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12.02.12

Energiesicherheit

Frankreich lässt seine AKW deutlich länger am Netz

Weil weniger Strom aus Deutschland fließt, steigt die Angst vor einem Blackout in Frankreich: Die AKW-Laufzeiten sollen verlängert werden.

© Infografik Welt Online
Atomausstieg
Das sind die Restlaufzeiten der deutschen AKW

Frankreich will seine Atomkraftwerke deutlich länger am Netz behalten. Präsident Nicolas Sarkozy habe entschieden, die Laufzeiten der Reaktoren über 40 Jahren hinaus zu verlängern, sagte Industrieminister Eric Besson am Sonntag. Dadurch könne die Wirtschaft länger von der günstigen Energie profitieren. Die Kraftwerksbetreiber seien gebeten worden, die Laufzeiten auszudehnen. Besson ergänzte, dass die Reaktoren in den USA im Schnitt 60 Jahre am Netz seien.

Ende Januar hatte der französische Rechnungshof erklärt, es gebe keine andere Option als eine Verlängerung der Laufzeiten. Der Neubau von Kraftwerken oder das Ausweichen auf andere Energieträger sei zu teuer und würde nicht rechtzeitig gelingen. Besson hatte eine Studie zur langfristigen Energiepolitik in Auftrag gegeben, die am Montag veröffentlicht werden sollen.

"Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es Verschwendung wäre, unsere Reaktoren nach 40 Jahren zu stoppen", sagte Besson. In den vergangenen Tagen hatte das kalte Wetter die Stromnachfrage in Frankreich auf Rekordwerte getrieben. Die in dieser Jahreszeit üblichen Stromimporte aus Deutschland fielen geringer aus als üblich . In Südfrankreich gab es Stromausfälle.

Frankreich ist wie kein anderes Land der Welt auf die Atomenergie angewiesen: Drei Viertel des Stroms werden in den Kraftwerken hergestellt. Ende 2022 werden 22 französische Reaktoren 40 Jahre im Betrieb sein. Insgesamt gibt es in dem Land 58 Reaktoren. Das älteste französische Atomkraftwerk Fessenheim steht direkt an der deutschen Grenze in der Nähe von Freiburg.

In Deutschland hat das Bundeswirtschaftsministerium bereits eine Art Krisenstab zur Energieversorgung eingerichtet . Seit vergangenem Dienstag lasse sich das Ministerium in täglichen Telefonkonferenzen von den Betreibern der großen Strom- und Gasnetze und der Bundesnetzagentur über die Wahrscheinlichkeit von Blackouts und Versorgungsengpässen berichten. Die Berichte würden vertraulich behandelt.

Angespannte Situation im deutschen Stromnetz

Grund für die Krisensitzungen ist, dass Russland seit Tagen weniger Erdgas am wichtigsten deutschen Pipeline-Anschluss im bayrischen Waidhaus abliefert. Deshalb mussten bereits Gaskraftwerke in Karlsruhe und Irsching gedrosselt werden. Das verschärft die ohnehin angespannte Situation im deutschen Stromnetz.

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, bestätigte der "Wirtschaftswoche", dass "die Sicherheitsreserven sich dem Ende zuneigen". Die Versorger müssten mächtig eingreifen, um Engpässe auszugleichen. Dank solcher Maßnahmen sei die Lage aber "noch sicher und stabil".

Die derzeitige Versorgungssituation mit Strom in Deutschland ist angespannt, aber stabil", erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Sonntag in Berlin. Einen "Krisenstab" gebe es nicht, allerdings sei "selbstverständlich", dass das Ministerium "im regelmäßigen Kontakt mit den Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur steht". Dies sei "übliches Verwaltungshandeln".Dem Ministerium zufolge gibt es beim Gas in Deutschland "kein Mengenproblem, sondern einen Engpass im Netz beim Transport vom Norden in den Süden Deutschlands".

Deswegen würden "alle mit den Kunden vertragsmäßig vereinbarten Möglichkeiten der Gaseinsparung gezogen". In wenigen Einzelfällen sei eine Belieferung mit den vollen vertraglich vereinbarten Mengen nicht möglich gewesen. Im Strommarkt gebe es dagegen bislang keine Einschränkungen für Kunden.

Quelle: AFP/dgw/cat
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