Beruf und Karriere
So finden Sie die optimale Weiterbildung
Alle raten dazu, doch wer sich auf eigene Faust weiterbilden will, steht vor einem unüberschaubaren Angebot: Sprachen, Computer, Zeitmanagement, Kurse über mehrere Tage oder Monate, im Seminar oder am PC, mit Teilnahmebestätigung oder Kammer-Zertifikat. Wie Karrierewillige die richtige Weiterbildung finden.
Von Midia Nuri
Wer eine Qualifizierung sucht, sollte sich zunächst klar machen, welche Qualifikationen, Kenntnisse oder Fähigkeiten für das eigene berufliche Ziel fehlen. Einen Überblick über das Kursangebot gibt es am besten online, beispielsweise beim Infoweb Weiterbildung ( www.iwwb.de ) oder bei einer Weiterbildungsdatenbank wie Kursnet von der Bundesagentur für Arbeit ( www.kursnet.arbeitsagentur.de ).
Meist stehen unzählige Anbieter und diverse Lernmöglichkeiten zur Auswahl. Spätestens nun sollten Fortbildungswillige klären, wie sie persönlich am leichtesten lernen. Workshops, Seminare oder Trainings finden meist in einer Bildungseinrichtung statt. Wer zeitlich flexibel sein will, kann sich aber auch per Fernunterricht oder E-Learning weiterbilden. Die Kursinhalte kommen dann per E-Mail, Post, CD oder DVD an den heimischen Schreibtisch oder werden im Internet bereitgestellt, manchmal ergänzt um virtuelle oder reale Veranstaltungen mit anderen "Schülern".
Am besten unabhängig beraten lassen
Niklas Stamer, der im Vertrieb eines Teileherstellers für die Nutzfahrzeugbranche in Frankfurt arbeitet, hat einen zweijährigen berufsbegleitenden Kurs zum Marketingkaufmann mit IHK-Zertifikat absolviert.
Ihm war klar: "Fernunterricht ist zwar praktisch", doch aus Erfahrung weiß der 27-jährige Groß- und Außenhandelskaufmann: "Ich würde einen Großteil des Stoffs erst kurz vor den Prüfungen lernen." Deshalb hat er einen Kursanbieter in der Nähe gesucht. Den entscheidenden Tipp bekam Stamer durch Zufall bei der Azubi-Abschlussfeier seiner Frau: "Ich bin dann nur noch zu einem Beratungsgespräch in die Einrichtung gefahren."
Auch Sylvia Wachter aus Ulm fand ihren Anbieter schnell. Die gelernte Arzthelferin und Rettungsassistentin hatte sich aus Gesundheitsgründen bereits zur staatlich anerkannten Sozialfachwirtin umschulen lassen und wollte eine Qualifizierung zur TQM-Auditorin (Total-Quality-Management) und Qualitätsmanagement-Beauftragten im Gesundheits- und Sozialwesen draufsatteln. Die braucht sie, um als selbstständige Dienstleisterin ihre Angebote rund um das Qualitätsmanagement für Arztpraxen und Kliniken mit der Krankenkasse und anderen Kostenträgern abzurechnen. Die überschaubare Zahl von Schulen vor Ort, die sogar Kurse in Teilzeit anboten, hat sie persönlich aufgesucht. Die Entscheidung fiel dann für die Akademie, die mit der Bildungseinrichtung kooperierte, bei der Wachter sich zur Sozialfachwirtin hatte ausbilden lassen.
Angebote genau vergleichen
"Am besten ist eine trägerunabhängige Beratung", empfiehlt Gerhard Reutter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn. "Die bieten die regionalen Weiterbildungsnetzwerke an." Gut ist auch die Beratung der örtlichen Industrie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern (HWK) – im Gegensatz zu den Tipps der Arbeitsagenturen, wie Untersuchungen der Stiftung Warentest ergeben haben. Frauen, die nach einer Erziehungszeit wieder einsteigen wollen, sollten zu spezialisierten Beratungsstellen vor Ort gehen oder – hier waren die Testergebnisse positiv – zur Arbeitsagentur.
Vorsicht bei Vorauszahlungen
Wer das Angebot eingegrenzt hat, sollte genau vergleichen. Sinnvolle Auswahlkriterien sind Reutter zufolge Ziel, Dauer, Abschluss und Gliederung der Kurse sowie Qualifikation und Erfahrung der Kursleiter. Zudem lohnt ein genauer Blick auf Zielgruppe und Gruppengröße, auf den Preis und das Angebot an Selbststudienmaterial. Allein durch Kataloge lässt sich das meist nicht klären. "Bevor Teilnehmer einen Kurs belegen, sollten sie persönlich oder telefonisch mit dem Anbieter gesprochen haben", sagt Gerhard Reutter.
Zertifikate zeigen, ob eine Weiterbildung allgemein anerkannt ist. Als Qualitätskriterium taugen sie allerdings nicht in allen Fällen. "Wer beispielsweise lernen will, eine neue Software anzuwenden, wird sich daran nicht orientieren können", betont Reutter. Gleiches gilt für weichere Lerninhalte wie Bewerbungs- oder Persönlichkeitstrainings. Hier können Informationen hilfreich sein, wie lange das Institut am Markt ist und ob es unabhängige Standards beispielsweise eines Berufsverbandes einhält oder zertifiziert ist.
Die Alarmglocken sollten läuten, wenn Vorauszahlungen fällig werden, warnt Reutter. Auch wer aufgefordert wird, weitere Teilnehmer anzuwerben, sollte auf Abstand gehen.
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