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23.02.12

Schuldenkrise

Griechenland-Verluste schmälern Commerzbank-Gewinn

Nochmals muss die Commerzbank 700 Millionen Euro auf Griechenland abschreiben. Die Verluste fressen die Gewinne des Geldinstituts auf.

© picture alliance / dpa
Zentrale der Commerzbank in Frankfurt
Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Griechen-Krise belastet Gewinne

Nach Milliardenverlusten mit griechischen Staatsanleihen hat die Commerzbank 2011 nur mit Hilfe von Einmaleffekten schwarze Zahlen geschrieben. Mit zwei Rückkaufaktionen für Hybridpapiere, die nicht als hartes Kernkapital anerkannt werden, rettete sich das Institut mit einem Gewinn von 638 Millionen (2010: 1,43 Milliarden) Euro über die Nulllinie.

Verluste von fast vier Milliarden Euro in der Immobilien- und Staatsfinanzierung bei der Eurohypo fraßen die Gewinne im Kerngeschäft mit dem Mittelstand, Privatkunden, in Osteuropa und im Investmentbanking auf, wie die Bank mitteilte. Mehr als zwei Milliarden Euro musste sie allein auf die bei der Eurohypo liegenden Griechenland-Anleihen abschreiben, davon 700 Millionen im vierten Quartal.

Mit einem Gewinn von 316 Millionen Euro lag das Institut von Oktober bis Dezember aber über den Schätzungen der Analysten. Vorbörslich lagen die Commerzbank-Aktien sechs Prozent im Minus.

Gleichzeitig kommt die Commerzbank bei der Erfüllung der höheren Eigenkapitalvorschriften der EU-Bankenaufsicht EBA mit großen Schritten voran. Von den 5,3 Milliarden Euro, die ihr nach den Berechnungen der Aufseher Ende September fehlten, sind nur noch 1,8 Milliarden Euro übrig, die bis Ende Juni aufgebracht werden müssen.

Keine Gewinnprognose für 2012

Dabei geht die Bank für das erste Halbjahr 2012 von einem Gewinn von rund 1,2 Milliarden Euro aus. Verluste mit Staatsanleihen fallen in der Betrachtung der EBA nicht ins Gewicht, da die Bank dafür ohnehin einen Puffer bilden musste, den sie nun aufzehren kann.

Auf eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr legte sich Commerzbank-Chef Martin Blessing nicht fest. "Auch im Jahr 2012 wollen wir unsere operative Profitabilität kontinuierlich verbessern und die Risiken weiter reduzieren", erklärte er nur.

Das Ziel von vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, das Teil von Blessings "Roadmap 2012" war, hatte er bereits aufgegeben. Die Kernbank – ohne die Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung und die in eine interne "Bad Bank ausgelagerten toxischen Papiere – soll ein "solides" operatives Ergebnis erwirtschaften.

2011 hatte dieses bei 4,5 Milliarden Euro gelegen, auch weil die Risikovorsorge des größten Kreditgebers an deutsche Firmen um 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro sank. 2012 soll sie unter 1,7 Milliarden Euro bleiben, die Kosten sollen um 300 Millionen Euro sinken.

In ihrer "Bad Bank" hat die Commerzbank die Strategie gewechselt: Hier geht es nun verstärkt um einen schnellen Abbau der Risiken, auch unter Inkaufnahme von Verlusten. Bisher sollten die toxischen Papiere möglichst bilanzschonend verkauft werden.

Commerzbank will Kapitalstruktur vereinfachen

Der Staat und die Aktionäre gehen 2011 erneut leer aus. Denn nach dem für die Bedienung der Stillen Einlage und die Dividende maßgeblichen deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) hat die Bank 3,6 Milliarden Euro Verlust erwirtschaftet.

Hier schlug eine erneute Abschreibung unter anderem auf die Eurohypo mit 2,1 Milliarden Euro zu Buche. Der Hybrid-Rückkauf wirkt sich nach HGB dagegen nicht aus. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin hätte für seine restliche Einlage noch Anspruch auf 170 Millionen Euro gehabt.

Auch im laufenden Jahr setzt die Commerzbank auf eine Vereinfachung der Kapitalstruktur. Dazu sollen von Donnerstag an erneut Hybridanleihen, Genussscheine und andere Nachrangpapiere zurückgekauft werden – diesmal allerdings in eigene Aktien.

Die Commerzbank erhöht dafür ihr Grundkapital um zehn Prozent. Das soll mehr als eine Milliarde Euro bringen und könnte es der Bank damit noch erleichtern, die EBA-Anforderungen zu erfüllen – auch wenn sie bisher nicht eingeplant seien. Die Hybridpapiere sind nominal noch mehr als drei Milliarden Euro wert, die Bank bietet aber entsprechend den Marktwerten deutlich weniger. Der Staat wandelt einen Teil seiner Stillen Einlage in Aktien um, um seine Beteiligung bei 25 Prozent plus einer Aktie zu halten.

Quelle: Reuters/dpa/tat
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