Fusion Dresdner Bank/Commerzbank
Mehr als 90 Bankfilialen in Berlin auf dem Prüfstand
Dienstag, 2. September 2008 17:12 - Von N. Schwaldt, F. Roscher und S. KollerDie Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank verändert auch die Branchenlandschaft in Berlin. Während Standorte zusammengelegt werden, soll die Filialdichte allerdings erhalten bleiben, um keine Kunden auf dem hart umkämpften Markt zu verlieren. Beim Schalterpersonal wird es deshalb die wenigsten Stellenstreichungen geben. Diese werden vor allem im Service befürchtet.

Die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank verändert die Kreditbranche in Berlin. Die fusionierte Bank wird künftig die Nummer drei auf dem hauptstädtischen Geldmarkt sein. Zusammen haben beide privaten Häuser schätzungsweise 600.000 Privat- und Gewerbekunden, die vom breiten Angebot der Frankfurter Großbanken profitieren.
Karte: Standorte Commerzbank und Dresdner Bank in BerlinPlatzhirsch in der hauptstädtischen Geldbranche bleibt aber die Sparkasse Berlin mit 1,9 Millionen Kunden, die an 190 Standorten betreut werden. Sie hat damit einen Marktanteil von 40 Prozent. Danach folgen die Deutsche Bank (650.000 Kunden, 57 Standorte) mit ihrer Tochter Berliner Bank (341.000 Kunden, 60 Filialen), die Volksbank und private Geldhäuser. Verlässliche Statistiken gibt es nicht. So will sich die Dresdner zu ihren Kundenzahlen in Berlin nicht äußern. Die Commerzbank nennt 310.000 Privat- und Firmenkunden.
Filialen in enger Nachbarschaft
Für die Kunden der Dresdner Bank und der Commerzbank werden sich aber manche Wege zur Filiale ändern. Da die Filialen oft in unmittelbarer Nachbarschaft um die Kundschaft buhlen, dürften Standorte zusammengelegt werden. Ein Ausdünnen der Standorte selbst wird aber nicht stattfinden, weil im harten Wettbewerb der Branche kein Kunde verloren gehen soll.
"Es ist nicht Zeit, sich Sorgen zu machen - aber Gedanken", sagt Daniel Hampel, Betriebsratsvorsitzender der Commerzbank Berlin. Akute Angst um den Arbeitsplatz hat die Nachricht bei der Belegschaft demnach nicht ausgelöst: "Vieles ist noch zu unklar, als dass bei uns die große Panik ausbrechen würde", fasst eine Angestellte die Stimmung zusammen. Kurzfristig, davon gehen die Beschäftigten aus, wird sich für sie nichts ändern.
Trotzdem hat der Brief des Vorstands, der die Mitarbeiter am Montagmorgen offiziell über die Übernahme informierte, für Anspannung gesorgt. "Wir sind natürlich in Hab-Acht-Stellung", sagt eine andere Mitarbeiterin. Dort, wo zwei Filialstandorte in nächster Nähe sind, werden auf längere Sicht Stellen gestrichen, davon gehen alle aus. "Dann heißt es: entweder die Kollegen von der Dresdner - oder wir." Auch Betriebsrat Hampel sagt: "Dass Personal abgebaut wird, steht fest. Aber das Wo und Wie-viel ist noch völlig unklar. Dafür ist es noch zu früh."
Angst vor Stellenabbau
Überraschend kam die Fusion für keinen der Mitarbeiter im Berliner Servicezentrum der Dresdner Bank. "Nach jahrelangen Fusionsgesprächen, zuerst mit der Deutschen Bank, später mit der Commerzbank und der Allianz, bin ich mittlerweile abgebrüht. Trotzdem bin ich froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde", so ein Mitarbeiter der Dresdner. Der Abbau von 6500 Stellen in Deutschland schwebt wie ein Damoklesschwert über den Instituten. "Wenn so viele Leute entlassen werden sollen, macht mich das als jahrelangen Mitarbeiter etwas betroffen. Ich gehe davon aus, dass auch das Verwaltungszentrum vom Stellenabbau betroffen sein wird", so ein Angestellter. "Nun ist die Angst, nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden, noch größer", sagt ein Auszubildender.
Von Interesse dürfte der künftige Berliner Sitz des Instituts sein. Beide Banken haben Repräsentanzen am Pariser Platz, die attraktivere gehört der Dresdner. Die Geschäftsleitung der Commerzbank residiert noch in der Potsdamer Straße.
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