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03.02.12

Wirtschaftsweise

Weder di Mauro – Eine Ausnahmeerscheinung geht

Die bekannte Volkswirtin di Mauro wechselt in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS. Die Spekulationen über ihre möglichen Nachfolger laufen heiß.

© picture alliance / ZB/dpa-Zentralbild
Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro

Die Volkswirtin Beatrice Weder di Mauro verlässt den Sachverständigenrat für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung , den so genannten Rat der Wirtschaftsweisen. Die Professorin will in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS einziehen. Um Interessenskonflikt zu vermeiden, stehe sie deshalb für die in wenigen Wochen anstehende erneute Berufung in den Rat nicht zur Verfügung, ließ sie die Bundesregierung wissen.

Die UBS hatte zuvor angekündigt, dass Weder di Mauro auf der Generalversammlung der Bank im Mai in den Verwaltungsrat gewählt werden soll. Dorthin folgt sie dem früheren Bundesbank-Präsident Axel Weber, der ebenfalls im Mai an die Spitze des Gremiums wechselt. Beide teilen berufliche Erfahrungen: Weder di Mauro war die Nachfolgerin von Axel Weber, als er 2004 an die Spitze der Zentralbank wechselte und deshalb die Wirtschaftsweisen verlies. Di Mauro hat einen Lehrstuhl an der Universität Mainz und sitzt bereits in den Kontrollgremien des Stahlproduzenten ThyssenKrupp und des Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche.

Die Ökonomin, die einen Schweizer und eine italienischen Pass besitzt, war bei den Wirtschaftsweisen eine Ausnahmeerscheinung: Sie war die erste Frau und erste Ausländerin in dem Gremium, dass die Bundesregierung berät. Anders als andere prominente Ökonomen drängte die Volkswirtin nicht in die Öffentlichkeit, prägte allerdings die Arbeit des Gremiums.

Wolfgang Franz, der Vorsitzende des Sachverständigenrats, bedauerte im Gespräch mit "Morgenpost Online" den Fortgang von Weder di Mauro. "Wir bedauern das außerordentlich", fügte er hinzu. Weder di Mauro sei ein außergewöhnlich kompetentes und liebenswürdiges Mitglied des Sachverständigenrats. Ihr Weggang sei ein "Schlag ins Kontor". Jedoch könne er ihre Entscheidung "voll nachvollziehen".

So ein Angebot bekomme man nicht alle Tage. Auch richtig sei, dass man nicht gleichzeitig beide Funktionen ausüben könne; er Sachverständigenrat beschäftige sich ja auch mit Finanzmarkt- und Bankenregulierung, so Franz. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nannte die Ökonomin eine der tragenden Säulen des Rates.

Claudia Buch gilt als heiße Kandidatin für die Nachfolge

Einen Nachfolge-Kandidaten gebe es noch nicht, sagte Franz. Der Rat müsse zunächst darüber nachdenken, ob die Themengebiete intern neu verteilt würden. Gerne würde er wieder eine Frau für den Posten gewinnen, sagte Franz. "In erster Linie ist aber die Kompetenz ausschlaggebend". Die endgültige Entscheidung liege ohnehin bei der Bundesregierung.

Sollte Berlin ebenfalls eine Frau favorisieren, gilt Claudia Buch als heiße Kandidatin. Die Professorin aus Tübingen ist Expertin für Finanzmärkte, Geld- und Währungspolitik. Sie leitet den wissenschaftlichen Beirat im Bundeswirtschaftsministerium und sitzt im European Systemic Risk Board, das die Stabilität der europäischen Finanzmärkte überwacht. Vor allem aber soll die Volkswirtin das Vertrauen von Bundeskanzlerin Angela Merkel genießen, von der es heißt, dass sie eine Frau im Sachverständigenrat bevorzugt.

Es werden aber auch männliche Vertretern des Fachs gehandelt; als ein Favorit gilt beispielsweise Kai Konrad, der den wissenschaftlichen Beirat beim Bundesfinanzministeirum leitet. Er beschäftigt sich vor allem mit Staatsfinanzen. Im Februar 2013 geht auch Wolfgang Franz, der Vorsitzende des Sachverständigenrates in den Ruhestand; dann muss auch seine Stelle neu besetzt werden. Der Finanzwissenschaftler Clemens Fuest wird Franz Posten als Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim übernehmen – und gilt auch als Kandidat für den Sachverständigenrat.

Quelle: Mitarbeit: Andrea Rexer
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