworten.

Foto: DPA
Bankautomaten der ATE-Bank in Athen
Bankautomaten der ATE-Bank in Athen. Was Touristen tun können, wenn der Geldautomat keine Euro mehr ausspuckt

Der Verbleib des Landes in der Euro-Zone scheint jetzt wieder wahrscheinlicher. Doch allenthalben werden auch Notfallpläne publik, selbst die Bundesbank spricht inzwischen davon, dass ein griechischer Austritt (Grexit) verkraftbar wäre.

Die Schweizerische Nationalbank denkt gar über Devisenkontrollen nach, sollte der Kurs des Frankens durch Kapitalflucht nach oben katapultiert werden. Wenn aber Banken und Regierungen Vorkehrungen für den Ernstfall treffen, sollten Verbraucher nicht unvorbereitet sein. Als Sparer, Anleger oder auch Urlauber könnten die Deutschen rasch von der Misere in Griechenland eingeholt werden.

Massenstreiks, Demonstrationen, Straßenschlachten. Diese Bilder gingen um die Welt, als die Argentinier Ende 2001 vor geschlossenen Bankschaltern standen. Das Land hatte die Dollar-Bindung seiner Währung gelöst und damit Finanzchaos provoziert.

Soziale Unruhen wären möglich

Mit sozialen Unruhen rechnen Experten auch für den Fall eines überstürzten Euro-Austritts der Hellenen. Urlauber des Mittelmeerlandes sähen sich dann einer ähnlichen Situation gegenüber wie Reisende während des Arabischen Frühlings in Ägypten oder Tunesien. "Hier greift dann der Paragraf 651 des bürgerlichen Gesetzbuches", erklärt der Hannover Reiserechtler Paul Degott.

Niemandem könne zugemutet werden, in ein soziales Krisengebiet zu reisen. Allerdings müssten die Unruhen schon direkt den Urlaub beeinträchtigen: "Nur weil in Athen gestreikt wird, ist das kein Grund, den Rhodos-Urlaub kostenlos stornieren zu können." Momentan sieht Degott für Umbuchungen keine Rechtsgrundlage.

Andere Experten setzen auf die Kulanz der Gesellschaften, sollte Hellas kurz vor einem Urlaubsantritt wirklich aus dem Euro ausscheren. Das wäre sicherlich eine gravierende Änderung der Geschäftsgrundlage, sodass man sehr wahrscheinlich über Kulanz, kostenlose Umbuchung oder Storno sprechen könne, meint Reiseexperte Karl Born.

Abgesehen von der Möglichkeit sozialer Unruhen könne ein Euro-Austritt den Urlaub in der Ägäis deutlich günstiger machen. Denn die dann wieder eingeführte Drachme dürfte zum Euro stark abwerten, um bis zu zwei Drittel, schätzen Devisenhändler. Die Kaufkraft deutscher Touristen würde deutlich steigen.

Risiko bei griechischen Veranstaltern

Allerdings haben die Reiseveranstalter langfristige Verträge auf Euro-Basis geschlossen. Eine neue Drachme käme also lediglich Individualtouristen zugute, die vor Ort zuschlagen. Wer selbst bucht, sollte ein paar Dinge beachten. Reiseexperten raten davon ab, schon jetzt Tickets bei griechischen Airlines oder Fährgesellschaften zu kaufen, wenn der Urlaub noch Monate in der Zukunft liegt. Denn die Gefahr, dass die Gesellschaft Pleite geht, ist relativ groß.

Individual-Touristen tragen das gesamte Risiko, wenn also der im Internet gebuchte Transfer ausfällt, müssen sie sich selbst kümmern und mit den griechischen Hoteliers oder anderen Dienstleistern herumschlagen. Bei Pauschalreisenden übernehmen das die Veranstalter. Individualurlauber sollten zudem ausreichend Bargeld einpacken. Viele Hoteliers akzeptieren keine Kreditkarten mehr und auf Geldautomaten vor Ort ist im Fall der Fälle wenig Verlass. Schon jetzt rät TUI Griechenland-Reisenden, ausreichend Euros mitzunehmen.

Stress erwarten viele Experten auch für das Bankensystem. Und auch hier hält Argentinien einige Erfahrungen bereit. Trotz sich zuspitzender Krise hielten sich die Abflüsse von den Bankkonten zunächst in Grenzen. Erst als es zu spät war, stürmten die Argentinier die Schalter.

"Ein Bankensturm kommt plötzlich'' sagt Matt King von der Citigroup. "Noch am Vorabend sieht alles ruhig aus, aber am Morgen danach ist es zu spät." Ein Bankensturm dürfte nicht auf Griechenland beschränkt bleiben, auch in Spanien oder Italien könnten verunsicherte Kunden versucht sein, ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Einlagensicherung rettet Sparer

Zwar sind in der Europäischen Union 100.000 Euro pro Sparer geschützt, allerdings existiert keine europaweite Einlagensicherung. Jeder Nationalstaat hat sein eigenes System dafür, das freilich nur für normale Zeiten und nicht für eine Systemkrise konzipiert ist. Im Zweifelsfall muss also der jeweilige Staat für die Gelder haften und da macht es einen Unterschied, ob es sich bei dem Staat um die Bundesrepublik Deutschland oder um Spanien handelt.

Entscheidend ist, wo sich der Hauptsitz der Bank befindet und nicht, ob sie eine ausländische Mutter hat. So ist die Santander Consumer Bank ein deutsches Institut und damit Pflichtmitglied in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken.

CortalConsors hingegen ist ein französisches Institut. Im Zweifelsfall müssten die Kunden ihre 100.000 Euro in Paris eintreiben. Daneben haben viele Banken noch eigene Sicherungssysteme aufgebaut, gewährleisten also mehr als die gesetzlichen 100.000 Euro.

Sparkassen mit eigenem System

Beispielsweise garantieren die im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossenen Institute einen gewissen Anteil am Eigenkapital eines Instituts. Allerdings gibt der Bankenverband keine Auskunft darüber, wie viel Geld im Topf ist und Kunden im Zweifelsfall zur Verfügung stehen.

Sparkassen und genossenschaftliche Institute gehören einem eigenen System an. Hier steht jedes einzelne Institut mit seinen gesamten Einlagen für andere ein. Diese Institutssicherung soll Kundeneinlagen in unbegrenzter Höhe absichern. Allerdings mussten auch diese Systeme noch keine europaweite Krise überstehen.

Auch an der Börse dürfte ein Griechenland-Austritt zu Turbulenzen führen. So rechnet die Société Générale im Fall eines überstürzten Grexit mit einem Einbruch beim EuroStoxx-50 um die Hälfte. Selbst eine geordnete Abwicklung könnte zehn Prozent Kursrutsch auslösen. Allerdings wäre es wohl übertrieben, jetzt sämtliche Aktien zu verkaufen. Vielmehr dürfen die Anleger die Hoffnung hegen, dass die Europäische Zentralbank die Märkte mit Liquidität flutet – wenn es denn zum Äußersten kommt.

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