Finanzkrise
2009 wird für Frankreich-Immobilien ein Horrorjahr
Die Immobilienkrise gewinnt in Frankreich an Fahrt. Die vom Wohnungs- und Städtebauministerium veröffentlichten Zahlen für Neubauten sind schlimmer als erwartet. 2009 dürfte ein schreckliches Jahr werden. Doch Immobilienexperten haben auch genaue Ansichten über die Dauer der Krise.
Von Gesche Wüpper
Die neuesten Statistiken sind alarmierend. Der Baubeginn von neuen Immobilien in Frankreich ist innerhalb eines Jahres bis Ende Oktober um 20,6 Prozent eingebrochen. Betroffen sind mittlerweile alle Regionen, selbst der Großraum Paris und die Region Rhone-Alpes im Südosten des Landes rund um Lyon, Grenoble sowie Annecy. "Das ist ein Aderlass von einer äußerst seltenen Intensität", urteilt Professor Michel Mouillart von der Universität Paris-X. "Das ist noch schlimmer als zum Höhepunkt der Immobilienkrise in den 90er-Jahren."
Noch stärker zeigt sich die Krise bei den Verkäufen von Neubauten. Sie sind innerhalb eines Jahres um 44 Prozent eingebrochen. Wurden 2007 noch 127.353 Neubauten verkauft, dürften es dieses Jahr gerade mal 80.000 sein und 2009 nur noch knapp 60.000. Dauerte der Verkauf einer neuen Immobilie vor einem Jahr nur neun Monate, hat sich die Zeit inzwischen verdoppelt.
In der Folge dürfte der Umsatz der Immobilienentwickler im kommenden Jahr um die Hälfte sinken. Die Baukonzerne rechnen inzwischen für 2009 mit einem Rückgang ihrer Aktivitäten um sechs Prozent. Deshalb könnten in der Branche im nächsten Jahr 25.000 bis 30.000 Stellen wegfallen, warnt die Vereinigung französischer Baukonzerne FFB. Auch bei den 56.000 Immobilienagenturen und den 10.000 Baugutachtern dürfte es zu Entlassungen kommen.
Trotz der Krise sind die Preise für Neubauten bisher noch nicht eingebrochen, da die Zahl der fertiggestellten und nicht verkauften Wohnungen und Häuser noch relativ überschaubar ist. Bei Altbauten sieht es da schon ganz anders aus. So sind die Preise innerhalb der letzten zwölf Monate nach Angaben von Laforet, mit 875 Filialen eine der größten französischen Immobilienagenturen, um 6,1 Prozent gefallen. Am stärksten betroffen sind Wohnungen mit einem Rückgang um 7,2 Prozent. Seit September purzeln sogar erstmals in Paris die Preise. Der Immobilienmarkt in der Hauptstadt, deren Angebot relativ begrenzt ist, hatte der Krise bisher getrotzt. Für das Gesamtjahr rechnet Laforet nun mit einem landesweiten Einbruch der Preise für Altbauten um zehn Prozent.
Inzwischen würden die Käufer nicht mehr zögern, die Preise zu drücken, sagen die beiden Gründer und Co-Chefs von Laforet, Patrick-Michel Khider und Bernard Crémiers. "Seit September machen die Käufer häufig sofort Angebote, die 15 bis 20 Prozent unter dem geforderten Preis liegen", erklären sie. Doch viele Verkäufer hätten sich noch nicht auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. Sie seien sich zwar bewusst, dass die Preise fallen, seien aber trotzdem erst nach mehreren Wochen bereit, mit ihren Forderungen herunterzugehen. Experten schließen inzwischen nicht mehr aus, dass die Krise heftiger ausfallen könnte als die letzte in den 90er-Jahren. Damals war lediglich Paris betroffen. Die Preise waren dort innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent eingebrochen. Der Immobilienexperte Jacques Friggit rechnet jetzt mit einer Preiskorrektur: "Das Wahrscheinlichste ist ein Rückgang um 30 bis 40 Prozent innerhalb von fünf bis sieben Jahren."
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