Airlines
Fusion geplatzt – Condor bleibt selbstständig
Eine Gesellschaft aus Condor, TUIfly und Germanwings wäre Deutschlands drittgrößte Airline geworden. Doch aus der Fusion ist nichts geworden. Damit sind die Verhandlungen aber nicht am Ende. Denn den gnadenlosen Wettbewerb in der Branche kann kaum eine Anbieter alleine überleben.
Von Ernst August Ginten
Die geplante Fusion der Fluggesellschaften Condor, Germanwings und TUIfly ist offenbar gescheitert. Die Condor-Muttergesellschaft Thomas Cook teilte mit, man habe sich aus den Gesprächen über eine Zusammenlegung der drei Airlines zurückgezogen.
Die neue Gesellschaft wäre, gemessen an der Passagierzahl, neben Lufthansa und Air Berlin die dritte große deutsche Fluggesellschaft geworden. Condor soll nach Angaben von Thomas Cook vorerst selbstständig bleiben und habe ein "beträchtliches Potenzial als eigenständiger Anbieter". Die Option einer Fusion habe sich als "nicht attraktiv" erwiesen, hieß es ohne Angabe näherer Gründe.
Endgültig ist die Entscheidung damit allerdings noch nicht. Denn die Condor gehört immer noch zu 24,9 Prozent der Deutschen Lufthansa, die wiederum mit 50 Prozent an der Billigfluggesellschaft Germanwings beteiligt ist. Beim Verkauf des 50-prozentigen Anteils am Reisekonzern Thomas Cook für rund 800 Mio. Euro hatte sich die Lufthansa den Anteil an Condor gesichert. So wollte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber verhindern, dass die Condor ohne seine Zustimmung an einen Konkurrenten geht. Beide Parteien hatten damals vereinbart, sich gegenseitig das Recht einzuräumen, den Anteil des anderen übernehmen zu können. Dieses Recht kann im Februar 2009 in Anspruch genommen werden.
Lufthansa und TUI wollen nun trotz des Ausstiegs von Thomas Cook weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. "Wir sind in Gesprächen mit Lufthansa", sagte ein TUI-Sprecher. Die TUI spricht aber auch mit Air Berlin.
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat in einem Interview mit der Fachzeitschrift "FVW" noch einmal klargestellt, dass er Condor auf keinen Fall als Ganzes zurückhaben will. Allerdings wäre die Lufthansa sehr daran interessiert, ihre zu kleinen "No-Frills-Airline" Germanwings in ein größeres Unternehmen einzubringen, das mehrere große Anteilseigner hätte. So könnten laut Mayrhuber auch kartellrechtliche Bedenken zerstreut werden: Da das neue Konstrukt mehrere Anteilseigner gehabt hätte, wäre es neutral gewesen "und somit zugleich offen für alle Reiseveranstalter". Außerdem müsste das Personal nicht nach Lufthansa-Tarif bezahlt werden.
Auch für Thomas Cook hätte solch ein Konstrukt durchaus Vorteile gehabt. Grund für den Ausstieg aus den Verhandlungen könnte jetzt sein, dass Thomas Cook die Lufthansa zwingen will, die restlichen Anteile an Condor zu einem akzeptablen Preis zu übernehmen, oder bereits mit einem oder mehreren Interessenten über die Airline verhandelt. Gerüchten in der Branche zufolge, will zum Beispiel der russische Käufer von Öger Tours, Alexander Lebedew, sein Fluggeschäft in Deutschland weiter ausbauen. Ihm gehört bereits die Düsseldorfer Chartergesellschaft Blue Wings, die derzeit zehn A320 beschäftigt und weitere 20 Airbusse bestellt hat. Condor fliegt derzeit 34 Boeing 757/67 und A320, die ein Durchschnittsalter von rund zehn Jahren haben. mit rtr
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