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11.02.12

Stromengpässe

In Deutschland wächst die Blackout-Gefahr

Weil Russland seit dieser Woche deutlich weniger Gas liefert, wurde in Berlin jetzt heimlich ein Krisenstab zur Sicherheit der Energieversorgung eingerichtet. Außerdem sollen die Netzbetreiber beim Bundeswirtschaftsministerium eine tägliche Prognose in Ampelform einreichen: Grün steht dabei für stabile Stromversorgung, Rot für Blackout-Gefahr.

© dpa/DPA
Bei Strom-Blackout droht «nationale Katastrophe»
Die Stromversorgung in Deutschland ist derzeit gefährdet

Die Sicherheit der deutschen Stromversorgung ist offenbar stärker gefährdet, als es nach offiziellen Angaben der Bundesregierung den Anschein hat. Dafür spricht, dass das Bundeswirtschaftsministerium heimlich einen Krisenstab zur Sicherheit der Energieversorgung einberufen hat. Nach Informationen von Morgenpost Online schließt sich das Ministerium seit vergangenen Dienstag täglich in Telefonkonferenzen mit den Betreibern der großen Strom- und Gasnetze sowie der Bundesnetzagentur zusammen, um sich über die Wahrscheinlichkeit von Blackouts oder Versorgungsengpässen berichten zu lassen. Die Tagesberichte behandelt das Ministerium vertraulich. Dem Vernehmen nach reichen die Netzbetreiber ihre Tagesprognosen dabei in Ampelform ein: Grün steht für stabile Stromversorgung, Rot für Blackout-Gefahr.

Grund für die tägliche Krisensitzung ist, dass Russland seit dieser Woche deutlich weniger Erdgas am wichtigsten deutschen Pipeline-Anschluss im bayerischen Waidhaus abliefert. Netzbetreiber berichten von Liefermengen, die 25 bis 30 Prozent unter dem üblichen Niveau lagen. Weil wegen der Kältewelle die Nachfrage nach dem Brennstoff besonders groß ist, kam es in Süddeutschland in den vergangenen Tagen bereits mehrfach zu Lieferausfällen. In einigen Gemeinden Baden-Württembergs forderten die örtlichen Versorger die Bewohner sogar auf, trotz der Eiseskälte ihre Heizungen zu drosseln. Auch Gaslieferungen an einige Industriebetriebe wurden eingestellt.

Netzsituation ist ohnehin schon kritisch

Unmittelbarer Anlass für den Krisenstab war aber die Tatsache, dass der Erdgasmangel nun auch die Stabilität des Stromnetzes in Süddeutschland gefährdet. Denn seit der Stilllegung von acht Atomkraftwerken durch die Bundesregierung im vergangenen Jahr fehlen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg Kraftwerkskapazitäten.

In dieser Woche mussten wegen ausbleibender Brennstofflieferungen aus Russland trotz der ohnehin kritischen Netzsituation nun auch noch Erdgaskraftwerke heruntergefahren werden. Selbst das modernste und effizienteste Gaskraftwerk der Welt im bayerischen Irsching hatte zu Wochenbeginn nicht mehr genügend Brennstoff und konnte nur noch eingeschränkt Strom produzieren. Zusätzlich gab es nicht genug Windstrom, die Solarkraftwerke konnten die Lücken ebenfalls nicht ausgleichen.

Das hohe Maß an Vertraulichkeit könnte damit zu tun haben, dass die Nachrichten als zu beunruhigend eingeschätzt wurden, um sie der breiten Öffentlichkeit einfach so mitzuteilen. Denn eine Garantie für stabile Stromversorgung gab es in der gesamten abgelaufenen Woche nur, weil eine "Kaltreserve" alter Öl- und Gaskraftwerke hochgefahren wurde, die die Bundesnetzagentur für viel Geld in Österreich und Deutschland angemietet hatte. Stundenweise mussten die Netzbetreiber darüber hinaus noch Strom zu horrenden Preisen im übrigen Ausland einkaufen, um einen Systemkollaps zu verhindern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte noch am Freitag in einem Interview gesagt, die Stromversorgung in Deutschland sei "stabil und sicher". Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte diese Woche im Bundestag verkündet, die Energiewende habe trotz klirrender Kälte "ihren ersten Härtetest" bestanden. "Wir haben Netzstabilität und stabile Preise, und wir exportieren deutschen Strom, und zwar erneuerbaren Strom, ins Ausland." Und damit, sagte Röttgen, nenne er "ausschließlich Fakten". Das galt allerdings nur, solange die Wintertage sonnig und windig waren.

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