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05.02.12

Deutsche Bank

Ackermann lässt seine Nachfolger links liegen

Ende Mai übergibt Ackermann an seine Nachfolger und will ihnen den Start erleichtern – sagt er. Zumindest im öffentlichen Auftritt gelingt ihm aber das nicht so recht.

picture-alliance / dpa/dpa

Seinen beruflichen Werdegang begann er bei der Schweizerischen Kreditanstalt, heute besser bekannt unter dem Namen Credit Suisse. Er durchlief dort mehrere Stationen unter anderem New York und London und wurde 1993 Vorsitzender des Geldhauses.

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Manchmal sind es Kleinigkeiten, die große Geschichten erzählen. Vier der zwölf Männer auf dem Podium der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank sind der deutschen Sprache nicht mächtig. Sie brauchen einen Kopfhörer. Drei davon sind schwarz. Nur einer leuchtet grellweiß. Es ist ausgerechnet jener des Inders Anshu Jain, bei dessen dunkler Haut sich der Farbton deutlich abzeichnet. Wenig später wissen alle, die sein Bild im Fernsehen oder auf Zeitungsfotos sehen: Dieser Mann ist auf einen Übersetzer angewiesen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Die Bilanzpressekonferenz ist der vorletzte Akt in Josef Ackermanns Abschied von der Deutschen Bank. Bei der Hauptversammlung im Mai wird der Institutschef nach zehn Jahren den Stab an seine Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain übergeben. Der Übergang soll harmonisch aussehen. Doch der erste Eindruck kann nicht lange täuschen.

Es gibt kein einziges gemeinsames Foto von Ackermann, Jain und Fitschen an diesem Donnerstag. Kein Wort des Lobes für die Nachfolger, im Gegenteil: Auf Seite sieben von Ackermanns Bilanzpräsentation steht zu lesen, dass Anshu Jains Investmentbanksparte ihr selbst gesetztes Ziel weit verfehlt hat.

Ob das nicht eine schallende Ohrfeige für seinen Nachfolger sei, will ein Journalist wissen. Daraufhin setzt Ackermann zu einer längeren Erklärung an, in der Sätze fallen wie: "Es ist wichtig, immer offen und ehrlich die Leistung von Mitarbeitern zu beurteilen." Erst im letzten Teil der Antwort nimmt er seinen Nachfolger doch noch ein wenig in Schutz: "Das hat mit Herrn Jain nichts zu tun." Die Schuldenkrise habe das Ergebnis verhagelt.

Auch Jürgen Fitschen bekommt alles andere als einen würdigen Auftritt. Er darf bei der Pressekonferenz kein einziges Wort sagen. Und das, obwohl er in Zukunft jenen Teil des Geschäfts repräsentieren soll, dessen wachsende Bedeutung Ackermann mehrfach hervorstreicht: das "klassische Banking". Darunter versteht die Deutsche Bank das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung.

Viel wird darüber gemunkelt, ob auch Jain in Zukunft seinen Co Fitschen links liegen lassen wird. Der Niedersachse könne dem selbstbewussten Investmentbanker doch kein Paroli bieten, ist immer wieder zu hören. Auch die Medien konzentrieren sich auf den Superstar Jain, seine Fotos zieren die Titelseiten. Jürgen Fitschen hingegen blieb bislang in der Rolle des stillen Mannes an Jains Seite. Während sich die Fotografen am Ende der Pressekonferenz auf Jain stürzen, kann Fitschen fast unbemerkt aus dem Saal gehen.

Unterschätzen sollte man ihn dennoch nicht. "Er sieht seine Rolle nicht als Steigbügelhalter. Die beiden begegnen sich auf Augenhöhe", sagt ein enger Vertrauter. Bisher zählten in der Branche eine gewisse Extrovertiertheit und die Aura der kühlen Berechnung zu den wesentlichen Attributen eines Alphatieres. Fitschen ist all das nicht. Er ist ruhig, besonnen, bodenständig. Für Anti-Banken-Stimmungsmacher gibt Fitschen eine denkbar schlechte Reibungsfläche ab. Seine zurückhaltende Bankiers-Attitüde kann sich für ihn zum großen Vorteil entwickeln, ist sie doch genau das, was Politik und Aufsicht nach der Finanzkrise von Vertretern der Branche erwarten.

Vor allem aber ist Fitschen uneitel. Und genau das senkt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Machtkampf zwischen dem künftigen Führungsduo kommt. Peinlich genau achten Jain und Fitschen auf die Inszenierung des Teams. Ob bei der Pressekonferenz am Donnerstag, ob beim vierten Wirtschaftsgipfel der "Welt"-Gruppe Anfang des Jahres in Berlin oder beim Weltwirtschaftsforum vergangene Woche in Davos: Stets betreten die beiden Seite an Seite den Raum. Jain hat es im angloamerikanischen Raum leichter, Fitschen dafür im kontinentaleuropäischen – so kann jeder seine Karte im Interesse der Bank ausspielen.

Auch ist von Jain kaum zu erwarten, dass er Fitschen unterbuttern wird: Er ist klug genug zu wissen, dass er ihn als Brücke nach Deutschland braucht. Intern haben sich die beiden ihre Zuständigkeiten bereits aufgeteilt, nur kommuniziert wird es noch nicht.

Eine Auseinandersetzung könnte es jedoch bald auf einer ganz anderen Ebene geben: Fitschen hat Jain zum Fünfkampf aufgefordert. Im Kricket und im Golf, da sei Jain besser, heißt es. Aber im Tischtennis, im Handball und im Fußball, da habe Fitschen die Nase vorn. Ob es tatsächlich zum sportlichen Duell kommt, ist noch ungewiss: Jain hat noch nicht eingeschlagen.

Einen sportlich fairen Punkt kann Ackermann vor seinem Abgang noch machen: Es gebe zwei Kategorien von Vorstandschefs, erklärt Ackermann am Donnerstag in Frankfurt: Die einen schönten ihre Abschlussbilanz, um mit "Jubelgesang" abzutreten. "Ich", sagt Ackermann, "gehöre zur zweiten Kategorie." Das sind jene Vorstände, die den Nachfolgern einen fairen Start ermöglichen und Altlasten aus der Bilanz kehren.

Auch unter diesem Aspekt muss man das Ergebnis sehen, das außer von der Schuldenkrise auch von millionenschweren Abschreibungen gedrückt wurde. Und so sind es statt der ursprünglich angepeilten zehn Milliarden nur 5,4 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Letztlich habe er den Nachfolgern ein Abschiedsgeschenk gemacht, so Ackermann: "Ich hätte nicht schlafen können, wenn ich gewusst hätte, dass in einem Jahr Korrekturen kommen."

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