Stromversorgung
Ohne Hilfe des Wettergotts patzen die Öko-Energien
Stromkonzerne, Netzbetreiber und Umweltpolitiker sprechen von einer stabilen Energieversorgung. Tatsächlich aber war Deutschland noch nie so nah am Blackout wie heute.
Von Daniel Wetzel
In ihrem Bemühen, keine Unruhe über die Sicherheit der deutschen Energieversorgung aufkommen zu lassen, legen Stromkonzerne, Netzbetreiber und Umweltpolitiker derzeit einen sprachlichen Drahtseilakt hin. Die Situation im Stromnetz und in der Gasversorgung sei "angespannt, aber stabil", lautet die gängige Sprachregelung der Pressestellen. Als Beleg für die "Stabilität" dient allerdings nicht viel mehr als die Tatsache, dass die Lichter bislang ja nicht ausgegangen sind.
Danach herrscht Stabilität also bis eine Sekunde vor Eintritt des Blackouts. Die Formulierung unterschlägt, dass die Stromversorgung Deutschlands noch nie so unsicher war wie heute. Nur eine teuer im Ausland angemietete Kraftwerksreserve und die ökologisch ungeliebten Braunkohlekraftwerke garantieren in diesen kalten Tagen noch eine sichere Versorgung.
Jubel über Stabilität war verfrüht
Ein großes Aufkommen an Solarstrom hatte zwar in den letzten sonnigeren Tagen dazu beigetragen, das Netz über die Mittagszeit hinweg zu stabilisieren und noch Stromexporte zuzulassen. Doch der Jubel über die Stabilität der Versorgung trotz Atomausstiegs und Energiewende war verfrüht. Am Donnerstag brach die Solar-Produktion um mehr als die Hälfe auf gerade noch 3600 Megawatt ein.
Windkraft konnte wegen Flaute nicht einspringen. Verlassen vom Wettergott, erweisen sich die Öko-Energien jetzt als unsichere Kantonisten. Bevor bei uns die Lichter ausgehen, könnten die Netzbetreiber zwar noch in den Markt eingreifen und Stromexporte unterbinden. Dann würde es nur in Frankreich dunkel – und die Nachbarschaftshilfe das erste Opfer der Energiewende.
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