Staatsbank
KfW mit 800 Millionen Euro in Island engagiert
Mittwoch, 1. Juli 2009 10:09Das staatliche Förderinstitut KfW hat viel mehr Geld in Darlehen in Island gesteckt als bislang bekannt. Der kleine Staat wurde nur knapp vor der Pleite gerettet. Erst im September war die Staatsbank mit der Überweisung von mehr als 300 Millionen Euro an die Pleitebank Lehman in die Schlagzeilen geraten.
Die staatliche Förderbank KfW ist weit stärker durch Darlehen und Investments in Island belastet als bisher bekannt. Nach aktuellen Angaben aus dem Bundesfinanzministerium beläuft sich das Engagement des Förderinstituts auf nunmehr knapp 800 Millionen Euro. Erst Anfang November war von insgesamt rund 560 Millionen Euro die Rede. Die FDP sprach in Berlin von einem Fass ohne Boden.
Für diese Anlagen seien bisher eine Risikovorsorge von 90 Millionen und Abschreibungen von 111 Millionen Euro vorgenommen worden. Über Auslandstöchter isländischer Banken – darunter auch Kaupthing – ist die KfW den Angaben zufolge mit weiteren 399 Millionen Euro über Darlehen und Wertpapieren engagiert. Teils unterliegen sie aber einer dänischen Staatsgarantie, hieß es früher.
FDP-Experte Frank Schäffler kritisierte, „damit wird die KfW immer mehr zur Kreditanstalt für Wertvernichtung.“ Der „Rheinischen Post“ (Freitag) sagte Schäffler, aufgrund einer Salamitaktik würden immer neue Zahlen bekannt. Die Bank sei ein Fass ohne Boden. „Die KfW muss nun reinen Tisch machen, und endlich alle Fakten auf den Tisch legen.“
Es ist offen, wieviel der Forderungen wirklich verloren gehen und wieviel am Ende komplett abgeschreiben werden muss. So sind etwa Wertpapiere der Republik Island grundsätzlich weiter handelbar. Ein Verkauf ist im aktuellen Marktumfeld aber ungünstig. Einige Wertpapiere bei Banken wurden inzwischen aber veräußert.
Die KfW ist nach früheren Angaben des Finanzministeriums eine von mehr als 30 deutschen Banken, die bei isländischen Instituten im dreistelligen Millionenbereich engagiert sind. Viele Banken seien wesentlich stärker betroffen. Insgesamt belaufe sich das Engagement aller deutscher Banken auf rund 21 Milliarden US-Dollar.
Zuletzt war die KfW stark unter Beschuss geraten: Die Fast-Pleite der Mittelstandsbank IKB, deren Mehrheitseigentümerin die KfW war, belastete die staatliche Bank mit rund zehn Milliarden Euro. Mitte September folgte eine peinliche Überweisung von 320 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman Brothers am Tag ihres Insolvenzantrags.
Erst am Sonntag hieß es, die KfW rechne wegen der schwachen Börsen auch im vierten Quartal mit einem Verlust. Im Gesamtjahr 2008 werde das Minus höher ausfallen als in den ersten neun Monaten des Jahres, als ein Verlust von 1,8 Milliarden in den Büchern stand, sagte KfW-Chef Ulrich Schröder der „Süddeutschen Zeitung“. „Der Oktober und bisherige November waren noch einmal katastrophal an den Wertpapiermärkten“, erklärte Schröder.dpa/dma
Erschienen am 27.11.2008
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