Kommentar
Erst kommt die eigene Rendite, dann der Kunde
Nach dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank sollten Kunden künftig genau prüfen, was ihnen der Bankberater empfiehlt. Denn für Kleinanleger attraktive Finanzprodukte bringen unter Umständen der Bank eher wenig. Und der Erfolgsdruck auf die übrig gebliebenen Bankmitarbeiter steigt jetzt.
Von Lars Haider
Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit heute Milliarden-Übernahmen in der deutschen Wirtschaft abgewickelt werden, fast so, als gehe es nicht um Zehntausende Arbeitsplätze, Hunderttausende Schicksale und Millionen von Kunden. Wer den Chefs von Allianz und Commerzbank bei der Bekanntgabe der Details zum Verkauf der Dresdner Bank zuhörte, hätte den Eindruck gewinnen können, dass es nicht um das Ende eines traditionsreichen deutschen Bankhauses und um den Abbau von hierzulande mindestens 6500 Stellen geht, sondern um einen ganz normalen Vorgang.
Die Rhetorik der Manager, in der gestrichene Jobs zu Synergieeffekten und geschlossene Filialen zu Profitabilitätssteigerungen werden, ist manchmal fast zynisch, aber wohl nicht zu ändern. Wenn die Herren Vorstände allerdings behaupten, durch eine Übernahme wie jener der Dresdner Bank würde sich für die Kunden nichts ändern, muss man ihnen widersprechen.
Denn die Kunden verlieren im Zweifel nicht nur ihre angestammte Filiale um die Ecke und den vertrauten Bankberater. Sie müssen sich auch darauf einstellen, dass die Geschäfte mit der neuen Commerzbank – wie mit den meisten anderen Großbanken – in den kommenden Jahren schwieriger und komplizierter werden. Der Druck auf die Bankberater, möglichst viele und möglichst teure Produkte an den Kunden zu bringen, damit die Gewinne trotz der weltweiten Bankenkrise steigen, war schon in den vergangenen Monaten enorm. Er wird im jetzt begonnenen Fusionsprozess weiter zunehmen.
Soll heißen: Allein schon um seinen eigenen Arbeitsplatz zu festigen und die hohen Renditeerwartungen der Chefs zu erfüllen, wird ein Bankmitarbeiter versuchen, dem Kunden mehr zu verkaufen als eines der attraktiven Tagesgeld-Angebote. Die sind zwar mit Zinsen um die fünf Prozent und minimalen Kosten für den Geldanleger derzeit ideal, bringen den Banken aber kaum etwas ein.
Das ist bei Fonds, Vermögensverwaltungen oder Spezial-Renten natürlich anders. Die Branche erfindet immer neue, immer schwerer zu durchschauende Produkte und versteckt die darin enthaltenen Gebühren oft recht geschickt: So legt ein Kunde, um ein Beispiel zu nennen, sein ganzes Geld in einer privaten Vermögensverwaltung an, erfährt aber erst bei genauem Nachfragen, dass dafür jährlich eine Gebühr in Höhe von zwei Prozent erhoben wird – ob nun viel oder wenig damit gemacht wird.
In einer Branche, die wie wenig andere derzeit in ihren Grundfesten erschüttert wird, sollte der Kunde sich bei jedem Angebot fragen, welches Interesse sein Bankberater daran hat. Und er muss auf jeden Fall immer in Erfahrung bringen, in welcher Höhe Gebühren auf ihn zukommen – denn die können die angepriesenen Renditen, wie jüngst bei einigen Riesterrenten offengelegt, massiv drücken. Bankberatung sollte Vertrauenssache sein, aber in Zeiten wie diesen ist Kontrolle, gern auch doppelt, besser. Denn natürlich besinnen sich die großen Häuser nicht wieder auf den kleinen Privatanleger, weil sie ob dessen Vernachlässigung in den vergangenen Jahren ein schleches Gewissen haben. Sie wollen Geschäfte machen, je mehr, desto besser. Merke: Erst kommt die eigene Rendite, dann die des Kunden.
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