Lohnfortzahlung
Kranke Mitarbeiter sind Arbeitgebern zu teuer
Arbeitnehmer in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2008 im Schnitt nur 3,7 Tage wegen Krankheit gefehlt: Beschäftigte haben Angst vor dem Jobverlust. Trotz der niedrigen Krankenstände mosern Arbeitgeber. Sie wollen die Fortzahlung des Lohns in den ersten Tagen der Krankmeldung streichen.
Von Christoph B. Schiltz
Die Krankenstände in den deutschen Betrieben bleiben auch im ersten Halbjahr 2008 sehr niedrig. Die Arbeitnehmer in Deutschland fehlten laut einer neuen Statistik des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die Morgenpost Online vorliegt, nur 3,34 Prozent der Sollarbeitszeit. Das ist der zweitniedrigste Halbjahreswert seit Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 und ein Rückgang um 20 Prozent gegenüber dem Beginn dieses Jahrzehnts (2000: 4,42 Prozent).
Die Fehlzeiten in den ersten sechs Monaten entsprechen 3,7 Arbeitstagen. In der Statistik des Bundesgesundheitsministeriums werden die Krankenstände aller gesetzlich Versicherten erfasst. Die Krankenkassen sind verpflichtet, die Fehlzeiten ihrer Versicherten an das BMG zu melden. Frauen waren im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 3,5 Prozent der Sollarbeitszeit häufiger krank als Männer (3,2 Prozent). Der höchste Krankenstand wurde im Februar mit 4,4 Prozent verzeichnet, am wenigsten fehlten die Beschäftigten dagegen im Januar (2,4 Prozent).
Arbeitsmarktexperten erklärten, dass bei einer
Krankmeldung
die Angst vor Jobverlust trotz guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosigkeit weiter bestehe. In den vergangenen Jahrzehnten stiegen die Krankenstände bei sinkender Arbeitslosigkeit regelmäßig an.
Nach Angaben der deutschen Wirtschaft kostet die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall die Unternehmen rund 120 Milliarden Euro im Jahr. Mehrere Wirtschaftsverbände fordern deshalb, die Lohnfortzahlung in den ersten Tagen der Krankheit wieder zu streichen. "Bei der Entgeltfortzahlung ist mehr Eigenverantwortung des Arbeitnehmers, zum Beispiel in Form von Karenztagen zwingend, heißt es beispielsweise in den "Wirtschaftspolitischen Positionen" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Im Durchschnitt sind die Krankheitsbedingten Fehlzeiten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Neben der Jobangst sind dafür vor allem die Verjüngung der Belegschaften, die gestiegene Beschäftigung von Teilzeitarbeitern und eine bessere Gesundheitsvorsorge in den Unternehmen verantwortlich.
Außerdem ist der Arbeiteranteil mit schwerer körperlicher Arbeit in Industrie und Bau spürbar gesunken. Nach einer Studie der Bundesagentur für Arbeit (BA) weisen Arbeitslose im Vergleich zu Beschäftigten einen "deutlich schlechteren Gesundheitszustand" auf. Laut BA hat ein Viertel der Arbeitslo-sen "vermittlungsrelevante gesundheitliche Einschränkungen."
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