11.11.08

Chaos

Hamburger bekommen tagelang keine Post

Durch Personalknappheit und einen hohen Krankenstand schafft es die Post derzeit nicht, an den sechs vorgeschriebenen Wochentagen überall in Hamburg ihre Briefe und Pakete zuzustellen. Besonders prekär ist die Lage im Westen der Stadt – dort bleiben ganze Zustellbezirke tagelang ohne Post.

Foto: ddp
Briefträger
Ein Bild aus besseren Tagen: Derzeit kommt der Postbote nicht jeden Tag ins Haus, weil er die Briefmengen nicht mehr bewältigen kann

Die Post ist wieder einmal ein Ärgernis für viele Hamburger Haushalte. Durch Personalknappheit und einen hohen Krankenstand schafft es die Post derzeit nicht, an den sechs vorgeschriebenen Wochentagen überall in Hamburg ihre Briefe und Pakete zuzustellen. "In der Zustellung herrscht Chaos. Die Mitarbeiter können die Mengen nicht mehr schaffen", sagte Wolfgang Abel, Fachbereichsleiter der Gewerkschaft Ver.di in Hamburg. Nach seinen Berechnungen fehlen mindestens 60 zusätzliche Stellen bei der Post in Hamburg, um den Betrieb reibungslos abwickeln zu können.

Besonders prekär ist die Lage in Hamburgs Westen. In Stadtteilen wie Lurup, Schenefeld oder Rissen bleiben einige Straßenzüge oder sogar komplette Zustellbezirke tageweise ohne Post. Auch im Zentrum Hamburgs gibt es Probleme, ebenso sind Harburg und Bergedorf stark betroffen. "Es kann durchaus sein, dass die Bewohner ein paar Tage hintereinander keine Post bekommen", sagte Abel. Nach Angaben von Ver.di schieben die Post-Beschäftigten in Hamburg derzeit rund 300.000 Überstunden und 135.000 Resturlaubstage vor sich her – und können davon nichts abnehmen. Dies entspricht nach den Aussagen 500 zusätzlichen Stellen und ein Jahr Arbeit.


Die Post selbst hält diese Zahlen für "ganz normal". "Solche Werte haben wir zu dieser Jahreszeit regelmäßig. Außerdem werden wir bis zum Jahresende noch zusätzliche Mitarbeiter einstellen", sagte Post-Unternehmenssprecher Jörg Koens. Mit einer Reihe von Maßnahmen wolle die Post die Zusteller entlasten. "Wir wissen, dass es Probleme gibt", sagte Koens weiter. An diesem Mittwoch und Donnerstag versammeln sich Betriebsräte der Post aus allen deutschen Städten in Bremen. Dort will Postchef Frank Appel Entlastungen ankündigen, heißt es aus der Post-Zentrale in Bonn.

Wie so oft in den Unternehmen haben die Schwierigkeiten der Post gleich mehrere Gründe. Um Kosten zu sparen, hat der Konzern die Zustellung neu organisiert und dabei die einzelnen Zustellbezirke vergrößert. Während früher der Zusteller selbst seine Briefe sortiert und dann ausgetragen hat, ist dieser Prozess getrennt worden. Oftmals sind es Teilzeitbeschäftigte, die das Sortieren übernehmen.


Immer öfter schaffen es die Postboten aber nicht mehr, diese Briefmengen in ihrer Arbeitszeit auszutragen. Per Gesetz dürfen sie höchstens zehn Stunden und 45 Minuten am Tag im Einsatz sein. Selbst das reicht aber oft nicht mehr aus. Was sie bis dahin nicht schaffen, bleibt für die nächsten Tage liegen. An Samstagen, wenn besonders viel Post anfällt, hat ein einzelner Briefträger im Laufe seiner Tour schon einmal 700 Kilogramm Briefe zu verteilen. Hinzu kommt ein hoher Krankenstand – was wiederum Folge der Arbeitsverdichtung sein dürfte. So sind in Hamburg Zentrum etwa knapp sieben Prozent der Belegschaft krank. Ein für diese Jahreszeit normaler Wert liegt dagegen bei fünf Prozent.

Die Gewerkschaft wirft dem Management vor, dass es die vorgegebenen Budgets in der Briefzustellung unrealistisch berechnet hat. "Hier will der Vorstand das Geld einsparen, das er in den USA an Milliarden Euro versenkt hat", sagte Abel. In der Tat ist das USA-Geschäft zurzeit ein Milliarden-Grab für die Post. Am Montag hatte Postchef Appel einräumen müssen, dass der Konzern dadurch erstmals seit vielen Jahren einen Verlust machen wird.

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