11.08.08

Rohstoffe

Nur Zocker investieren in Kakao, Öl und Gold

Die Rohstoffblase ist geplatzt, die Preise für Öl, Metalle und Lebensmittel sinken auf breiter Front. Der Ölpreis ist mit 111 Dollar pro Fass weit von seinen einstigen Höchstständen entfernt. Jetzt zeigt sich: Das Märchen vom ewigen Rohstoffboom ist zu Ende. Bodenschätze sind als langfristige Geldanlage nicht geeignet.

Jim Rogers ist unter Investoren in der ganzen Welt bekannt. Er war einer der Ersten, der auf die Rohstoff-Hausse der vergangenen Jahre aufsprang. Man könnte auch sagen, er hat sie geschaffen. Das Verkaufstalent verkündet seit Jahren eloquent, dass die Welt sich in einem "Super-Zyklus" befinde, der gerade erst begonnen habe. Die Rohstoffpreise steigen seiner Meinung nach noch auf Jahre hinaus. Bis vor Kurzen hatte er recht, was ihm Kultstatus einbrachte. Wo immer er auftrat, erstarrte das Publikum in Ehrfurcht und lauschte seinem Trommeln für Rohstoffinvestments.

Doch nun droht dem Super-Zyklus die Luft auszugehen. Die Preise für Rohöl, Metalle und Agrarrohstoffe sinken seit rund einem Monat. Sinken ist dabei eigentlich nicht das richtige Wort: Sie stürzen ab. Allein der Ölpreis fiel seit Mitte Juli um mehr als 20 Prozent. Ein Fass des schwarzen Goldes kostet nur noch 111 Dollar. Vieles erinnert an das Platzen der Blase am Neuen Markt zu Beginn des Jahrzehnts. Und nun finden auch wieder Experten Gehör, die dem ganzen Zirkus um Rohstoffanlagen in den vergangenen Jahren eher kritisch gegenüberstanden. Sie vertreten die Meinung, dass Rohstoffe grundsätzlich nicht für langfristige Anlagen geeignet sind.


Dazu gehört Alfred Roelli. Er ist Chefstratege des Schweizer Vermögensverwalters Pictet und lehnt die inzwischen weit verbreitete Sicht ab, wonach Rohstoffe eine eigene Anlageklasse geworden seien. "Rohstoffe gehören nicht permanent in ein Portfolio", sagt er. "Langfristig sind sie tote Materie." Im Gegensatz zu Anleihen werfen sie keine Zinsen ab und im Unterschied zu Aktien bringen sie auch keine Dividende.

Doch mehr noch: Langfristig versprechen Rohstoffe auch keine Wertsteigerungen – im Gegenteil. Das US-Wirtschaftsmagazin "Economist" hat einen Rohstoffindex berechnet, der bis auf das Jahr 1845 zurückgeht. Demzufolge sind die Preise allein seit Ende des ersten Weltkrieges – unter Schwankungen – um 70 Prozent gefallen, selbst unter Berücksichtigung des jüngsten Anstiegs. Das ist auch nur logisch: Die Effizienz bei der Gewinnung und der Verarbeitung steigt stetig, sodass auch die Preise fallen.

Diese Logik scheint jedoch ausgehebelt zu sein. Welchen Index man auch heranzieht, in den vergangenen fünf Jahren sind die Rohstoffpreise geradezu explodiert. Mit entsprechenden Anlagen ließen sich fantastische Gewinne erzielen. Begründet wurde dies stets mit der Knappheit der Ressourcen: Der Aufstieg der Schwellenländer führe zu einer steigenden Nachfrage und lasse bei gleichbleibendem Angebot die Preise stetig steigen.


Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Mindestens ebenso wichtig waren die Finanzinvestoren, große Pensions- und Hedgefonds. Sie investieren meist über Indexpapiere in Rohstoffe. Edward Morse von der Investmentbank Lehman Brothers hat ausgerechnet, dass Anfang 2006 rund 77 Milliarden Dollar in solchen Anlagen steckten. Bis Juni dieses Jahres flossen rund 100 Milliarden neuer Mittel hinzu.


Antrieb dafür waren die Schwäche des Aktienmarktes und die steigende Inflation. Rohstoffe wurden als Fluchtburg genutzt, als Instrument der Diversifikation. "Aber wir sehen auch einen alarmierenden Anteil von Anlegern, der nur der Wertentwicklung der Vergangenheit hinterherrennt", so Morse. Darunter dürften sich auch viele Privatanleger befinden.

Die Hausse nährte so die Hausse. Mit der realen Entwicklung bei Angebot und Nachfrage hatten die Preise in den vergangenen Monaten nichts mehr zu tun – ganz so wie zu Beginn dieses Jahrzehnts, als Neuer-Markt-Aktien gekauft wurden, weil ihre Kurse stiegen, nicht weil die Unternehmen Gewinne versprachen.

