17.04.12

iPad-Hersteller

Höhenflug der Apple-Aktie scheint vorbei

Innerhalb kürzester Zeit ist Apple zum wertvollsten Unternehmen aufgestiegen. Doch seit Tagen ist die Aktie im freien Fall. Analysten fürchten: Ein Absturz könnte den gesamten Markt mit sich ziehen.

Foto: DAPD
IT-Konzern Apple
Apple-Chef Tim Cook: Verlust der Marktkapitalisierung von 50 Milliarden Dollar

Die Apple -Aktie ist am Montag in New York den fünften Handelstag in Folge gefallen. Jetzt wachsen die Sorgen, dass der Hersteller der iPads und iPods noch tiefer fallen könnte. Der Kurs von Apple liegt jetzt bereits 9,9 Prozent unter seinem Allzeithoch von 644 US-Dollar, der am 10. April erreicht wurde. Am Montag fielen die Apple-Papiere an der Nasdaq um 25,10 Dollar auf einen Kurs von 580,13 Dollar.

In den letzten fünf Tagen hat Apple damit eine Marktkapitalisierung von 50 Milliarden Dollar verloren. Das ist mehr, als Hewlett-Packard komplett wert ist. An dem Abschwung zeigt sich, wie groß der Einfluss der Apple-Aktie auf die Märkte ist.

Seit Jahresbeginn haben die Papiere um 43 Prozent zugelegt und ließen den Wert des Unternehmens in der vergangenen Woche auf über 600 Milliarden Dollar ansteigen.

Am Montagabend waren davon noch etwa 541 Milliarden übrig. Apple ist die größte Aktie sowohl im Nasdaq Composite Index als auch im Standard & Poor's 500. Wie sich Apple bewegt, so verhalten sich auch die Indizes.

Apple-Aktie wird intensiv gehandelt

In den vergangenen Monaten war der Einfluss ausschließlich positiv. Apple allein hat 120 Punkte zum Nasdaq-Anstieg von 383 Punkten beigetragen, so Birinyi Associates. Der Nasdaq-Index hat mit seinem Plus von 15 Prozent den Dow Jones Industrial Average überflügelt, der nur um 5,8 Prozent zulegte. Dort ist Apple nicht gelistet. Der S&P 500 gewann 8,9 Prozent.

Am Montag gab der Nasdaq Composite um 0,8 Prozent nach. Der Anteil von Apple daran betrug zwei Drittel. Der S&P 500 fiel um 0,05 Prozent. Ohne Apple wäre er um 0,14 Prozent gestiegen, sagt Howard Silverblatt, Analyst bei S&P Indices.

So negativ war der Einfluss von Apple auf den Index noch nie. Der Dow stieg dagegen mit Hilfe von Blue Chips wie Exxon Mobil und Procter & Gamble um 0,6 Prozent.

Die Apple-Aktie wird ohnehin intensiv gehandelt. Doch seit einer Woche nimmt die Aktivität sogar noch zu. Viele Händler und Analysten suchen jetzt nach Gründen für den Abschwung, während ansonsten die Stimmung an den Aktienmärkten positiv ist.

24 der 30 im Dow gelisteten Unternehmen legten am Montag zu. Einige Beobachter nannten Gerüchte über die Einführung eines billigeren iPads, andere sehen darin eine Ausgleichsbewegung zum rasanten Aufstieg der letzten Monate.

Droht der steile Absturz?

Doch die Frage ist, ob das nur der Anfang eines steileren Sturzes sein könnte. "Viele Leute fangen an, berechtigte Fragen über Apple zu stellen", sagt Michael Farr, Chef der Portfoliomanager Farr, Miller & Washington. "Es ist ein gutes Unternehmen, aber es ist für sie lange nicht mehr abwärts gegangen."

Andere Anleger sind optimistisch, dass es für Apple bald wieder nach oben geht. "Alle Lebewesen, sogar Apple, müssen mal eine Pause einlegen und durchatmen", sagt Rick Bensignor von Merlin Securities. Seit März 2009 hat sich der Wert des Unternehmens versechsfacht.

Schon in der Vergangenheit hat Apple Rückschläge gut verkraftet. Als Steve Jobs im Oktober 2011 verstarb, fragten sich viele Anleger, ob die neue Führung genauso erfolgreich arbeiten könne. Doch das Unternehmen steigerte seinen Absatz und verzeichnete Rekordgewinne.

In sechs Monate legte die Aktie um 70 Prozent zu. Kürzlich sagten zwei Analysten voraus, dass der Kurs bald die Marke von 1.000 US-Dollar erreichen könne. Andere sehen den Wert des Konzerns in einigen Jahren bei einer Billion.

Anleger verehren Apple-Produkte

Wie die Apple-Produkte selbst wird auch die Aktie von vielen Anlegern fast kultisch verehrt. Selbst für Fondsmanager, die normalerweise nicht in große Technologieunternehmen investieren, ist Apple zur Pflicht im Portfolio geworden. Im März kündigte der Vorstandsvorsitzende Tim Cook an, erstmals seit mehr als zehn Jahren eine Dividende zu zahlen. Ein Teil der Barreserven von etwa 100 Milliarden Dollar soll so ausgeschüttet werden.

In den kommenden drei Jahren sollen zudem Aktien im Wert von bis zu 10 Milliarden Dollar zurückgekauft werden. Der Startschuss dazu fällt am 30. September, zu Beginn des neuen Fiskaljahres. Ebenfalls im März begann Apple mit dem Verkauf des neuen iPads, mit dem das Unternehmen seine beherrschende Stellung im Tablet-Markt ausbauen will. Es war der erste wichtige Produktstart seit dem iPhone 4S im Oktober.

Für viele Anleger ist angesichts dieser starken Daten der Kursrutsch kein Grund zur Sorge. "Das sieht für mich wie eine normale Korrektur aus", sagt die unabhängige Händlerin Susan McNeice. "Überall auf den Märkten gibt es mal Schwächephasen. Und hat Apple etwas kolossal Dummes getan? Die Antwort ist nein. Ist ein Wettbewerber aufgetaucht, der Apples Position gefährdet? Nein."

Absatz der Mac-Computer sinkt

Für einige Analysten gibt es aber durchaus Gründe, Apple zu verkaufen. Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, warnte in einer Mitteilung, dass der Absatz der Mac-Computer im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlen könnte. Das könne jedoch durch starke Verkäufe der iPhones und iPads ausgeglichen werden.

Für das Jahr 2014 sieht Munster die Apple-Aktie aber weiter bei 1.000 Dollar. Damit wäre es das erste Unternehmen, das eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar erreicht.

Dave Lutz, Analyst bei Stifel Nicolaus, beruft sich auf Gerüchte, dass Apple eine Miniversion des iPads für einen Preis von 200 US-Dollar auf den Markt bringen könnte. In einer Mitteilung schrieb er am Montag, das könne "den Absatz kannibalisieren".

Zudem wirft das US-Justizministerium Apple und fünf Buchverlagen vor, Preisabsprachen bei E-Books getroffen zu haben. Das Unternehmen bezeichnet die Anschuldigungen als "unwahr".

Lesen Sie diesen Text im Original beim Wall Street Journal.

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