Schuldenkrise
Griechenlands Sonderkonto wäre ständig im Minus
Die Idee eines Sonderkontos für griechische Staatseinnahmen ist nicht mehr als ein Ausdruck der Verzweiflung. Es ist an der Zeit, die Strategie zu ändern.
Von Jan Dams
Vorschläge, wie Griechenland zu retten sein könnte, gab es in den vergangenen zwei Jahren viele. Keiner hat für so viel Aufsehen gesorgt wie die diplomatisch unkluge deutsche Idee, einen Sparkommissar nach Athen zu schicken.
Am Widerstand anderer Euro-Staaten gescheitert, propagieren Angela Merkel und ihr französischer Kollege Nicolas Sarkozy nun einen neuen, ebenso spektakulären Plan. Dieses Mal wollen sie den Griechen ein Sonderkonto verordnen , auf das alle Einnahmen des Landes fließen. Das Konto soll der Schuldentilgung dienen. Die Idee ist ähnlich sonderbar wie die vom Sparkommissar.
Was soll sich auf dem Konto ansammeln?
Was nützt ein Sonderkonto, wenn die Einnahmen des Schuldenbruders so gering sind, dass er sogar abzüglich der Zinszahlungen auf die Staatsschuld ein hohes Defizit einfährt? Was soll sich denn auf dem Konto ansammeln? Negative Zinsen etwa, weil der Dispo wegen der hohen Schuldentilgung ständig überzogen ist?
Diese Idee ist nicht mehr als Ausdruck einer tiefen Verzweiflung. Europas mächtigste Politiker haben keine Ahnung, wie sie dieses kleine Land zur Räson rufen sollen. Merkel und Sarkozy haben längst erkannt, dass dort nicht nur der Wille fehlt, sondern auch die bürokratischen Strukturen, um die notwendigen Reformversprechen umzusetzen.
Beide fürchten sich aber davor, diese Erkenntnis auch öffentlich einzugestehen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Lieber versuchen sie sich in Symbolpolitik. Die Griechen verstehen das nur zu gut.
Sie wissen genau, dass wir uns vor ihrem Rauswurf drücken, weil wir schlimme Turbulenzen für den Rest der Euro-Zone fürchten. Solange das so bleibt, wird sich in Athen jedoch nichts ändern. Es ist an der Zeit, die Strategie zu ändern.
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