Angst vor dem totalen Ausverkauf

Doch folgt nun auch bei Rohstoffen der totale Ausverkauf? Immerhin erwartet ein Viertel der Teilnehmer einer Umfrage des Onlineportals Wallstreet-Online ein weiteres Absinken des Ölpreises bis Ende des Jahres unter 100 Dollar. Doch es gibt einen bedeutenden Unterschied. Rohstoffe sind im Gegensatz zu den Traumgebilden aus der Zeit der Internet-Blase ein reales Gut, und es gibt derzeit tatsächlich kein Überangebot.

Allerdings wird es bei den meisten Rohstoffen auch keinen dauerhaften Mangel und damit auch keinen stetigen Preisauftrieb geben. Diesen gäbe es nur, wenn die Rohstoffvorräte zur Neige gingen. Doch diese inzwischen weit verbreitete Meinung bezeichnen Manuel Frondel und Christoph Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung schlicht als "Märchen". Nicht nur reichen die bekannten Reserven der meisten Rohstoffe noch für Tausende von Jahren, sie steigen durch neue Funde sogar permanent.

Eine Ausnahme ist Rohöl. Hier ist tatsächlich absehbar, dass die Vorräte zur Neige gehen. Allerdings bedeutet auch dies nicht, dass deshalb die Preise dauerhaft steigen müssen. Denn die Menschen sparen Öl oder suchen nach Alternativen. Die Investitionen in alternative Energien steigen kontinuierlich.

Rohstoffe sind daher nichts für Anleger, die einen steten Wertzuwachs suchen. Sie eignen sich nur für Investoren, die auf zeitweilige Knappheiten einzelner Rohstoffe spekulieren möchten. An den Preisbewegungen können sie viel Geld verdienen – aber eben auch ebenso leicht verlieren. Dies zeigt das Beispiel der Agrarrohstoffe in den vergangenen Monaten. Die Preise fielen fast immer ebenso schnell wie sie zuvor gestiegen waren. Und auch wer auf den nach dem Rohstoffguru höchstpersönlich benannten Rogers Commodity Index setzte, musste in den vergangenen Wochen herbe Verluste verkraften.

Aktuelle Rohstoffpreise unter: welt.de/rohstoffe

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Warmfeiern: Fans auf der Berliner Fanmeile vor dem Champions-League-Endspiel zwischen Dortmund München
Aktualisiert vor 48 MinutenChampions-League-Finale
Henkel beruhigt – Fanmeile kein konkretes Anschlagsziel

Das Bundeskriminalamt hat vor Terrorgefahr auf deutschen Fanmeilen gewarnt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sieht keine konkrete Gefahr. Die Sicherheitsmaßnahmen sind ohnehin auf hohem Niveau. mehr...

Zwei Frauen in Fankleidung gehen am 25.05.2013 über die Fanmeile in Berlin. Borussia Dortmund spielt im Finale der UEFA Champions League gegen den FC Bayern München. Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
18:13Champions-League-Finale
Fans trotzen dem Regen auf der Fanmeile mit guter Stimmung

Noch ist der Zulauf zur Berliner Fanmeile gering. Eine Terrorwarnung und das schlechte Wetter schrecken wohl viele ab. Doch diejenigen, die trotzdem gekommen sind, sind in bester Stimmung. mehr...

Clashes at Wembley Park before Champions League final
Aktualisiert vor 2 MinutenLive-Ticker
Erste Prügeleien zwischen Fans vor dem Stadion

Ab 20.45 Uhr hat das Orakeln ein Ende, wer holt den Henkelpott nach Deutschland, Dortmund oder Bayern? Doch vorher gibt es hier alles Wissenswerte und Abseitige zum großen Finale in Wembley. mehr...


Beim Parteitag der Berliner SPD setzte der Landesvorsitzende Jan Stöß seine Wunschkandidaten durch
18:28Parteitag
In der Berliner SPD hat jetzt die Stöß-Fraktion das Sagen

Der SPD-Landesvorsitzende bringt seine Leute bei der Wahl der Bundestagskandidaten durch. Manch einer traute ihm das nicht zu. Die meisten Stimmen bekam allerdings nicht Spitzenkandidatin Högl. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia

Billige Rohstoffe

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. FußballLive-TickerErster Punktsieg für Dortmund in London
  2. 2. Borussia DortmundChampions LeagueFinaltaktik – Wie Dortmund die Bayern schlagen kann
  3. 3. DeutschlandBKAHinweise auf mögliche Terrorpläne eines Islamisten
  4. 4. DeutschlandGemobbte ParteiWie die FDP zum verspotteten Freiwild wurde
  5. 5. WirtschaftBankgeheimnisSteuergewerkschaft fordert Amnestie für Altfälle
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote