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29.10.08

Kurskapriolen

So schädigt die VW-Aktie deutsche Anleger

Die unfassbaren Kursschwankungen der Volkswagen-Aktie treffen auch Anleger, die mit dem Papier des Wolfsburger Autobauers gar nicht mittelbar zu tun haben. Ob Aktien, Zertifikate oder Fonds: Das absurde Auf und Ab sorgt für Verwerfungen, die weit über den üblichen Einfluss durch eine einzelne Aktie hinausgehen.

Am Markt stürzten die Kurse diverser Blue-Chips aus dem Dax in die Tiefe, kurz bevor die Volkswagen-Aktie gegen 9.38 Uhr bei 1005 Euro ihr Tageshoch markierte. Bayer fiel auf 33 Euro, BASF auf 19 Euro, Siemens auf 33 Euro. Wenig später erholten sich die Kurse dieser Aktien wieder, während die VW-Notierung den Rückwärtsgang einlegte. "Der Zusammenhang dieser Kursbewegungen ist offensichtlich", sagt ein Fondsmanager, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Offenbar haben viele Marktteilnehmer mit einem Basket von Dax-Aktien auf fallende Kurse spekuliert und zugleich mit Indexfonds versucht, der Entwicklung der Volkswagen-Aktie synthetisch zu folgen."

Das Nachsehen hatten diverse Anleger, die etwa über Zertifikate auf steigende Kurse einzelner Dax-Aktien - außer Volkswagen - gesetzt hatten. So wurden an der Zertifikate-Börse Euwax in Stuttgart zwischen 9 Uhr und 9 Uhr 40 diverse Papiere mit deutschen Blue-Chips als Basiswert ausgeknockt, das heißt, sie sind wertlos verfallen, weil sie eine Kursschwelle nach unten durchbrochen hatten. Getroffen hat es etwa 30 Derivate auf Bayer, 26 auf Siemens und 10 auf BASF. "Das ist nicht übermäßig viel, aber Fakt ist, dass diese Papiere ohne die absurde Entwicklung bei der VW-Aktie an diesem Tag nicht verfallen wären", sagt ein Börsenhändler.

Auch Aktienfonds, die sich als Messlatte den Deutschen Aktien-Index gewählt haben, leiden unter den Kurskapriolen des VW-Papiers. So blieb etwa der populäre Investa-Fonds von der Portfoliogesellschaft DWS seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September um rund 6,4 Prozentpunkte hinter der Entwicklung des Dax zurück. Dabei wird aktiv gemanagten Fonds gerade in Zeiten fallender Kurse die Fähigkeit nachgesagt, den Markt zu schlagen: Da sie die Möglichkeit haben, in einer Baisse die Bargeldquote zu erhöhen, sind sie dem Aktienmarktrisiko theoretisch weniger stark ausgesetzt als etwa Indexfonds, die das jeweilige Börsenbarometer in jeder Marktphase eins zu eins abbilden.

Entsprechend ungehalten reagiert Henning Gebhardt, bei der DWS verantwortlich für das Geschäft mit deutschen Aktien, auf die aktuellen Entwicklungen. "Was rund um die VW-Aktie geschieht, schadet letztlich auch dem Ansehen von Fonds. Schließlich erwarten die Anleger zu Recht, dass wir den Index schlagen." Doch dies sei angesichts solcher Verzerrungen nicht möglich. So darf das Gewicht einer Position in einem Fonds nicht mehr als zehn Prozent ausmachen. Phasenweise lag das Gewicht der VW-Aktie im Dax bei 25 Prozent.

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