Deutsche Börse und NYSE
Drei Mal gescheitert - EU verbietet Börsenfusion
Die EU-Kommission hat die Fusion der Deutschen Börse und der New York Stock Exchange (NYSE) untersagt. Begründung: Im Markt der Termingeschäfte hätte das Gemeinschaftsunternehmen ein Monopol - Konkurrenten wäre ohne Chance. Für Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ist es der dritte verpatzte Fusionsversuch.
Die milliardenschwere Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse ist geplatzt. Die EU-Kommission untersagte am Mittwoch den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber. Trotz Zugeständnissen der Unternehmen sei die EU zu der Einschätzung gelangt, "der Zusammenschluss behindere in erheblichen Maß effektiven Wettbewerb und hat den Zusammenschluss als mit dem gemeinsamen Markt für nicht vereinbar erklärt", teilte die Deutsche Börse mit.
Die Ablehnung war erwartet worden, nachdem EU-Kommissare zuletzt Bedenken gegen eine Fusion geäußert hatten. Ihnen ist die dominante Stellung der beiden Unternehmen im Derivate-Geschäft an europäischen Börsen ein Dorn im Auge.
Das Scheitern der Super-Börse
Deutsche Börse und Nyse Euronext hatten die Megafusion vor knapp einem Jahr angekündigt und bis zuletzt für die weltgrößte Super-Börse geworben. Sie wollten einen neuen "Champion" schaffen, der es mit Konkurrenten aus Amerika und Asien aufnehmen kann. Mitarbeiter und Politiker fürchteten dagegen, dass es zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommen könnte. Auch die hessische Landesregierung hatte signalisiert, als Börsenaufsicht der Vereinigung nicht zustimmen zu wollen.
Für Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ist es bereits die dritte gescheiterte Fusion in den letzten fünf Jahren. Sein Konzern muss sich nun auf absehbare Zeit alleine im weltweiten Wettbewerb behaupten. Andere große Transaktionen und eine grundlegende Konsolidierung der Börsenlandschaft, wie sie von vielen Branchenvertretern Anfang 2011 ausgerufen wurde, wird es nach Ansicht von Experten nun vorerst nicht geben.
Frankfurt plus New York = 90 Prozent Marktanteil
Die geplante Fusion hätte nach Ansicht der EU-Kommission ein Monopol geschaffen und der europäischen Wirtschaft geschadet. Man habe die Fusion verboten, weil sie "auf dem Markt für europäische Finanzderivate weltweit zu einer monopolartigen Stellung geführt hätte", teilte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel mit. Derivate sind Termingeschäfte: Mit Derivaten können zum Beispiel Aktiengeschäfte abgesichert werden, indem für den zukkünftigen Kauf oder Verkauf ein Preis fixiert wird.
Im Derivate-Markt kommen die Börsen mit ihren Töchtern Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (NYSE Euronext) auf mehr als 90 Prozent Marktanteil. "Sie konkurrieren auf Augenhöhe", schrieb die EU-Kommission. Der geplante Zusammenschluss hätte diesen globalen Wettbewerb ausgeschaltet.
Nach Einschätzung der EU-Kommission hätten neue Konkurrenten danach kaum noch Chancen gehabt, sich auf dem Markt zu behaupten – das hätte die Preise künstlich hoch gehalten und den Anreiz für Innovationen wegfallen lassen, lautete die Begründung der Kartellwächter.
EU lehnt Angebot ab
Das Angebot der Börsen, das gesamte Aktienderivate-Geschäft der Liffe zu verkaufen und Konkurrenten Zugang zu ihrem Geschäft zu gewähren, genügte den Kartellwächtern nicht. "Die angebotenen Abhilfemaßnahmen haben bei weitem nicht ausgereicht, um die Bedenken auszuräumen", so Almunia.
Deutsche-Börse-Chef Francioni jedenfalls hält die Deutsche Börse auch ohne Fusion mit der New Yorker Börse Nyse für stark genug. "Die Deutsche Börse ist gut gerüstet und hat genügend Kraft, um auch ohne die Fusion weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein." Francioni stellte für das laufende Jahr eine "Fortsetzung des Wachstumstrends der letzten drei Jahre" in Aussicht. 2011 sei das Ergebnis auch ohne Berücksichtigung von Sondereffekten deutlich gestiegen – obwohl die Deutsche Börse 80 Millionen Euro für die gescheiterte Fusion ausgegeben habe. "Damit hat sich die positive Geschäftsentwicklung der ersten neun Monate auch im Schlussquartal fortgesetzt." Konkrete Zahlen sollen am 13. Februar veröffentlicht werden.
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