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05.02.12

Mormonen

Mitt Romney folgt der "Kirche der Manager"

Der Republikaner Mitt Romney will US-Präsident werden. Der Mann ist Mormone – und beruflich erfolgreich. Das sind viele andere Anhänger dieser Religion auch

dpa

Auffällig viele andere Mormonen haben wichtige Managerpositionen inne. Einer von ihnen ist der frühere Lufthansa-Manager Dieter Uchtdorf.

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Der Kandidat wagte den Schritt nach vorn. Die Wähler sollten ihn anhand seiner 14 Jahre im Kongress der USA beurteilen und nicht danach, welchem Glauben er anhänge, sagte er. Die strikte Trennung von Kirche und Staat stehe für ihn außer Frage. In der anstehenden Wahl gebe es zudem weitaus wichtigere Themen: "Ich glaube, dass die Ansichten eines Präsidenten über die Religion seine Privatsache sind." Kurz danach wurde John F. Kennedy ins Weiße Haus gewählt – als erster Katholik in der Geschichte der vorwiegend protestantisch geprägten Vereinigten Staaten.

Ein halbes Jahrhundert später hat ein anderer Präsidentschaftsbewerber ein ähnliches Problem. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Mitt Romney von den Republikanern zum Herausforderer von Amtsinhaber Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl im November gekürt werden wird. Romney ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und Ex-Gouverneur von Massachusetts, er hat gestriegelte Haare, seit 42 Jahren dieselbe Frau und fünf Kinder. Er wäre nahezu der perfekte Kandidat für das moderat konservative US-amerikanische Establishment. Wenn da nicht seine Religion wäre. Mitt Romney ist Mormone.

An sich beißen sich Amerikaner eher die Zunge ab, als sich auf eine Diskussion über ihren persönlichen Glauben einzulassen. Dennoch kommen sie unweigerlich auf das Mormonentum zu sprechen, wenn sie Mitt Romneys Chancen auf das Präsidentenamt abwägen.

Denn diese vergleichsweise junge Glaubensrichtung – die sich als christlich versteht, von anderen christlichen Kirchen aber nicht als solche anerkannt wird – hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Das bekannteste ist, dass die Mormonen der Vielweiberei frönen. Was nicht stimmt: Auch in Utah, wo die Kirche ihren Hauptsitz hat, ist Polygamie seit mehr als hundert Jahren verboten, nur Abtrünnige hängen ihr noch an.

Viele Mormonen sind beruflich schwer erfolgreich

Was noch weniger bekannt ist: Viele Mormonen sind beruflich erfolgreich. Im US-Kongress sind sie regelmäßig überrepräsentiert, aktuell gehören der "Church of Jesus Christ of Latter-day Saints", wie die Mormonen-Kirche sich offiziell nennt, der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, und vier weitere Senatoren an.

In der Geschäftswelt gibt es ebenfalls eine ganze Reihe Männer, die sich offen zum Mormonentum bekennen und zugleich namhafte Unternehmer oder Manager sind. Auch Mitt Romney gehört dazu, er hat den Finanzinvestor Bain Capital mit gegründet und ist durch dieses Engagement schwerreich geworden.

Den einen Grund, warum viele Mormonen Karriere machen, gibt es Experten zufolge nicht. Ein Aspekt könnte sein, dass ein Großteil von ihnen in jungen Jahren als Missionar in die Welt hinaus geschickt wird. Kim Clark zum Beispiel, ein früherer Dekan der Harvard Business School, und Gary Crittenden, ein Ex-Finanzvorstand von Citigroup, wurden einst in Deutschland eingesetzt.

Folge ist nicht nur, dass viele Mormonen zumindest eine Fremdsprache hervorragend beherrschen – was in den USA durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Wer anderthalb bis zwei Jahre lang Menschen von einer Kirche überzeugen muss, die viele für eine dubiose Sekte halten und nur mit Vielweiberei in Verbindung bringen, hat zudem gute Chancen, hinterher ein hervorragender Verkäufer zu sein.

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