Geldanlage
Mit Sachwertefonds entgehen Sparer der Inflation
Mit neuartigen Sachwertefonds können Sparer der Teuerungsrate ein Schnippchen schlagen. Investitionen in Rohstoffe, Immobilien, Aktien, Ackerland oder Edelmetalle bringen gute Gewinne.
"Nur Bares ist Wahres", sagt bekanntlich der Volksmund. Dieser Spruch hat angesichts der Finanzkrise und der damit verbundenen Unsicherheit an den Finanzmärkten an Popularität gewonnen. Doch langfristig denkende Anleger fahren mit diesem Motto sehr schlecht. Denn die Inflationsraten dürften ihren Tiefpunkt durchschritten haben. Vor allem die gigantische Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbanken gibt den Inflationsängsten der Sparer neue Nahrung.
In der Euro-Zone lag die Inflationsrate im Februar laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg wie in den Vormonaten bei 2,7 Prozent. In Deutschland betrug die Inflationsrate zuletzt 2,5 Prozent. Damit ist der Preisdruck weit höher, als der Europäischen Zentralbank (EZB) lieb sein kann.
Sie sieht die Preisstabilität bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. "Die Teuerungsrate wird wahrscheinlich 2012 über zwei Prozent liegen, wobei Aufwärtsrisiken bleiben. Über den für die Geldpolitik relevanten Zeithorizont erwarten wir, dass die Preisentwicklung im Einklang mit Preisstabilität bleibt", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, bei der Ratssitzung diese Woche.
Gefahr der Inflation ist nach wie vor hoch
Deshalb sollte der Leitspruch für Investoren besser "Nur Reales ist Wahres" heißen. Denn Bargeld ist die schlechteste Lösung – der Kaufkraftverlust des Geldes ist zu groß. Wer sich davor schützen will, kommt nicht umhin, sich an sogenannten "Real Assets" zu orientieren.
Das sind Sachwerte – Werte also, die auf Dauer zumindest die Kaufkraft und damit den Erhalt des Lebensstandards sichern. In Zeiten, in denen die Renditen vieler Geldwert-Investments niedrig sind, oder diese inflationsbereinigt oft sogar eine negative Rendite erwirtschaften, stehen Sachwerte bei vielen Anbietern jetzt stärker im Fokus.
Zu Sachwerten zählen Immobilien, Rohstoffe, aber auch Aktien. Genau das sind die Bestandteile der beiden Investmentfonds Strategiefonds Sachwerte Global sowie Strategiefonds Sachwerte Global Defensiv aus dem Hause RP Rheinische Portfolio Management.
Die von Christian Roch gemanagten Fonds investieren – mit unterschiedlichen Quoten – in Immobilien, Rohstoffe, Aktien und darüber hinaus auch in inflationsgeschützte Anleihen.
Im Unterschied zu traditionellen Rentenpapieren, die eine Nominalrendite ausweisen, bieten inflationsgeschützte Anleihen eine "reale" Rendite, bei der der Wert des zurückbezahlten Kapitalbetrags den tatsächlichen Inflationsbedingungen angepasst wird.
"Wir sehen aktuell eine Inflation in Vermögenswerten, denn die Notenbanken pumpen nach wie vor Geld in die Märkte", sagt Fondsmanager Roch. Ob Immobilien, Aktien oder Rohstoffe – die Kurse gehen in die Höhe. Ursache ist für Roch vor allem die reichliche Liquidität, die die Zentralbanken in den vergangenen Monaten den Banken zur Verfügung gestellt haben.
Kaufkraftverlust nimmt zu
Sie wurde jedoch kaum über Kredite an die Wirtschaft weitergereicht, sondern für die Geldanlage genutzt. Der Fondsmanager erwartet zwar keine Hyperinflation, rechnet aber damit, dass der Kaufkraftverlust zunimmt. "Wir wollen deshalb Investoren ein Zuhause bieten, die sicher und inflationsgeschützt anlegen wollen. Wir streben deshalb nicht nur Kapitalerhalt an, sondern auch eine Rendite über der offiziellen deutschen Inflationsrate."
Das Konzept kommt offenbar immer besser an. Neben Stiftungen sei auch vonseiten der Privatanleger Interesse zu spüren. "Viele Anleger, aber auch viele Vermittler sind oft nicht in der Lage, ein solches Portfolio selber abzubilden. Deshalb sind unsere Fonds eine gute Alternative für konservative Anleger", sagt der erfahrene Fondsmanager.
