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05.02.12

"Schaffermahl"

Der Elite-Club mit dem skurrilen Ritual um 14.28 Uhr

Es ist eines der ältesten Brudermahle der Welt: In Bremen treffen sich – seit 1545 – honorige Kaufleute und Kapitäne einmal im Jahr zum "Schaffermahl".

© ddp
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Der Frack ist vorgeschrieben, Frauen sind in aller Regel nicht dabei. Das Bremer "Schaffermahl" ist nicht gerade ein modernes Netzwerk . Aber immerhin ein Netzwerk. Keines aus der Zeit des schnellen Internets, sondern eines aus der Epoche der langsamen Segelschiffe der Hanse.

Und so sitzen diese Networker – 300 Männer – am Freitag nicht in einem Chatroom, sondern in einem echten Raum: im oberen Saal des Rathauses der Freien und Hansestadt Bremen. Fünf Stunden lang essen, trinken, reden. Mutmaßlich auch über Geschäfte oder das Elend mit dem Euro. Am Ende schmauchen sie Tonpfeife. Sehr, sehr old School. Aber sehr, sehr wichtig.

Denn wer eingeladen wird zu einem der ältesten Brudermahle der Welt, wer sogar als einer der drei neuen kaufmännischen "Schaffer" Mitglied dieser exklusiven Herrensitzung wird, der hat es geschafft in Bremen und Umgebung. Und der ist stolz darauf. In diesem Jahr sind es Klaus-Peter Schulenberg, Gründer und Chef des Ticketvermarkters CTS Eventim, Stephan-Andreas Kaulvers, der Chef der Bremer Landesbank, und Hylke Boerstra, Eigentümer der Bremer Tankreederei Büttner.

Hinzu kommen sechs Kapitäne als "seemännische Schaffer". Schließlich richtet die Stiftung Haus Seefahrt das Ganze aus, ein Unterstützungsverein für Seeleute, der früher treffender "Arme Seefahrt" hieß. Und weil sich die als kaufmännischen "Schaffer" bezeichneten neuen Mitglieder von Haus Seefahrt gut mit Geld auskennen dürften – wären sie sonst gewählt worden?, – müssen die drei die ganze Mahlzeit anschließend bezahlen. Spenden aller Teilnehmer bessern zudem die Kasse auf, mit der arbeitsunfähige oder kranke Seeleute unterstützt werden.

Was heute wie Buddenbrook-Festspiele oder Mittelalter-Lustschmaus erscheinen mag, gehört seit Ewigkeiten zu Bremen. Seit 1545 schon treffen sich am zweiten Freitag im Februar Kaufleute und Kapitäne aus der Hansestadt zu diesem "einfachen Mahl" mit sechs Gängen. "Ein Freundschaftsmahl zur Förderung der Gemeinschaft zwischen Kaufleuten und Seeleuten und zugleich ein Abschiedsmahl für die Schiffer, die nach der winterlichen Fahrpause wieder hinaus auf See fuhren", erklärt die Broschüre von Haus Seefahrt.

Auswärtige Gäste dürfen nur einmal im Leben teilnehmen

Während der ersten Globalisierung durch die Hanse waren immer öfter auch Kapitäne aus anderer Herren Länder bei diesem Ritual dabei, was den Wirtschaftsbeziehungen nur dienlich sein konnte. Dass vor zwei Jahren der damalige niedersächsische Ministerpräsident und heutige Bundespräsident Christian Wulff eingeladen und Ehrengast war, passt da gut ins Bild.

100 auswärtige Gäste – jeder darf nur einmal im Leben teilnehmen –, 100 kaufmännische und 100 seemännische Schaffer werden nach dem skurrilen Ritual um 14.28 Uhr – keine Minute früher oder später – unter den Klängen der Ouvertüre von Wagners "Tannhäuser" in den Saal gelassen. Sechs Gänge, zwölf Reden ohne Applaus, aber mit dem anschließenden Ruf "Hepp, hepp, hepp, hurra", Wein, alkoholfreies Seefahrtsbier aus Silberhumpen gegen den auf jeder Planke lauernden Skorbut und am Ende "Mokka" – das ist das Mahl.

Nach dem fünfstündigen Essen folgt gar noch der Seefahrtsball, an dem auch Frauen teilnehmen dürfen. Offiziell dürfen sie das zwar auch beim Schaffermahl, praktisch aber ist die Herrenrunde im Mittelalter stecken geblieben. Frauen werden schlicht nicht eingeladen. Außer einer Kapitänin war Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2007 die bisher einzige Frau beim Schaffermahl.

Daran änderten auch Proteste und die Vermittlung von Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) nichts. Frauen an Bord, glaubte man 1545 und glaubt man offenbar bis heute, bringen Unglück.

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