Tarifverhandlungen
Transnet und GDBA fordern zehn Prozent mehr
Die beiden großen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen Gehaltsforderungen von zehn Prozent mehr in der neuen Tarifrunde 2009 durchsetzen. Die Bahn macht genug Gewinn, sagt GDBA-Vize Heinz Fuhrmann. Die Vertreter der Arbeitnehmer wollen auch die Arbeitszeiten verbessern.
Die beiden großen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern in der nächsten Tarifrunde 2009 zehn Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten. Dies beschlossen die Delegierten auf einer Forderungskonferenz in Frankfurt am Main. "Die Ergebnisse der Deutschen Bahn sind weiterhin gut, der Umsatz ist gestiegen, jetzt wollen wir vernünftige Tarifabschlüsse", sagte Heinz Fuhrmann, stellvertretender Bundesvorsitzender der GDBA, Morgenpost Online.
Fuhrmann sieht nach dem Tarifabschluss von 2007 mit 4,5 Prozent einen "Nachholbedarf" der Arbeitnehmer bei der Bahn. Die höhere Forderung für 2009 wollen die Gewerkschafter nicht nur beim Hauptkonzern, sondern auch für die Bahntöchter wie DB Services durchsetzen. Laut Fuhrmann geht es um die Löhne und Gehälter für rund 110.000 Beschäftigte – von der Reinigungskraft bis zum leitenden Verwaltungsmitarbeiter.
Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Gesamtlage sehen Transnet und GDBA keinen Anlass, bei den Tarifforderungen zurückzustecken. "Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat ja selbst deutlich gemacht, dass die Finanzkrise bei der DB derzeit nicht durchschlägt", sagte Fuhrmann.
Weitere Forderung: Die Arbeitszeiten bei der Bahn sollen mitarbeiterfreundlicher werden. Angesichts steigender Belastungen durch wechselnde Schichten, Wochenend- und Nachtdienste müssten die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sich wieder besser mit Freizeitbedürfnis und Familie vertragen, sagte GDBA-Vize Fuhrmann.
Die Friedenspflicht für die Tarifparteien endet nach dem 31. Januar 2009. Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass die Bahn bis zum neuen Jahr kein Tarifangebot mehr unterbreitet. Zu möglichen Arbeitskämpfen wollte sich Fuhrmann nicht äußern. "Unsere Basis ist hoch motiviert", sagte der Gewerkschaftsfunktionär lediglich. Dazu habe auch die Debatte um Vorstands-Boni bei der Bahn im Fall eines Teil-Börsengangs beigetragen. Die geplanten Sonderzahlungen hätten für Unmut gesorgt. "Das erklären Sie mal einem einfachen Mitarbeiter", sagte Fuhrmann.
Zur Forderungskonferenz in Frankfurt hatten sich 600 Delegierte der beiden Gewerkschaften versammelt. Zuvor hatten Transnet und GDBA an der Basis 8000 Mitglieder befragt. Die Bahngewerkschaften vertreten rund 150.000 Bahn-Beschäftigte.
Zurzeit gilt für die Bahn-Beschäftigten eine Einkommensgarantie bis 2010. Bis dahin sollen sie mindestens zehn, teils aber bis zu 14 Prozent höhere Einkommen erhalten. Im Juli 2007 vereinbarten Transnet und GDBA mit der Bahn zunächst eine durchschnittliche Erhöhung um 4,5 Prozent.
Nach monatelangen Auseinandersetzungen einigten sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) darauf, dass Lokführer ab 1. März 2008 acht Prozent mehr Geld und ab 1. September eine Erhöhung um weitere drei Prozentpunkte erhalten sollten. Die neuen Tarifverträge müssen mindestens die Einkommensgarantie sicherstellen.
Die Bahn ist seit 1994 privatrechtlich als Aktiengesellschaft organisiert, aber zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Der für Ende Oktober geplante Börsengang war wegen der Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
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