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Bombardier: 1430 Jobs weg - Sorge in der Region

Ein Fahrzeugmonteur arbeitet im Werk in Hennigsdorf (Brandenburg) an einer S Bahn vom Typ 430

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Ein Fahrzeugmonteur arbeitet im Werk in Hennigsdorf (Brandenburg) an einer S Bahn vom Typ 430

Bombardier will 7000 Stellen streichen - davon 1430 allein in Deutschland. Die Mitarbeiter im Werk in Hennigsdorf müssen bangen.

Der Zug- und Flugzeugbauer Bombardier streicht in den nächsten zwei Jahren weltweit 7000 Arbeitsplätze, davon allein 3200 bei der Zugsparte. Das kündigte der kanadische Konzern am Mittwoch in Montreal an.

Mit dem Abbau werde die Stellenzahl an den Bedarf angepasst und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert, hieß es beim Konzern zur Begründung. Die in Deutschland ansässige Zugsparte Bombardier Transportation hatte 2014 weltweit 39.700 Beschäftigte, in Deutschland rund 10.500.

Wie ein Bombardier-Sprecher auf Morgenpost-Anfrage mitteilte, entfallen 1430 der zu streichenden Stellen auf Deutschland. "Wir reden aber noch nicht über Zahlen an den einzelnen Standorten", fügte er hinzu. In den nächsten Tagen sollen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen beginnen.

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Wie es zudem weiter hieß, sollen vor allem Leiharbeiter von den Maßnahmen betroffen sein.

Umsatz ist 2015 geschrumpft

Sorge dürften sich jetzt dennoch vor allem die Mitarbeiter in Brandenburg machen. Hier baut Bombardier in Hennigsdorf, wo nach Konzernangaben mehr als 2800 Menschen beschäftigt sind - es handelt sich damit um den größten Standort in Europa. Das traditionsreiche Werk ist der größte Einzelstandort von Bombardier in Deutschland. Rund ein Drittel der insgesamt 2900 Beschäftigten kommt dabei aus Berlin. In der Europazentrale von Bombardier am Schöneberger Ufer in Berlin sind weitere 650 Mitarbeiter beschäftigt.

Hier werden unter anderem U-Bahn-Züge für Berlin gebaut, Straßenbahnen vom Typ Flexity und früher auch die Wagen für die Berliner S-Bahn.

Außerdem gibt es Standorte in Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen. In Berlin befindet sich die internationale Konzernzentrale von Bombardier Transportation mit rund 600 Mitarbeitern.

Der Umsatz der Zugsparte schrumpfte nach Angaben vom Mittwoch im vergangenen Jahr von 9,6 Milliarden auf 8,3 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank leicht von 469 Millionen Dollar auf 465 Millionen Dollar. Der Konzern hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stellen gestrichen.

IG Metall empört über Ankündigung

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit Empörung auf die Ankündigung des Stellenplatzabbaus bei Bombardier. "Wir verurteilen die Pläne, Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten bei Bombardier auszutragen", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen. "Jetzt werden Folgen von Fehlentscheidungen sichtbar, vor denen wir schon 2014 gewarnt haben." Bereits 2014 und 2015 war von der deutschen Unternehmensseite angekündigt worden, die Fertigungstiefe zu verringern und eventuell auch Standorte zu schließen. Dagegen sprachen sich IG Metall und Betriebsräte aus und forderten das Management auf, Prozesse zu verbessern, die Projektabwicklung zu optimieren und die Niedrigkostenstrategie zu beenden, statt Arbeitsplätze zu vernichten.

"Mit drastischem Personalabbau lassen sich vielleicht die Aktienmärkte beeindrucken. Bestehende Probleme werden dadurch jedoch eher verschärft als gelöst", sagte Michael Wobst, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der deutschen Bombardier Transportation. "Zur Zukunftssicherung der Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland erwarten wir deshalb vom Management, das Unternehmen endlich zukunftssicher zu gestalten."