12.05.12

Abkommen

"Für Steuersünder wird es überall eng"

Der Schweizer Bankier Patrick Odier befürchtet wegen des Steuerabkommens mit Deutschland keine Kundenflucht. Die Alternativen für unversteuertes Geld hätten sich seit der Krise deutlich reduziert.

Foto: REUTERS
Patrick Odier
Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, befürchtet wegen des Steuerabkommens keine Kundenflucht

Schweizer Banken sehen nach den Worten ihres Verbandspräsidenten keine Kundenflucht wegen der Steuerabkommen mit Deutschland, Großbritannien und Österreich. In einem Gespräch trat der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, Patrick Odier, Befürchtungen entgegen, deutsche Steuersünder würden ihr Geld noch schnell von Schweizer Banken abziehen, bevor das Abkommen im nächsten Jahr in Kraft treten soll.

"Wir sehen keine Abflüsse", sagte Odier, im Hauptberuf Senior Partner der ältesten Genfer Privatbank Lombard Odier, die gut 140 Mrd. Franken (rund 115 Mrd. Euro) verwaltet. "Zwar wird man immer jemand finden, der seine Steuern nicht zahlen will und lieber auf eine Insel oder sonst irgendwohin geht."

Aber die Alternativen hätten sich seit der Finanzkrise und wegen schärferer Vorschriften auch anderswo deutlich reduziert, erklärte er bei dem Gespräch in Genf. Früher oder später werde es für Steuerflüchtlinge überall eng.

"Brücke zur Steuerehrlichkeit" nutzen

Nach Odiers Einschätzung wollen viele Steuersünder "die Brücke zur Steuerehrlichkeit" nutzen, um danach frei über ihr oft ererbtes Geld verfügen zu können. "Das ist was ich immer erwartet habe, und deshalb waren wir für das Abkommen, dass die meisten Kunden wollen", sagte er.

Das Abkommen sieht für bisher unversteuertes Schwarzgeld je nach Fall eine rückwirkende Steuer zwischen 21 und 41 Prozent vor. Das Geld gilt danach als korrekt versteuert, auch wenn deutsche Finanzämter keine Namen erfahren. Die Schweizer Banken sollen die Steuer einziehen und anonym an den Fiskus in Deutschland weitergeben. Aus Schweizer Sicht bleibt so das Bankgeheimnis gesichert. Künftige Kapitalerträge in der Schweiz werden, ebenfalls anonym, so besteuert wie in Deutschland angelegtes Vermögen.

Damit die Vereinbarung in Kraft treten kann, muss der deutsche Bundesrat zustimmen, wo sich die von SPD und Grünen regierten Länder bisher sperren. Sie argumentieren, mit der Vereinbarung kämen Steuerhinterzieher unter dem Strich viel zu billig davon und kritisieren die sogenannte "Abschleichregel". Bis zum kommenden Jahr können Steuersünder ihr Schwarzgeld von Schweizer Banken abziehen, ohne negative Folgen befürchten zu müssen.

Abkommen verursacht hohe Kosten

Was das Abkommen für die Kassen von Bund und Ländern bringen könnte, lasse sich nicht abschätzen, sagte der Bankier. Es gebe keine entsprechende Statistik. "Aber anzunehmen, dass alles (ausländische) Geld in der Schweiz nicht versteuert ist, geht vollkommen an der Realität vorbei".

Kein Banker der Welt könne mit Sicherheit sagen, ob ein Kunde sein Geld versteuere oder nicht. Aber, "wir werden das Abkommen korrekt und zuverlässig umsetzen", auch wenn die Erfassung der Daten und der Einzug der Steuer den Banken hohe Kosten verursache.

Insgesamt verwalten Schweizer Banken für ausländische Kunden mehr als 2000 Mrd. Franken. Vage Schätzungen gehen davon aus, dass allein deutsche Steuersünder mehr als 100 Mrd. Euro in der Schweiz gebunkert haben.

Schweizer verfolgen deutsche Diskussion

Das Hin und Her zwischen Finanzminister Wolfgang Schäuble und seinen Amtskollegen in den von SPD und Grünen regierten Bundesländern verfolgen die Schweizer gespannt. Noch einmal über das Abkommen zu verhandeln, kommt für sie aber nicht infrage. "Wir werden mit Sicherheit keine weiteren Verhandlungen mit Deutschland akzeptieren", so Odier. Auch dass Schweizer Banken Informationen an ausländische Finanzämter weitergeben, also den automatischen Informationsaustausch anwenden, schloss er aus: "Das können und werden wir nicht tun."

Auch wenn der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjahns vor einem Einknicken aus finanziellen Gründen warnt, setzen die Schweizer auf Pragmatismus auch bei den Deutschen. Solche Abkommen würden schließlich schnell und zuverlässig Steuereinnahmen generieren. Odier: "Die pragmatische Lösung, die dieses Abkommen bringt, hat den zehnfachen Wert von theoretischen Lösungen, die nie kommen werden".

Quelle: Reuters/sara
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Ein Küsschen für Ronny: Herthas Brasilianer kann heute noch Torschützenkönig werden. Ein Treffer wäre dafür mötig
10:09Gegen Energie Cottbus
Diese Rekorde kann Hertha heute noch knacken

Zum Saisonfinale gegen Energie Cottbus wird Berlins Olympiastadion noch einmal richtig voll. Und für Hertha ist beim Abschied aus dem Unterhaus noch so manche Bestmarke möglich – nicht nur für Ronny. mehr...

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest hat den ESC gewonnen
08:29Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, und gewann mit ihrem Hippie-Chic tatsächlich den Eurovision Song Contest. Deutschland stürzt mit Euro-Trash-Klängen von Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...

-
18.05.13Kreuzberg
Karneval der Kulturen 2013 in Berlin – Alles was Sie wissen müssen

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Infos zum Fest und die Übersicht der Straßensperrun… mehr...


Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den Airport Tegel bis 2018 offen halten und den BER etappenweise ans Netz gehen lassen. Mit seinen Plänen sind nicht alle Gesellschaftler zufrieden
07:22Hauptstadtflughafen
Was die Aufsichtsratsmitglieder von Hartmut Mehdorn halten

BER-Chef Mehdorn hat sich mit seinen neuen Hauptstadtflughafen-Plänen wenig Freunde gemacht. Besonders die Tatsache, dass er Tegel bis 2018 offen halten will, stößt vielen Politikern sauer auf. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Schweizer Abkommen

Die finanziellen Folgen für deutsche Steuersünder

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote