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16.02.12

Millionen-Verlust

General Motors verordnet Opel neues Sparprogramm

575 Millionen Euro Verlust wurden im Europageschäft eingefahren. GM-Spitze bezeichnet das Ergebnis als inakzeptabel. Die Opelaner bangen um Bochum.

Opel

Kompakt-Van: Der Opel Zafira ist in der neuen Version deutlich größer geworden.

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Einen Satz nur verlor Konzernchef Dan Akerson über die Erfolgssträhne von General Motors (GM), dann kam er zum großen Problem des US-Automobilherstellers: zum Europageschäft. "Viele Dinge laufen richtig gut", sagte Akerson in einer Telefonkonferenz zur Bilanz 2011.

Damit umschrieb er elegant, dass dem Konzern insgesamt im vergangenen Jahr ein unglaublicher Ergebnissprung gelungen war. Dann aber fügte er mit Blick auf Europa hinzu: "Wir wissen um unsere Herausforderungen dort. Und wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um den Ball über die Torlinie zu bringen." Das Wort Opel fiel nicht.

Zwar sind die Verluste in der Europasparte, die überwiegend aus den Marken Opel und Vauxhall besteht, nicht so groß wie im Vorfeld befürchtet. Auf annähernd eine Milliarde Dollar sollten sich diese 2011 summiert haben , wie vorab kolportiert wurde. Dennoch: Auch der tatsächlich einfahrende Verlust vor Steuern und Zinsen von 747 Millionen Dollar (575 Millionen Euro) ist dramatisch.

Zum einen, weil seit 2010 ein scharfes Sparprogramm läuft und man erste Anzeichen einer Erholung erwartet hatte. Zum anderen, weil GM insgesamt wieder richtig gut Geld verdient. Zwar mäkeln nicht wenige Experten, der US-Autoriese habe nichts aus der Pleite 2009 gelernt und wurstle im Grunde weiter wie bisher.

Aber denen konnte Akerson ein Traumergebnis für den Gesamtkonzern präsentieren: Der Gewinn stieg um 1,3 Milliarden auf 8,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um elf Prozent auf 150 Milliarden Dollar. In Europa spitzte sich die Situation dagegen in den vergangenen Wochen zu.

Von Oktober bis Dezember fiel der Absatz von Opel und Vauxhall um 22.000 Stück gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil ging von 9,0 auf 8,6 Prozent zurück. Im Gesamtjahr kam Opel auf 1,2 Millionen Autos, immerhin 35.000 mehr als 2010. Im neuen Jahr hören die Probleme aber nicht auf: Im Januar sank der Absatz in der EU um 21 Prozent, wie der Verband ACEA mitteilte.

Den Abwärtstrend will die GM-Spitze nun nicht länger hinnehmen. Der Verluste in Europa seien "inakzeptabel", sagte GM-Finanzchef Dan Ammann. Er kündigte weitere Einschnitte an. Der vor zwei Jahren angestoßene Restrukturierungsplan sei nicht weit genug gegangen. Vor allem die schlechte Wirtschaftslage in Europa habe den Umbau in Europa erschwert. Doch auch unter diesen Bedingungen müsse GM Europe aus den roten Zahlen, stellte der er klar.

Man werde die Probleme bei Opel "eher aggressiv angehen", kündigte die GM-Spitze an. Welche Schritte man als nächstes tun will, bleiben offen. "Wir müssen profitabel werden, das wird seine Zeit dauern", sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke. Es gebe "bald mehr zu sagen" über den Weg in die Gewinnzone. Über ein neues Sanierungsprogramm sei man mit dem Betriebsrat und der IG Metall im Gespräch. "In einigen Monaten" werde es Ergebnisse geben, so Stracke. Der Opelchef verwies drauf, dass die Europatochter in diesem Jahr sechs neue Modelle bringen wolle und verstärkt auf Märkte wie Russland und in geringerem Umfang auf China setze.

Die Operation am Patienten Opel geht also weiter. Seit 2010 wurden bereits europaweit 8000 Stellen abgebaut. Das Werk in Antwerpen wurde geschlossen. In Deutschland war von der Sanierung auch das Werk Bochum betroffen, mehr als 1000 Stellen fielen dort weg. Nun geht erneut die Angst um, dass dieses Werk abgewickelt werden könnte.

Betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen sind nach den mit den Arbeitnehmervertretern geschlossenen Verträgen jedoch bis Ende 2014 nicht möglich. So lange will man bei GM nicht warten, es würden andere Möglichkeiten geprüft, Kapazitäten abzubauen, kündigte Akerson an: "Kurzfristig können wir über Kurzarbeit oder Arbeitszeitkonten reagieren. Über diese Maßnahmen machen wir uns Gedanken."

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug pocht derweil auf die bestehenden Verträge und fordert eine "langfristige nachhaltige Strategie", damit Opel von dem erwarteten Marktwachstum profitieren könne. Bislang hat Opel keinen langfristigen Businessplan, jedenfalls keinen, der vom Aufsichtsrat abgesegnet wäre – denn die Arbeitnehmervertreter haben den bisherigen Plänen die Zustimmung verweigert.

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