Karriere
So stoppen Sie fiese Gesellen am Arbeitsplatz
Mittwoch, 18. Februar 2009 12:29 - Von Yvonne SchellerManche Kollegen sind gemeine Zeitgenossen. Die Bandbreite übler Tricks reicht vom bewussten Zurückhalten von Informationen, geistigem Diebstahl, dem Verschwindenlassen von Unterlagen bis hin zu fiesem Lästern. Wer am Arbeitsplatz mit faulen Tricks arbeitet, hört damit meist nicht von selbst auf. Da hilft nur gegenhalten.

Ärgerlich. Aber spätestens, wenn hinter solchen Ärgernissen ein System erkennbar wird, ist es Zeit zu handeln. Wer faule Tricks am Arbeitsplatz einsetzt, hört damit nicht einfach wieder auf. Die Situation muss klar und deutlich zur Sprache gebracht werden. Im Falle des sich mit fremden Federn schmückenden Kollegen rät Professor Ulrich Kohler: „Zum einen zum Chef gehen und die Situation klarstellen, zum anderen den Kollegen selbst ansprechen. Dabei aber nicht etwa von geistigem Diebstahl oder Ähnlichem reden, denn solche Anklagen führen nur zur Eskalation der Situation. Besser eine Ich-Botschaft aussenden und sagen: Ich verstehe nicht, warum Du meine Idee vorgetragen hast.“
Kohler weiß wovon er redet. Der Trainer beim Hamburger Weiterbildungsunternehmen „Triple A“ im Bereich Führung und Konflikt wird auch gerufen, um als Konfliktmanager den Betriebsfrieden wiederherzustellen. Denn wo faule Tricks überhand nehmen, leidet schnell die Effektivität. „Der Konflikt vergiftet die Arbeitssituation, stört die Konzentration, das Engagement und die Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter“, so Kohler. Den typischen Hinterhältigen oder Intriganten gebe es nicht, „aber ganz grob gesagt sind es eher die Extrovertierten oder Dominanten, die zu einem Weltbild von Gewinnern und Verlierern neigen – und dann sehen diese natürlich zu, dass sie auf der Gewinnerseite stehen.“
Böser Flurfunk
Die Bandbreite übler Tricks reicht dabei vom bewussten Zurückhalten von Informationen, geistigem Diebstahl, dem Durchsuchen oder Verschwindenlassen von Unterlagen bis hin zu fiesem Lästern und bösartigem Flurfunk.
In vielen Fällen sei bösartiger Flurfunk Ausdruck einer bereits eskalierten Konfliktsituation und einer gestörten Beziehungsebene. „Das muss unbedingt bereinigt werden, sonst ist eine produktive Zusammenarbeit kaum mehr möglich.
Für eine Lösung des Konflikts mit allen Mitteln spricht sich auch die Konflikt- und Mobbingberaterin Susanne Anhäuser aus. Denn was vergleichsweise harmlos beginnt, „kann sich zu einer systematischen Schikane auswachsen“. Wenn die Entwicklung nicht gestoppt wird, „passieren am Ende gerade die Fehler, die der übel wollende Kollege angeprangert hat.“ Nur wenige verfügen über die Souveränität, üble Nachrede vollständig ignorieren zu können.
Was also ist zu tun? Auch Anhäuser plädiert für ein Ansprechen der jeweiligen Situation und zwar „je eher, desto besser.
Den Chef rechtzeitig einschalten
Ist der unfaire Kollege uneinsichtig, müsse der Chef kontaktiert werden. Sollte auch der involviert sein, „der Betriebs- oder Personalrat, der Chef vom Chef oder die Gewerkschaft. Auch Externe und Selbsthilfegruppen können helfen.“ Doch auch im Vorfeld lässt sich einiges tun, um es dem Intriganten schwer zu machen. „Räumen Sie Ihren Schreibtisch abends auf, verschließen Sie vertrauliche Informationen und leiten Sie Telefonate nach Möglichkeit auf Ihr Handy um“, rät Anhäuser.
Wie kann man den Hinterhältigen vom Vergesslichen oder der Klatschbase unterscheiden? Beraterin und Auftrittscoach Meike Müller zählt in ihrem Buch „Nervensägen im Griff“ einige auffällige Verhaltensmerkmale auf: Intriganten seien Meister im Gerüchte verbreiten; neigen zum Übertreiben, Lügen, Andeuten und Tratschen. Sie spielen Menschen gegeneinander aus, horchen sie aus „und spricht man sie auf ihr Verhalten an, spielen die Hinterhältigen die Unschuld in Person“, so Müller.
Gerade das mache den Umgang mit ihnen so schwer, denn die ganz natürliche Reaktion ist oft zunächst mal Unglaube: Das kann doch nicht sein, der Kollege war doch immer so nett und hilfsbereit. Hat man sich schließlich zu einem Gespräch durchgerungen, trifft man meist auf einen ausgefuchsten „Sich-Rauswinder“. Sätze wie: „Ach, das war doch ganz anders gemeint.“ Oder: „So habe ich das nie gesagt“, seien ganz typisch. Müller empfiehlt in solchen Fällen, sich Verbündete zu suchen. „Häufig haben Intriganten nicht nur eine Person im Visier.“
Doch warum es dem fiesen Kollegen nicht gleichtun? Andeutungen machen, kann schließlich jeder. „Auf keinen Fall“, sagt Müller. "So schaukelt sich die Situation nur unnötig hoch. Zudem bindet Zurückschlagen in der Regel einfach zu viel Energie.“
Erschienen am 09.12.2008
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