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13.08.08

Überstürzte Entscheidungen

Vorsicht beim Immobilienkauf im Urlaub

Viele Touristen lassen sich durch die gute Urlaubsstimmung dazu verleiten, voreilig eine Ferienimmobilie zu kaufen. Doch Experten warnen vor solchen Schnellschüssen. Denn hinterher könnte sich rausstellen, dass das neue Domizil erheblich weniger wert ist als gedacht.

Wenn die Masse der Deutschen sich erholt, haben Makler Hochsaison. "Viele Urlauber nutzen die beste Zeit des Jahres, um sich nach einer Ferienimmobilie umzusehen", sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Doch Experten raten vor übereilten Entscheidungen ab. "Ein Zweitdomizil sollte nie in Urlaubslaune, sondern erst nach eingehender Prüfung erworben werden", sagt Rüdiger Grimmert von der Bausparkasse BHW.

Noch bis vor wenigen Jahren standen fast ausschließlich Ferienimmobilien im Ausland im Fokus der Interessenten. Das hat sich inzwischen geändert. "Heute sind primär Objekte im Inland gefragt", sagt Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobiliengesellschaft Degi, der den neuen Trend in einer Studie untersucht hat. "Vor allem gut verdienende Familien aus der oberen Mittelschicht suchen einen Zweitwohnsitz", sagt Beyerle. Und die möglichst in der Nähe. Zudem sind die Käufer insgesamt jünger.


Damit profitieren nicht nur die Immobilienmärkte in den klassischen Urlaubsgebieten im Alpenraum sowie an Nord- und Ostsee, sondern auch die Naturregionen im Herzen Deutschlands. Nach den Mittelgebirgen wie Bayerischer Wald, Harz, Sauerland und Schwarzwald entdecken Interessenten auch die Lüneburger Heide. Das Maklerunternehmen Engel & Völkers hat deshalb vor drei Monaten eine neue Niederlassung in Celle eröffnet. "Naturliebhaber, Reiter, Golfer und Jagdbegeisterte suchen nach jahrhundertealten Resthöfen", sagt Pressesprecherin Bettina Prinzessin Wittgenstein.


Viele Käufer erhoffen sich von ihrer Ferienimmobilie auch die Chance auf Wertsteigerungen. Das muss aber nicht immer der Fall sein. "Objekte in bester Lage an der Küste oder den oberbayerischen Seen werden immer begehrt sein, sagt IVD-Vize Schick. Davon könnten jedoch Käufer in den innerdeutschen Naturregionen nicht unbedingt ausgehen, betont Degi-Analyst Beyerle. "In vielen ländlichen Räumen schrumpft die Bevölkerung, weil die Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte abwandern." Käufer eines Zweitwohnsitzes im Herzen Deutschlands müssten sich deshalb darauf einstellen, dass die Immobilie langfristig an Wert verlieren könnte.

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Beyerle rät deshalb generell davon ab, in einer Fortzugsregion eine Ferienimmobilie zu erwerben und empfiehlt stattdessen, ein Haus oder eine Wohnung zu mieten: "Ökonomisch betrachtet ist der Kauf einer Ferienimmobilie in diesen Gegenden unsinnig." Insbesondere, wenn ein Kredit zur Finanzierung benötigt wird. Beyerle: "Hat der Erwerber wenig Eigenkapital, können die Zinslasten schnell 60 und mehr Prozent des eigentlichen Kaufpreises betragen." Zudem sollten Interessenten bei ihrer Kalkulation die Nebenkosten nicht außer Acht lassen: "Maklercourtage, Notar- und Grundbuchkosten sowie Steuern addieren sich insgesamt auf mehr als zehn Prozent des Kaufpreises", sagt Beyerle. So kann so die vermeintlich günstige Ferienimmobilie für 200.000 Euro zu einem teuren Gesamtinvestment von über 360.000 Euro geraten. Beyerle: "Wenn dann die Immobilie nach zehn Jahren nur noch für 150.000 Euro verkauft werden kann, bedeutet das einen Gesamtverlust von 210.000 Euro." Für dieses Geld könnten "40 Weltreisen mit dem Flugzeug oder drei einjährige Luxuskreuzfahrt-Reisen um den Globus gebucht werden", heißt es in einem Hamburger Reisebüro.

Da ist es kein Wunder, dass Mieter viel günstiger fahren. Im Harz werden als Zweitwohnsitz geeignete Einfamilienhäuser mit 100 Quadratmetern Wohnfläche bereits für monatliche Kaltmieten von 400 Euro angeboten, im Schwarzwald ab 600 Euro, im Allgäu ab 900 Euro. Dabei verfügen die Mieter über einen deutlichen Vorteil, sagt Beyerle: "Müssen sie aus beruflichen Gründen ihren Hauptwohnsitz verlagern, können sie den Mietvertrag kündigen und müssen sich nicht mit dem Verkauf plagen." Obendrein können Mieter in ein kleineres Objekt wechseln, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

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