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29.11.07

Virtuelle Welt

Konzerne investieren wieder in Second Life

Das Paralleluniversum hat zuletzt enttäuscht: Schlechte Grafik und komplizierte Bedienung schreckten die Benutzer ab. Doch jetzt wollen Firmen wie die Post oder EnBW erneut Geld in die Internetwelt stecken. Sie haben neue Anwendungsmöglichkeiten entdeckt.

© DPA
Second Life

Großkonzerne wie die Deutsche Post oder der Energieriese EnBW wollen ihre Präsenz in der virtuellen Internetwelt Second Life erweitern. "Wir fangen jetzt erst richtig an", sagt Niels Hupperich, Projektleiter Second Life beim gelben Riesen. "Wir suchen nach neuen Möglichkeiten."

Bisher nutzt die Wirtschaft die Parallelwelt im Internet vor allem als Werbeplattform. Die Unternehmen kaufen sich virtuelles Land, auf dem sie ihre Filialen errichten können. Die Avatare – so heißen die Bewohner im Second Life – können beim Bonner Konzern etwa Postkarten aus der virtuellen in die reale Welt schicken.


Allerdings gibt es zunehmend Zweifel, ob sich Werbung im Second Life lohnt. Auf die anfängliche Euphorie der PR-Verantwortlichen folgte Ernüchterung. Manche Unternehmen haben dem Second Life mittlerweile sogar den Rücken gekehrt und ihre virtuellen Repräsentanzen aufgegeben. Vielen ist die Nutzerzahl zu gering: Zwar hatte Second Life im Oktober mehr als 800.000 registrierte Nutzer aus Deutschland. Von denen sind allerdings nur 41.000 aktiv, bewegen ihre Avatare also länger als eine Stunde pro Monat.

Noch sind die Internetseiten von Post und EnBW beliebter

Bei der Post und bei EnBW schauen pro Woche zwischen 700 bis 900 Avatare vorbei. Auf die Homepage des Energiekonzerns klicken hingegen täglich 15000 Personen. "Der Vergleich hinkt", sagt Matthias Schultze, der Second Life bei EnBW betreut. Der Kontakt sei aber in der virtuellen Welt viel intensiver, ähnlich den Infocentern, die der Konzern betreibt. Den Vergleich wagt er dennoch gerne, denn in die Infocenter"kommen nämlich täglich 60 bis 80 Menschen."

"Second Life wird einen zweiten Schub erleben", glaubt Schultze. Viele Konzerne suchen neben dem Marketing neue Anwendungen. Man könne die virtuelle Welt als Plattform für Bewerbungsgespräche oder interne Meetings nutzen, sagt Hupperich von der Post. Der Konzern ist seit einem halben Jahr im Second Life, hat einen "mittleren sechsstelligen Betrag" investiert. "Es hat sich gelohnt", meint Hupperich. Die Post werde ihre Präsenz ausbauen. Momentan berate man über das Budget fürs kommende Jahr.

Branchenkenner glauben allerdings nicht, dass auf absehbare Zeit im großen Stil Geld im Second Life zu verdienen ist. Trotzdem müsse man in die virtuelle Welt investieren, um nun Erfahrungen zu sammeln, sagt Philippe Souidi von der Beratungsfirma CScout. Wie viele Experten zieht er den Vergleich zum Internet, das zunächst auch belächelt worden sei.

Allerdings krankt Second Life nach wie vor an technischen Beschränkungen. Mehr als 100 Avatare können gleichzeitig kaum eine Veranstaltung besuchen. Und vielen Unternehmen bereitet der Sicherheitsstandard sorgen. Für EnBW kommen deshalb vorerst keine Besprechungen in der virtuellen Welt in Frage. "Wir werden einen Teufel tun und interne Infos über diese Plattform laufen lassen", sagt Schultze.

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