Euro-Krise
Endspurt zum Griechenland-Befreiungsschlag
Hinter verschlossenen Türen wird über die Umschuldung und ein Hilfspaket für Griechenlands verhandelt. Die Griechen wollen 230 Milliarden Euro Erleichterung.
Seit Tagen nennt Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos "Sonntagnacht" als Datum der Entscheidung. Das Finanzministerium in Athen drängt auf eine rasche Entscheidung: "Je schneller, desto besser", hieß es.
Doch die Verhandlungen sind sind ein komplexer Drahtseilakt und laufen auf zwei Ebenen. Zum einen verhandelt die Regierung in Athen mit ihren öffentlichen Geldgebern der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds über die Bedingungen für ein zweites Hilfspaket im Umfang von voraussichtlich 130 Milliarden Euro.
Zum anderen feilt sie mit ihren privaten Gläubigern an den letzten Details eines in Grundzügen bereits vereinbarten Anleihentauschs, mit dem die Schuldenlast um 100 Milliarden Euro verringert werden soll. Erschwert werden die Gespräche durch die offenbar sehr ernüchternde Bilanz der Griechen bei der Umsetzung der bislang zugesagten Reformen.
Bei den Verhandlungen mit den privaten Gläubigern soll auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beteiligt sein. Eine Einigung auf einen freiwilligen Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern, darunter Banken und Hedgefonds, ist auch Voraussetzung für weitere Hilfen der Troika. Alle Seiten müssen sich einigen, ansonsten scheitert Umschuldung und Hilfspaket.
Josef Ackermann warnt vor Griechenland-Pleite
Ackermann warnte vor einer Insolvenz Griechenlands und einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone. In einem solchen Fall würde es zu kaum vorstellbaren Kollateralschäden kommen. Eine besondere Gefahr sei die der Ansteckung anderer Krisenländer. "Es geht nicht nur um Griechenland, sondern um Europa."
Für die griechischen Banken besteht bereits ein ausgehandelter Plan. Griechenland wird seine angeschlagenen Banken nach einem geplanten Bond-Tausch vor allem mit Stammaktien rekapitalisieren, die ein begrenztes Stimmrecht haben. Das verlautete aus Bankenkreisen. Wegen notleidender Kredite und Verlusten aus dem freiwilligen Anleihen-Tauschprogramm müssen die Geldhäuser voraussichtlich saniert werden.
Papademos verhandelt mit Troika und Parteien
Streitpunkte sind vor allem die von den Geldgebern geforderten Kürzungen der Löhne auch im privaten Bereich, die bis zu 25 Prozent weniger Einkommen für die Arbeitnehmer bedeuten könnten. Dies würde der Ansicht Athens nach erst recht zum völligen Abwürgen der griechischen Wirtschaft führen. Zudem fordere die Troika eine Senkung des Mindestlohns sowie massive Entlassungen im staatlichen Bereich.
Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos hat Gespräche mit den Vorsitzenden der Parteien, die seine Regierung stützen, aufgenommen. Im Zentrum stehen dabei die von den internationalen Geldgebern Griechenlands geforderten zusätzlichen Sparanstrengungen. Eine Garantie, dass die Reformen auch nach der für April angesetzten Parlamentswahl umgesetzt werden, gilt als Bedingung der Euro-Partner für ein zweites Rettungspaket.
Finanzminister Evangelos Venizelos erklärte, eine Einigung müsse bis Sonntagnacht stehen. Das ursprünglich für Montag geplante Sondertreffen der Euro-Finanzminister zur Rettung Griechenlands wurde nach Angaben von Venizelos auf Mittwoch verschoben.
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