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10.02.12

Autobauer

Russen kaufen vor allem dicke Geländewagen

Die Russen haben 2011 fast 40 Prozent mehr Autos als im Vorjahr gekauft. Vor allem Geländewagen sind gefragt. VW konnte sogar 74 Prozent zulegen.

BMW

BMW X6: Nach vier Jahren erhält das SUV-Coupé 2012 ein leichtes Facelift und einen neuen Power-Diesel.

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Russland kommt seinem Ziel, zum größten Automarkt in Europa aufzusteigen, rapide näher. Vor allem im vergangenen Jahr wurde der starke Einbruch aus dem Krisenjahr 2009 weitgehend wettgemacht. Dieser Trend hält 2012 offenbar an. Der neuen Statistik der Association of European Businesses (Aebrus) zufolge kletterten die Verkäufe im Januar um 20 Prozent.

Der große Sprung freilich gelang im Vorjahr, als unerwartet 2,65 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verkauft wurden. Das ist ein Zuwachs von 39 Prozent gegenüber 2010. Das Verkaufsvolumen reicht damit nach einer zweijährigen Durststrecke wieder nahe an den Rekord von 2,8 Mio. Fahrzeugen heran, mit dem Russland europaweit auf Platz zwei hinter Deutschland gelegen hat.

Unangefochtener Marktführer mit einem Drittel Marktanteil bleibt die russisch-französische Allianz Avtovaz-Renault-Nissan. Sie profitierte auch 2011 noch von stimulierenden Maßnahmen wie der Abwrackprämie, die zu Krisenzeiten von der Regierung auf die Rettung des Branchenprimus und Lada-Herstellers Avtovaz zugeschnitten worden war.

Zwar macht das Avtovaz-Werk in der Wolgastadt Togliatti innerhalb der Allianz nur knapp acht Prozent des globalen Absatzes aus, durch die Produktionssteigerung von zehn Prozent jedoch ist es mitverantwortlich dafür, dass die Allianz im Vorjahr weltweit acht Mio. Fahrzeuge abgesetzt hat – womit sie nun knapp an Volkswagen heranreicht. Renault hat sein Engagement bei Avtovaz seit Beginn der Krise ausgebaut und hält mittlerweile einen Anteil von 25 Prozent.

Volkswagen legt 74 Prozent zu

Auch Volkswagen verdankt sein 74-prozentiges Absatzplus in Russland einer ausgeweiteten Inlandsmontage. Dazu waren die ausländischen Autobauer mit dem russischen Regierungsdekret 166 gewissermaßen gezwungen worden. Die Verordnung gewährt den Konzernen acht Jahre lang Privilegien beim Import von Komponenten, sofern sie ihre Produktion binnen fünf Jahren auf über 300.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern – Ziel ist es, die rückständige Autoindustrie Russlands zu modernisieren.

Europa hatte befürchtet, dass die harten Vorgaben den Import aus Europa empfindlich treffen könnten. Daher war das Thema auch Gegenstand der Verhandlungen über den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO. Derzeit werden importierte Neuwagen mit einem Zoll von 30 Prozent belegt. Die Einigung mit der EU sieht nun vor, dass die Zölle ab 2012 auf 25 Prozent und bis 2019 auf 15 Prozent sinken.

VW hat General Motors in Russland überholt

Alles in allem ist der angepeilte Aufbau einer eigenen Autoproduktion einer der größten Erfolge von Russlands Premierminister Wladimir Putin. Gemeinsam mit den russischen Modellen à la Lada werden heute bereits zwei Drittel der verkauften Autos im Inland produziert – ein Rekord.

Elf der 15 internationalen Auto-Allianzen montieren mittlerweile auch in Russland. Der VW-Konzern, der künftig auch in Nischni Nowgorod 110.000 Fahrzeuge fertigen wird, produziert bereits vier Modelle nahe Moskau. Laut Aebrus hat VW 2011 in Russland 228.799 Fahrzeuge verkauft. Damit lagen die Deutschen leicht hinter General Motors, im Januar haben die Wolfsburger die Amerikaner überholt.

Geländewagen besonders stark gefragt

Besonders dynamisch wächst die Nachfrage nach Geländelimousinen. Lag der Anteil der Geländewagen am Gesamtverkauf 2008 noch bei 18 Prozent, was bereits deutlich höher als in Westeuropa ist, so betrug er in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres 26 Prozent, wie Sergej Udalov von der Branchenstatistik Avtostat der Zeitung "Wedomosti" sagte. Auch bei der Konkurrenz von BMW und Mercedes-Benz machen Geländewagen bereits zwei Fünftel des Absatzes in Russland aus.

Die Tendenz in dem Riesenland zu großen und teuren Fahrzeugen dürfte Aebrus zufolge auch künftig anhalten. Und in der Tat gilt der russische Automarkt als äußerst vielversprechend. So kommen derzeit auf 1000 Einwohner gerade einmal 220 Autos, während es in Westeuropa 450 Autos sind.

Dazu kommt, dass das Durchschnittsalter des russischen Fuhrparks ziemlich hoch ist. Das Marktpotenzial von jährlich 3,6 Mio. verkauften Autos könnte im Jahr 2020 erreicht sein, hatte Matteo Fini, Chefanalyst bei IHC Automotive, kürzlich erklärt. Laut einer Prognose der Branchenbeobachter von PricewaterhouseCoopers entspräche dies etwa drei Prozent der zum Ende des Jahrzehnts erwarteten weltweiten Produktion.

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