Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
22.08.08

Umwelt

So viel bringt das eigene Windrad im Vorgarten

Windräder gibt es jetzt auch für den Vorgarten. Diverse Hersteller bieten ab 20.000 Euro verschiedene Kopien der Mega-Watt Stromerzeuger an. Die Anschaffung sollte jedoch wohl überlegt sein: Denn die Subventionen sind gering und Genehmigungsverfahren langwierig.

© UPPA/Photoshot
Windrad auf einem Wohnblock in London

Wie Spargel schießen Windräder seit Jahren in die Höhe, und die Branche wächst mit. 90.000 Menschen arbeiten laut Bundesverband Windenergie (BWE) in der exportstarken deutschen Windenergiebranche. Die Propellerriesen liefern sauberen Strom. Lässt sich das im Vorgarten mit Kleinwindrädern nachmachen? Windrad aufstellen, vom Stromversorger abmelden – geht das? "Kleinwindanlagen können in windstarken Regionen wirtschaftlich sein, aber nur, wenn man den Strom komplett selber verbraucht", sagt Frank Menne vom Hamburger Solar- und Windenergiebauer Conergy AG. "Dann amortisiert sich eine Anlage in sieben bis zehn Jahren."

Kleinwindmüller sparen mit jeder Kilowattstunde, die sie nicht beim Versorger kaufen, rund 20 Cent. Speisen sie ein, zahlt der Versorger nur acht Cent.


Ohne Wind herrscht auch auf dem Konto Flaute. Genug Wind gibt es an der Küste, auch in Mittelgebirgen wie der Eifel. "Das ist ein Nischenmarkt mit vielen Tüftlern", sagt Ulf Gerder, Pressesprecher des BWE. Hierzulande rentiert sich der Mini-Windpark im Vorgarten selten – den geschönten Kalkulationen der Anbieter zum Trotz. Als Insellösung für die Berghütte, das Segelboot, die Gartenlaube ohne Stromanschluss sei Windkraft sinnvoll, am eigenen Haus nicht. "Da wählt man eher das Solarmodul auf dem Dach", sagt Gerder. Die Gründe dafür sind der hohe Preis für eingespeisten Solarstrom und die weitverbreitete Aversion gegen die "Verspargelung" der Landschaft durch Windräder. "So geht man dem Streit mit Nachbarn aus dem Weg." Material- und Genehmigungskosten sind hoch, die Vergütung für den Windstrom ist mau.


Subventioniert werden Windräder nicht – im Gegensatz zu Solaranlagen. Lediglich ein Mindestpreis für Windstrom von 8,03 Cent je Kilowattstunde ist garantiert, im nächsten Jahr 9,20 Cent, während Solarstromerzeuger nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fast 50 Cent absahnen. Immerhin liegt die garantierte Windstromvergütung noch über den sechs Cent, die Strom an der Strombörse kostet.

Eine alte Waschmaschine wird zum Windrad

Die Kosten der Turbinen sind hoch: 1500 bis 5000 Euro je Kilowatt Leistung. 1000 bis 3000 Euro fallen für Netzanschluss und Mast an. Gesamtkosten je Kilowatt: 2500 bis 8000 Euro. Zum Vergleich: Bei Großanlagen kostet das Kilowatt rund 1000 Euro Investition. Conergy verlangt für eine sechs Kilowatt starke Anlage ab 20.000 Euro aufwärts, ein 1,8-KW-Windrad mit Turm kostet 8000 bis 10.000 Euro, das 400 Watt schwache Rädchen für die Segelyacht rund 1000 Euro.

Billiger kommen Bastler zum Kilowatt – mit Polymotor und Zahnriemengetriebe aus der alten Waschmaschine und altem TV-Antennenmast. Solche Fabrikate reichen aber oft nur aus, um die Gartenlaube zu beleuchten oder den Fernseher anzukurbeln. Dazu kommen oft Genehmigungskosten. Ab zehn Meter Höhe benötigt man eine Baugenehmigung. "Auf die wartet man oft monatelang", berichtet Menne. Behörden fordern zuweilen dieselben Gutachten für Schall und Schatten an wie für Megawatt-Windräder, berichtet der Bund der Energieverbraucher. Jede Kommune handhabe das unterschiedlich.

Weiteres Manko: die Qualität der Kleinwindräder. Viele Modelle leiden unter Kinderkrankheiten, lärmen wie Höllenmaschinen, laufen erst bei hohen Windstärken an, sind nicht sturmfest und enden schnell als Wrack.

Das Hausdach ist für die Montage nicht geeignet

Weil das Massengeschäft fehlt, bleibt es oft beim Prototyp. Nur wenige Hersteller sind etabliert. Das Fachmagazin "Haus & Energie" kritisiert: "Nirgendwo sonst zeigen sich so viele kleine Firmen auf Messen und preisen eigenwillige Konstruktionen als große Innovationen an – um dann wieder genauso schnell von der Bildfläche zu verschwinden, wie sie gekommen sind." Die Ersatzteilsuche wird dann zur Odyssee. Die vernichtende Bilanz: "Ökonomisch rentabel ist eine heimische Kleinstwind8kraftanlage kaum zu betreiben."

Optimalen Ertrag gibt es nur, wenn keine Hindernisse dem Wind im Weg sind, seien es Büsche, Bäume oder Nachbarhäuser. Von einer Montage auf dem Hausdach raten Experten ab. Der Schall überträgt sich auf das Gebäude, die Bausubstanz kann durch die Rotorvibration Schaden nehmen. Für sehr kleine Anlagen ist die Hauswand geeignet, ansonsten ein Mast im Garten. Die günstigsten Masten sind Telefon- oder Antennenmasten von Radiostationen. Die Masthöhe sollte bei Gartenanlagen sechs bis zwölf Meter betragen.

Allen Mängeln zum Trotz: "Wo es kein Stromnetz gibt, hat Kleinwindkraft Zukunft", sagt Ulf Gerder. Nur fehle es noch an "serienreifen Speicherkonzepten", sprich geeigneten Batterien. Für eine halbwegs verlässliche Stromerzeugung im kleinen Stil würden sich Wind und Sonnenkraft gut ergänzen, weil die windarmen Tage im Jahr meist sonnenreich sind. "Besonders in entlegenen ländlichen Gegenden in Entwicklungsländern sind kleine Windräder sehr weit verbreitet", berichtet der Bund der Energieverbraucher.

Mehr im Internet:

www.wind-energie.de

www.wind-energy-market.com

www.kleinwindanlagen.de

www.energieverbraucher.de

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Krebs
Impfung gegen Krebs

Forscher wollen Tumore künftig mit Vakzinen besiegen.

Video Nachrichten mehr
Kenia Explosion erschüttert Einkaufzentrum in Nairobi
Großrazzia Polizei verhaftet italienische Fußballprofis
Filmpreis Haneke mit "Goldener Palme" in Cannes…
Sicherheitsrat UN verurteilt Massaker in Syrien
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Berlin

Bunter Straßenumzug zum 17. Karneval der Kulturen

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote