03.04.12

Alternative Investments

ÖkoDax stürzt auf historisches Tief

Der Niedergang der Solarbranche drängt den ÖkoDax in die Bedeutungslosigkeit. Für die Solarfirmen hat sich die Energiewende nicht gelohnt. Einzelne grüne Aktien erleiden Wertverlust von 99,9 Prozent.

Foto: Infografik DWO
Börsenwert aller deutscher Solarfirmen
Börsenwert aller deutscher Solarfirmen

Die Politik hat's gegeben, die Politik hat's genommen. Wie Hiob im Alten Testament ringt die Solarbranche derzeit mit der Politik. Die Kürzung der Sonnensubventionen bedeute das Aus für die einstige Wachstumsindustrie, lautet das Klagelied. An der Börse ist der Kollaps schon da. Der ÖkoDax, der die Wertentwicklung der Branchengrößen abbildet, ist am Dienstag auf ein historisches Tief gestürzt. Einzelne Sonnen-Aktien haben 99,9 Prozent verloren.

In den vergangenen fünf Jahren ist ein Marktwert von 21 Mrd. Euro verglüht. Der Börsenwert aller in Deutschland gelisteten Solarfirmen stürzte von 23,8 Mrd. Euro im Jahr 2007 auf inzwischen unter drei Mrd. Euro ab. Die Verluste beschränken sich nicht allein auf Aktionäre. Auch Halter von Anleihen wurden kräftig geschoren. Die Schuldtitel einzelner Anbieter notieren nur noch bei einem Drittel ihres Nennwertes. Und wenig spricht dafür, dass sich die Lage für die Anleger der grünen Wertpapiere verbessern könnte.

Einzelne Experten sagen gar ein Massensterben voraus. Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsmitglied beim größten deutschen Versorger E.on, rechnet mit einem Verschwinden der deutschen Solarwirtschaft binnen fünf Jahren. "In fünf Jahren werden alle deutschen Solarunternehmen pleite sein", sagte er gegenüber dem Nachrichteninformationsdienst Bloomberg.

Vier deutsche Sonnen-Konzerne sind bereits so weit. Solon, Solar Millennium, Solarhybrid und Q-Cells mussten in den vergangenen Wochen Insolvenz anmelden. Conergy hat einen drastischen Kapitalschnitt hinter sich. Phoenix Solar machen Finanzierungsprobleme zu schaffen.

So wird aus der einstigen Hoffnungsbranche eine Ansammlung von Hoffnungswerten. Einzelne Aktien notieren bereits im Penny-Bereich, also unter einem Euro. Die Firmenwerte sind teilweise auf wenige Tausend Euro zusammengeschrumpft. Die Misere wird besonders am ehemaligen deutschen Branchenprimus Q-Cells deutlich.

Das Unternehmen, das mit einem Börsenwert von elf Mrd. Euro fast den Sprung in die erste deutsche Börsenliga Dax geschafft hätte, bringt es aktuell gerade noch auf eine Marktkapitalisierung von 27 Mio. Euro. Trotz des drastischen Verfalls findet sich die Aktie immer noch bei elf Analysten auf der Verkaufsliste wieder, lediglich drei Profis haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben und raten zum Halten.

Citigroup erwartet Zusammenbruch des Solarmarkts

"Die Zukunft für die Solar-Industrie und deren wichtigste Spieler ist äußerst düster", fasst Jason Channell, Analyst bei der Citigroup in London, die Stimmung zusammen. Er macht vor allem die drastische Kürzung der Solarförderung hierzulande mit dafür verantwortlich. Denn schon bald werde die Nachfrage kollabieren. "Ab dem Jahr 2013 wird mit Deutschland ein ganzer Markt als Nachfrager verschwinden", sagt Channell. Das sei umso gravierender als die Bundesrepublik aktuell für rund ein Drittel der gesamten weltweiten Nachfrage ausmache.

Deutschland steht mit seiner Kürzung nicht alleine da. Auch andere Länder in der Euro-Zone wollen ihre Solarförderung abschmelzen. Die klamme Haushaltslage vieler Industriestaaten lässt die Finanzminister nach Kürzungsmöglichkeiten Ausschau halten – und häufig fällt ihr Blick auf die Förderung für Erneuerbare Energien.

Selbst in den USA schwindet die Solar-Euphorie

In vielen europäischen Märkten wie Italien oder Spanien ist das politische Risiko beträchtlich. Und selbst in den USA ist die Sonnen-Euphorie geschwunden, seit riesige Vorkommen an Schiefergas entdeckt worden sind. Bleiben Indien oder China. Zwar dürfte die Nachfrage aus den aufstrebenden Nationen zunehmen. Doch hier kommen vor allem asiatische Hersteller zum Zuge.

Ablesen lässt sich das Elend der hiesigen Solarbranche am ÖkoDax. Der Auf- und Abstieg des grünen Dax-Ablegers erinnert an den Neuen Markt. Auch hier war es zunächst zu einer Vervielfachung der Kurse gekommen, bevor die große Ernüchterung einsetzte, als sich herausgestellt hatte, dass viele Geschäftsmodelle nicht nachhaltig sind. Das gilt heute auch für die Solarindustrie. Die Anbieter leiden seit Jahren unter schrumpfenden Margen.

Deutsche können im globalen Wettbewerb nicht mithalten

Viele Unternehmen sind in die Verlustzone gerutscht. Verantwortlich dafür ist der extrem harte Wettbewerb. Vor allem die chinesische Billigkonkurrenz hat den deutschen Herstellern kräftig zugesetzt. Die Asiaten produzieren deutlich günstiger und können bei der Qualität mindestens mithalten. So haben sich die Preise für Solarmodule in den vergangenen Jahren gefünftelt, nur eben die Kosten der deutschen Anbieter nicht.

Nur dank der Subventionen haben einzelne Anbieter überlebt – mit dem Ergebnis, dass jede Kürzung zur Existenzfrage für die Branche wird. Nun stellt sich heraus, dass der Solar-Markt in Deutschland alles andere als selbsttragend ist. Fast hat es den Anschein, als hätten die Subventionen eine ganze Branche ruiniert: Schließlich zahlt jeder Haushalt in Deutschland rund 70 Euro Solarförderung als Umlage über die Stromrechnung.

Damit hat sich die vor einem Jahr von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende für Anleger alles andere als gerechnet. Seit dem Atomausstieg im Mai 2011 hat sich der Börsenwert der Branche noch einmal gedrittelt.

Verbinden Sie sich mit unserem "Welt-Online"-Autoren auf Twitter: Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick.

Quelle: DWTV
29.06.11 5:13 min.
Kann der Export von Solarstrom Griechenland retten? Das südeuropäische Land hat doppelt so viele Sonnenstunden wie Deutschland. Allerdings wurde die Energiewende in Griechenland bisher eher verschlafen. Deutsche Solar-Unternehmen wie Conergy sind bereits vor Ort. Quelle:
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