Davos –

Cryan: Bargeld wird verschwinden

Deutsche-Bank-Co-Chef will auch in Deutschland alle Münzen und Geldscheine abschaffen

Davos. Die deutschen Verbraucher werden sich allmählich auf den Abschied vom Bargeld einstellen müssen. Denn Bargeld wird nach Ansicht von Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan in den nächsten zehn Jahren verschwinden. "Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient", sagte der Manager am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos in einer Diskussion über die Zukunft des Bankgeschäfts.

Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern, sagte Cryan. Der Manager sprach sich dafür aus, das Geld komplett zu "dematerialisieren". Das spare den Banken Kosten und erschwere auch die Geldwäsche.

Ein Trend der kommenden Jahre ist Banking per Smartphone

An seinem ersten Tag beleuchtete der Managerkongress in Davos bei einer Podiumsdiskussion, welche Transformationen in den nächsten Jahren auf die Finanzwirtschaft zukommen. Dabei ging es unter anderem darum, wie die Bürger in Zukunft bezahlen und Finanzgeschäfte abwickeln.

Auch Dan Schulman, der Chef des Internetbezahldienstes Paypal, sagte, dass das Geld bald "digitalisiert" werde. Als einziger saß er auf dem Podium in Jeans und kragenlosem Pullover. Als weitere Trends der kommenden Jahre beschrieb er eine Zunahme von Banking per Smartphone. Deshalb werde die Datenmenge, die Banken und Finanzdienstleistern über ihre Kunden zur Verfügung stehen, "explodieren". Und genau das sei eine große Herausforderung, so Schulman. Kriminelle könnten grundsätzlich jedes Passwort knacken, das Kunden zur Sicherung ihrer Konten verwendeten. Deshalb müssten sich die Finanzfirmen dringend um bessere Schutzmechanismen kümmern. Der Paypal-Chef warnte, dass es sonst zu Cyberangriffen auf Finanzunternehmen kommen könne, die die Kraft hätten, den Geldverkehr zu unterbrechen.

Auch Deutsche-Bank-Co-Chef Cryan sprach dieses Problem an. Er setzte sich für eine bessere aufsichtliche Regulierung der Bankdaten aus. Die Art, wie Finanzdienstleister Informationen speichern, verwalten und sichern, müsse dringend verbessert werden.

Zur Rolle konkurrierender Internetwährungen wie Bitcoin gaben sich die Vertreter der traditionellen Banken gelassen. Sowohl Cryan als auch Morgan-Stanley-Chef James Gorman sagten, sie würden die Entwicklung beobachten, mit neuen Anbietern sprechen und punktuell zusammenarbeiten. Allerdings werde es noch Jahre dauern, bis Internetwährungen nennenswerte Marktanteile erzielten – wenn überhaupt.

Cryan wies auf die großen Wertschwankungen hin, denen Bitcoin unterworfen ist. Deshalb bezeichnete er die computergenerierte, weitgehend unregulierte Konkurrenz als wenig vertrauenswürdig.

Auch bei der Blockchain-Technologie ist Cryan noch skeptisch. Sie werde sich auch in vier bis fünf Jahren noch nicht durchsetzen. Als Blockchain wird eine Datenbank bezeichnet, die von allen Teilnehmern eines Transaktionssystems gemeinsam geführt wird und so besonders transparent sein soll. Zugleich betonte Cryan aber, mit anderen Unternehmen daran zu arbeiten, wie Blockchain für die eigene Arbeit genutzt werden könne.

Die Geldmenge der Internetwährungen ist gering

Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), wies darauf hin, dass die Geldmenge der Internetwährungen sich bislang auf wenige Milliarden belaufe. Die Geldmenge der Währungen, die von Zentralbanken herausgegeben werden, berechne sich dagegen nach Billionen.

Gerade hat der IWF eine Studie zur Bedeutung der Internetwährungen herausgegeben. Als Vorteile für Privatkunden wird beispielsweise der unregulierte Zugang genannt, der auch armen Leuten ohne Konto die Möglichkeit gebe, am Zahlungsverkehr teilzunehmen. Aber auch die Nachteile fallen ins Gewicht. Weil die Internetwährungen eben bisher nicht reguliert seien, stellten sie einen "guten Platz" für Kriminelle dar, so Lagarde.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter