Wegen Spitzelaffäre
Noch mehr Kunden wollen Telekom verlassen
Die Deutsche Telekom verliert derzeit pro Quartal rund 500.000 Kunden im Festnetz. Das könnte noch schlimmer werden. Nach einer Umfrage drohen ein Drittel der Telekom-Kunden wegen des Spitzelskandals mit Abwanderung. Telekom-Chef Obermann ruft seine Mitarbeiter indes zu mehr Zivilcourage auf.
Der Telekom droht nach dem Abhörskandal eine massive Abwanderung von Kunden. Ein Drittel der Telekom-Kunden wolle deswegen "bestimmt" oder "wahrscheinlich" zu einem anderen Anbieter wechseln, berichtete die Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" über das Ergebnis einer Umfrage des Kölner Instituts Psychonomics. Jeder zweite Kunde gab an, wegen der Bespitzelung unter anderem von Journalisten durch die Telekom das Vertrauen in den Konzern hinsichtlich der Sicherheit seiner eigenen Kundendaten verloren zu haben. Gedämpft werden dürfte die drohende Kündigungswelle laut "Wirtschaftswoche" allerdings zunächst dadurch, dass das Unternehmen viele Festnetz- und Mobilfunkkunden mit Zweijahresverträgen an sich gebunden hat.
Telekom-Vorstandschef René Obermann hat die Mitarbeiter seines Unternehmens aufgerufen, mehr Zivilcourage zu zeigen. Sie sollten sich gegen ein mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten und Kollegen stellen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor dem Hintergrund des aktuellen Abhörskandals. Finanz-Staatssekretär Thomas Mirow stellte sich hinter den Telekom-Chef. Die Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" berichtete, wegen des Skandals wolle ein Drittel der Telekom-Kunden "bestimmt" oder "wahrscheinlich" zu einem anderen Anbieter wechseln.
"Datensicherheit ist das höchste Gut für die Deutsche Telekom. Deshalb muss jedem klar sein, dass die Verletzung des Datenschutzes kein Kavaliersdelikt ist", sagte Obermann. Das gelte für die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen, aber "noch viel, viel mehr für den Schutz des Fernmeldegeheimnisses". Obermann ermunterte die Mitarbeiter, in kritischen Fällen nicht zu schweigen, sondern Hinweise weiterzugeben. "Blinde Befehlsgläubigkeit darf es nicht geben. Wenn es notwendig ist, müssen Mitarbeiter die Courage zeigen, auf Ungereimtheiten hinzuweisen", verlangte der Konzernchef.
Mirow, der die Bundesregierung im Telekom-Aufsichtsrat vertritt, sagte zur Spitzelaffäre: "In Kenntnis dessen, was ich bis jetzt weiß, meine ich, dass Herr Obermann zu jedem Zeitpunkt richtig gehandelt hat." Er selbst sei das erste Mal am 8. Mai über die Angelegenheit informiert worden, fügte Mirow hinzu, der sein Amt Anfang Juli aufgibt, im "Tagesspiegel" hinzu.
SPD-Fraktionschef Peter Struck verlangte als Konsequenz aus dem Telekom-Skandal höhere Strafen: "Die Bußgeldsätze sollten den Umsätzen angepasst und bis in den zweistelligen Millionenbereich erhöht werden, wie das in anderen EU-Ländern der Fall ist", sagte er der "BZ am Sonntag". Entscheidungen darüber sollten bereits auf dem nächsten Koalitionsausschuss am Mittwoch getroffen werden.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Kundenservice: Wenn die Telekom die Telefonnummer vertauscht
- Hacker-Abwehr: Telekom soll Gespräche abgehört haben
- Telefon-Tarife: Telekom setzt auf deutlich billigere Tarife
- Deutsche Telekom: Sicherheitslücken bei T-Mobile seit 2006 bekannt
- Persönlichkeitsrechte: Wann der Chef seine Mitarbeiter beobachten darf
- Erste Hilfe: So managen Sie die üblen Macken Ihres PCs
-
09:22Standort China: Jedes fünfte EU-Unternehmen denkt an Abwanderung
-
09:09SPD-Chef: Gabriel will Griechen mehr Zeit für Reformen geben
-
09:02Lehnin (Brandenburg): Lagerhalle abgebrannt - Ursache unklar
- 1. Befreit Deutsches Mädchen in Bosnien acht Jahre als Sklavin gehalten
- 2. EM-Kader Löw schickt Cacau, Draxler, ter Stegen und Bender heim
- 3. Auktion Elvis Presleys Grabstätte wird versteigert
- 4. Wettmanipulationen Großrazzia erschüttert den italienischen Profi-Fußball
- 5. Mit Droge getötet Mutmaßlicher Darkroom-Mörder gesteht weitere Taten














