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26.11.08

Strompreise

Mehr als 300 Stromanbieter erhöhen die Preise

Es wird immer dramatischer. Die Zahl der Stromversorger, die zum Jahreswechsel ihre Preise erhöhen ist inzwischen auf 354 gestiegen. Aktuell sind mehr als 14 Millionen Haushalte von den Erhöhungen um durchschnittlich 8,5 Prozent betroffen. Doch damit nicht genug: In den kommenden Wochen ist mit weiteren Erhöhungen zu rechnen.

© DDP
Stromversorger erhöhen Preise

Zum Jahreswechsel steht den Bundesbürgern eine beispiellose Welle von Strompreiserhöhung bevor. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Verbraucherportals Verivox berichtet, heben 354 Versorger die Tarife zum 1. Januar 2009 bis zu 21 Prozent an. Im Durchschnitt stiegen die Grundtarife um 8,5 Prozent. Dadurch entstünden einem Vier-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch Mehrkosten in Höhe von durchschnittlich 74 Euro.

Tabelle: 210 Stromanbieter ziehen ab 2009 Preise an...

Bislang sind 14 Millionen Haushalte von den Erhöhungen betroffen. "Doch diese Zahl dürfte sich in den kommenden Wochen noch einmal mehr als verdoppeln", sagte Thorsten Storck von Verivox zu Morgenpost Online. "Denn die großen vier Stromversorger E.on, RWE, Vattenfall und EnBW haben ihre konkreten Preiserhöhungen bislang nicht veröffentlicht." Fest stehe nur, dass E.on ab Februar und RWE ab dem 1. April ihre Kunden mit neuen Preisen "beglücken" werden. Beide Konzerne begründeten die Verteuerung mit den stark gestiegenen Beschaffungskosten. EnBW und Vattenfall haben sich bislang noch nicht geäußert.

Berlin ist damit noch nicht in der Liste vertreten, aber die Brandenburger erfahren schon, was sie erwartet. So planen die envia Mitteldeutsche Energie AG, die Stadtwerke Brandenburg Havel, Neuruppin, Ludwigsfelde und Oranienburg, die Städtischen Werke Spremberg (Lausitz), die WEMAG AG und die PVU GmbH Prignitzer Energie und Wasserversorgungsunternehmen Preissteigerungen zwischen 4,5 und 8,8 Prozent.

Die Strompreisentwicklung hat sich damit – zumindest vorläufig – von der Entwicklung bei Benzin oder Gas abgekoppelt, wo die Preise in den vergangenen Monaten spürbar ins Rutschen gekommen sind. Der Hintergrund: Die Stromversorger decken sich traditionell Monate oder sogar Jahre im Voraus mit den benötigten Strommengen ein. Die Preise für Stromlieferungen im kommenden Jahr sind an der Leipziger Strombörse EEX nach Angaben des "Handelsblattes" auf mehr als 90 Euro im Juli 2008 gestiegen, ehe sie wieder auf unter 60 Euro sanken.

Der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, sieht allerdings die Hauptursache für die Preissteigerungen im mangelnden Wettbewerb bei der Stromproduktion. Sie werde zu 80 Prozent von den vier großen Konzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall kontrolliert, kritisierte Krawinkel im "Handelsblatt"

Offen ist, wie die Verbraucher auf die Preiserhöhungen reagieren werden. Die vorangegangene Preisrunde hatte Anfang dieses Jahres Hunderttausende Kunden veranlasst, zu günstigeren Anbietern zu wechseln. Doch scheuen offenbar noch immer viele Verbraucher vor einem solchen Schritt zurück. Auch mehr als 10 Jahre nach der Liberalisierung des Energiemarktes hätten nur rund 17 Prozent der Kunden von der Möglichkeit des Stromanbieterwechsels Gebrauch gemacht, berichtete Verivox. Noch immer nutzten rund 38 Prozent der privaten Haushalte die in der Regel vergleichsweise teueren Grundversorgungstarife der örtlichen Versorger.

Nach Berechungen von Verivox könnten die Stromkunden in Deutschland insgesamt rund 10 Milliarden Euro pro Jahr sparen, wenn alle zu den günstigsten Anbietern wechselten.

Quelle: AP/nan
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