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05.02.12

Studie

Duale Ausbildung schafft Arbeitslose im Alter

Das Modell der dualen Berufsausbildung gilt als deutsche Spezialität. Doch eine Studie zeigt ungeahnte Schwächen – und schlägt ein duales Studium vor.

© PA/dpa
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Die viel gepriesene duale Berufsausbildung in Deutschland birgt für die Lehrlinge bisher unbeachtete Risiken: Wer eine betriebliche Ausbildung abschließt, hat zwar eine recht sichere Eintrittskarte für den Arbeitsmarkt. Er ist im Alter allerdings mehr als andere von Arbeitslosigkeit bedroht. Das ist das brisante Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern aus München, den USA und China.

Die Verfechter der vom Ausland beneideten Parallel-Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule sollten danach zumindest teilweise umdenken. Die Experten mahnen mehr allgemeinbildende Grundlagen, spätere Spezialisierungen und eine niedrigere Zahl unterschiedlicher Ausbildungsberufe an.

"Unsere duale Berufsausbildung ist oft zu spezifisch, zu sehr auf die Bedürfnisse einzelner Betriebe zugeschnitten", kritisiert einer der Autoren, Ludger Wößmann vom Münchner Ifo-Institut. "Die Qualifikationen halten mit dem immer schnelleren Wandel der Wirtschaft nicht Schritt."

Tatsächlich fallen die Beschäftigungschancen älterer Mitarbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung stark ab. Danach ist in Deutschland nur noch ein Drittel der Männer über 55 Jahre mit abgeschlossener Lehre beschäftigt. Unter den älteren Männern mit allgemeiner Bildung – sprich Abitur oder Fachschule als höchstem Abschluss – dagegen bleibt die Beschäftigungsquote bei drei Vierteln. Die Wissenschaftler haben Daten von 15.000 Menschen zwischen 16 und 65 Jahren aus 18 Ländern ausgewertet.

Duale Ausbildung schafft guten Einstieg

Deutsche Lehrlinge, folgern Eric Hanushek von der amerikanischen Stanford University, Lei Zhang von der chinesischen Tsinghua Universität und Wößmann, seien oft passgenau für eine Stelle in ihrem Betrieb ausgebildet. Das bringt ihnen zum Start gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Für den immer schnelleren Wandel von Technologien und Strukturen sind sie allerdings schlecht gerüstet.

Ganze Industrien, wie seit den 80er-Jahren etwa die Textilwirtschaft, wandern nach Osteuropa oder Asien ab. "Wer das Pech hat, just für diese Berufszweige ausgebildet zu sein, dem fällt es aufgrund seiner berufsspezifischen Ausbildung schwer, in anderen Berufszweigen Fuß zu fassen", sagt Wößmann.

Der Bildungsökonom aus München fordert deshalb eine breitere Ausrichtung der einzelnen Ausbildungsgänge. Es solle mehr allgemeinbildende Inhalte und weniger spezifisch unterschiedliche Lehrberufe geben. Für ausbaufähig hält Wößmann zudem das duale Studium, bei dem Auszubildende eine Lehre im Betrieb mit einem Studium an einer Berufsakademie verbinden. "Hier werden beide Vorteile verknüpft – breites theoretisches Fundament und Anbindung an die Praxis."

Noch besser wäre ein duales Studium

Das duale Studium sei womöglich auch ein Schlüssel, um mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten zu einer akademischen Bildung zu motivieren. Die Praxisnähe bringe die nötige "Handfestigkeit". Darüber hinaus fordert Wößmann auch in der dualen Ausbildung mehr auf "lebenslanges Lernen" zu setzen. Bisher sei die Weiterbildung stark auf höher Qualifizierte beschränkt. Untersuchungen zeigten aber, dass die Weiterbildungsrate für Personen mit einer Ausbildung in höherem Alter stark abnähme. "Das können wir uns in Zeiten von Globalisierung und schnellem Wandel immer weniger leisten."

Damit stößt er im Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf offene Ohren. "Die Vorstellung, jemand sei, ausgelernt' ist komplett überholt", sagt DIHK-Bildungsexperte Günter Lambertz. Lebenslanges Lernen sei für Mitarbeiter und Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg.

Dass sich diese Erkenntnis noch nicht überall durchgesetzt hat, sei auch Schuld der Politik, die lange auf Frühverrentung und Altersteilzeit gesetzt habe. "Viele Chefs gingen daher davon aus: Weiterbildung lohnt sich bei den Älteren ohnehin nicht", sagt Lambertz. "Das muss sich ändern."

Strukturwandel ist kaum vorhersehbar

Mehr Potenzial sieht Lambertz auch für das duale Studium. Doch sein Wachstum habe Grenzen. "Für viele Lehrlinge ist die Berufsakademie keine echte Alternative", sagt Lambertz. "Die Anforderungen dort an Motivation und Durchhaltevermögen sind sehr hoch." Die Forderung der Wissenschaftler nach weniger Spezialisierungen bei den Lehrberufen sieht der DIHK-Experte gelassen. "Inzwischen gibt es über 1000 hoch spezialisierte Bachelor-Studiengänge", sagt er. "Dagegen sind wir mit unseren 360 Ausbildungsgängen echte Waisenkinder."

Problematisch ist allerdings, dass einzelne Berufe vom Strukturwandel komplett überholt werden. Bergmänner, Polsterer oder Leistenmacher sind heute in Deutschland kaum mehr gefragt. Andererseits lassen sich Trends auf dem Arbeitsmarkt oft nur schwer langfristig vorhersagen. Noch vor zehn Jahren waren Experten überzeugt, dass hierzulande künftig kaum mehr Programmierer gebraucht würden. Diese Stellen würden in neue Zentren in den Schwellenländern, etwa im indischen Bangalore, verlagert. Und doch kam es anders: Bis heute sind Programmierer auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt heiß begehrt.

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