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08.02.12

Euro-Desaster

Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine

Die griechische Notenbank hat ihre Bilanzsumme enorm aufgestockt – mit einer gefährlichen Aktion. Euro-Gruppenchef Juncker lädt nun zum Gipfel.

dapd

Die griechischen Gewerkschaften haben die Bürger zu Demonstrationen gegen ...

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In die schwierigen Griechenland-Verhandlungen soll nun Bewegung kommen. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker hat ein Treffen der Finanzminister der Euro-Zone für Donnerstagabend einberufen. Bei dem schon mehrmals verschobenen Treffen sollen die Minister dann über das Hilfspaket für Griechenland beraten.

Juncker äußerte sich optimistisch, dass die griechische Regierung mitteilen werde, welche zusätzlichen Sparanstrengungen das Land tragen wolle. Griechenland und seine Gläubiger ringen seit Wochen darum, das zweite Sparpaket für das krisengeschüttelte Land von mindestens 130 Milliarden Euro auf den Weg zu bringen. Kommt es zu keiner Einigung, droht dem Land die Pleite.

Doch trotz der Brisanz wird das Thema an den Finanzmärkten mittlerweile weitgehend ignoriert. Das zeigt sich nicht nur daran, dass die Verzinsung griechischer Anleihen zuletzt stabil notierte. Die Renditen anderer Euro-Wackelkandidaten entwickeln sich seit einiger Zeit sogar rückläufig.

Grund für die Gelassenheit der Investoren ist die Europäische Zentralbank (EZB) . Diese hat die Finanzmärkte seit Dezember mit Liquidität regelrecht überschüttet und damit für Beruhigung gesorgt. Doch EZB-Präsident Mario Draghi muss sich auf der Pressekonferenz auch auf kritische Fragen zu diesem Kurs gefasst machen. Kurzfristig verschafft die Politik der Geldschwemme Europa eine Atempause. Langfristig lauern jedoch enorme Risiken.

Währungsunion schichtet Risiken um

Wie aus einer UBS-Studie hervorgeht, die Morgenpost Online vorliegt, findet mittlerweile ein weit umfangreicherer Risikotransfer innerhalb der Währungsgemeinschaft statt, als bisher öffentlich bekannt. Dank der unter Draghi nochmals gelockerten EZB-Politik hat die griechische Nationalbank ihre Bilanzsumme enorm ausgeweitet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Notenbank in Athen in großem Umfang Liquidität schöpft.

Seit 2010 hat sich ihre Bilanzsumme fast verdoppelt. Seit Herbst 2011 stieg die Geldvermehrung rasant an. Inzwischen macht die Bilanzsumme der Notenbank 70 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung aus. Das liegt im internationalen Vergleich auf Spitzenniveau.

"Die EZB hat die Gelddruckmaschine an die nationalen Notenbanken übergeben", schreibt Stephane Deo, Ökonom bei der UBS. "Das könnte schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen." Denn damit werden die Risiken der Währungsgemeinschaft verschoben.

Eigentlich hat die EZB das Notenbankmonopol in der Euro-Zone. Sie allein kann Geld schaffen, so hatten es die Gründer vorgesehen. Lediglich im Notfall war es den nationalen Notenbanken erlaubt, für kurze Zeit eigenes Geld zu drucken und damit das Bankensystem mit Liquidität zu versorgen und für solche Geldgeschäfte auch zweifelhafte Sicherheiten der Finanzhäuser einzusetzen.

Troika hat griechische Notenbank aus dem Blick verloren

Das Programm mit dem Kürzel ELA (Emergency Liquidity Assistance) machte solche Notkreditlinien möglich. Selbst die Bundesbank nutzte ELA, um kurz nach der Lehman-Pleite das Finanzsystem am Leben zu halten. Doch seit Dezember ist diese Notoperation als längerfristige Hilfe institutionalisiert worden. Damals hatte Draghi angekündigt, dass die nationalen Notenbanken von ihren heimischen Banken auch Sicherheiten zweifelhafter Güte als Pfand für Notenbankkredite annehmen könnten.

Zwar sollte diese Lösung nur temporär eingesetzt werden. Welcher Zeitraum damit gemeint war, ist aber bisher offen geblieben, zumal Sicherheiten schlechterer Qualität auch für die Dreijahreskredite der EZB an die Euro-Banken akzeptiert werden sollen.

Aus einer kurzfristigen Lockerung der Kreditbedingungen kann auf diese Weise ein langfristiges Risiko werden. Derart die Spielregeln zu ändern, findet UBS-Mann Deo bemerkenswert. "Das sind definitiv nicht die Entscheidungen, die man von einer Währungsunion erwartet." Die UBS-Studie suggeriert damit, dass die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission bei den Verhandlungen mit Griechenland nicht allein auf den privaten Bankensektor, sondern auch noch auf die nationale Notenbank achten sollte.

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