Die Bandbreiten im Fonds liegen bei Immobilien zwischen 20 und 60 Prozent, bei Renten zwischen null und 40 Prozent. Rohstoffe können mit maximal 25 Prozent gewichtet werden, die Obergrenze bei Aktien liegt bei zehn Prozent. In anderen Anlageklassen wie etwa Absolute-Return-Fonds investiert Roch zudem maximal 20 Prozent des Fondsvermögens. Allerdings ist der Begriff Immobilien weit gefasst – darunter fallen beim Rheinischen Portfolio Management auch Investitionen in Ackerland und Holz.
Auch andere Fondsgesellschaften haben den Trend erkannt und Investmentfonds aufgelegt, die in Sachwerte investieren. Eines der bekanntesten Produkte ist der DWS Sachwerte. "Kapital durch kluge Investitionsentscheidungen absichern – das ist in Zeiten einer möglichen Inflation für viele Anleger oberstes Gebot", sagt Fondsmanager Christian Hille.
Anteil an Immobilien wird zurückgefahren
Nur ein vernünftiger Mix aus Sachwerten habe sich in der Vergangenheit als guter Inflationsschutz erwiesen. Sie bieten in einem Umfeld steigender Inflationssorgen einen gewissen Schutz, so Hille weiter, und er rechnet vor: "Während aus 1000 Euro unter dem Kopfkissen oder im Tresor bei vier Prozent Inflation nach zehn Jahren real nur noch 675 Euro geworden sind, können Sachwerte in der Regel ihren Wert steigern." Auch aus diesem Grund seien Sachwerte als Basisinvestment sehr gut geeignet.
Hille investiert in Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und darüber hinaus ebenfalls in inflationsindexierte Anleihen. Den Schwerpunkt bilden aktuell mit 41 Prozent Renten, Aktien und Alternative Investments sind jeweils mit rund einem Viertel gewichtet.
Den ursprünglich hohen Anteil an Immobilien hat Hille extrem zurückgefahren. Der Fonds verzeichnete 2010 einen Wertzuwachs von mehr als zehn Prozent, dafür stand für 2011 ein Minus von sechs Prozent.
Auch der im Oktober 2010 aufgelegte Allianz RCM Reale Werte widmet sich dem Thema Sachwerte, allerdings mit unterschiedlichen Gewichtungen. Er investiert mindestens 51 Prozent des Portfolios in Vermögensgegenstände, die sich ganz oder überwiegend mit Aktivitäten befassen, die dem Bereich "Reale Werte" zuzuordnen sind.
Dazu zählt Allianz Global Investors ebenfalls Immobilien, Rohstoffe, hier speziell Edelmetalle wie Gold und Silber, Aktien sowie inflationsindexierte Anleihen. Die Anteile der Anlageklassen können zwischen null und 40 Prozent schwanken; im Ausnahmefall kann eine Anleihenposition sogar bis zu 100 Prozent ausgebaut werden.
Sachwerte sind sinnvolle Ergänzung fürs Depot
Fondsmanager Jörg Schlinghoff darf dabei über Direktanlagen, Fonds sowie Derivate und Zertifikate auf Marktindizes seine Vorstellungen umsetzen. Maximal bis zu 30 Prozent des Fondsvermögens dürfen in physischen Edelmetallen angelegt werden.
"Reale Werte sind erste Wahl für unruhige Zeiten", sagt Schlinghoff. Er ist überzeugt: "Sachwerte sind eine sinnvolle Ergänzung fürs Depot." Das Portfolio besteht aktuell aus 21,7 Prozent Edelmetallen sowie knapp 18 Prozent anderer Rohstoffe. Immerhin 37 Prozent des Portfolios sind derzeit in Renten angelegt, hinzukommen Aktien mit einem Depotgewicht von rund 18 Prozent. Der Immobilienanteil beträgt aktuell nur 1,6 Prozent.
Beim Pioneer Investments Substanzwerte investiert das Fondsmanagement in europäische Aktien, Anteile an offenen Immobilienfonds sowie festverzinsliche Wertpapiere. Obwohl als Mischfonds deklariert, beträgt der Aktienanteil aber über die Hälfte des Portfolios, was die kräftigen Schwankungen und die Verluste auf Jahressicht erklärt.
Anders als der Name vermuten lässt, ist dagegen der Fidelity Global Real Asset Securities Fund kein klassischer Sachwertefonds. Investiert wird ausschließlich in Aktien von Unternehmen, die unter anderem in den Bereichen Infrastruktur, Immobilien und Industrie tätig sind. Von dem Namenseinschub "Real Asset" sollten sich Anleger also nicht täuschen lassen. Gleiches gilt für den Fonds WM Fund Sachwerteportfolio, der ausschließlich in börsennotierte Unternehmen anlegt.















