Gefühl im Job
Frauen sind die besseren Monster-Trucker
Der weibliche Fuß ist offenbar gefühlvoller als der männliche: Australische Bergbaukonzerne setzen immer mehr auf weibliche Fahrer für ihre Monster-Lastwagen. Der Fahrstil der Damen schont die Fahrzeuge und spart Geld. Doch die Unternehmen haben noch andere Ideen zum Kostensparen.
Von Vera Sprothen
Wie Spielzeugautos im Sandkasten wirkt es, wenn in Australiens riesigen Rohstoffgruben die Minenbagger ausrücken. Der Eindruck täuscht: Haushohe Monsterlaster wälzen sich hier durch roten Staub. Allein die Reifen dieser Ungetüme erreichen Durchmesser von mehr als vier Metern.
Bei Rohstoffkonzernen gelten genau diese Mega-Reifen zurzeit als Luxusgut. Sie sind so rar, dass Minenunternehmen inzwischen Spezialabteilungen fürs Reifenmanagement einrichten. Und so wertvoll, dass der angloaustralische Rohstoffriese Rio Tinto jetzt mit Vorliebe Frauen als Brummilenker einstellt: "Die fahren die Reifen nicht so ab", sagt Ben Weetman, Rio Tintos Reifenmanager in Perth.
Seit vier Jahren schon herrscht Gummireifenknappheit, und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Eine neue Schockprognose erstellte jetzt Goodyear, nach Michelin und Bridgestone der drittgrößte Hersteller sogenannter Erdbewegerreifen: Noch mindestens drei Jahre ist demnach mit akuten Lieferengpässen zu rechnen.
Zwar baut Anbieter Bridgestone gerade eine neue Produktionsstätte in Japan. Auch Michelin hat kräftig Geld in neue Fertigungshallen in den USA und Mexiko gepumpt. Doch der Reifennachschub wird frühestens 2010 auf den Markt gelangen und gilt schon jetzt als so gut wie vergriffen. Branchengrößen wie Rio Tinto, BHP Billiton oder Newcrest haben sich über Langfristverträge längst ihre Anteile gesichert.
Sie erschließen immer neue Gruben
Sie erschließen immer neue Gruben und brauchen deshalb auch immer mehr Maschinen. Doch die Bodenschatz-Bonanza in Australien, Afrika und Südamerika hat die Reifenindustrie überrumpelt. 5000 neue Erdbewegerreifen braucht allein Rio Tinto jedes Jahr. Bisher sei noch kein Bagger mit platten Reifen ausgefallen, sagt der Konzern.
Kleinere Konkurrenten dagegen trifft es hart: "Mich rufen andauernd verzweifelte Subunternehmer an", berichtet Paget Hargreaves, dessen Firma SinoProcur in der Nähe von Brisbane Monsterreifen aus China vertreibt. Diese seien weniger hochwertig als die Originale, dafür aber auch nur halb so teuer, sagt Hargreaves.
Astronomische Summen von bis zu 150.000 US-Dollar (rund 105.000 Euro) pro Stück kosten die begehrtesten Markenreifen derzeit auf dem freien Markt? übermannshohe Gummiringe, die in Australiens Eisenerzminen bei brütender Hitze mehr als 220 Tonnen schwere Geröllhaufen bewegen. Und diesen Monat zogen viele Hersteller abermals die Preisschraube an, weil mit dem Öl- auch der Gummipreis gestiegen war.
Die Konzerne sind erfinderisch
Deshalb werden die Rohstoffkonzerne jetzt erfinderisch, um die Lebensdauer ihrer Reifen zu verlängern. Vor allem drillen sie ihre Lasterfahrer: Kupferminenbetreiber Xstrata etwa lässt im australischen Queensland täglich die Reifentemperatur und die Bodenbeläge kontrollieren. Radarfallen sollen die Fahrer vom Rasen abhalten. In einer Mine habe sich die durchschnittliche Lebensspanne der Reifen so bereits auf 9000 Stunden verdoppelt.
Von ähnlichen Erfolgen berichtet Rio Tinto. Das Unternehmen gilt als Pionier im Reifenmanagement. Im vergangenen Jahr baute der Konzern als Branchenerster seine eigene Reifen-Recycling-Fabrik, in der jetzt rund 1000 abgenutzte Gummiringe pro Jahr runderneuert werden.
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