Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
30.01.12

Drogeriekette

Hoffnung für Schlecker, weil der Buhmann fehlt

Erst Firmenpleite, dann Privatinsolvenz – das Unternehmen Schlecker ist am Ende. Weil aber der Buhmann nichts mehr zu sagen hat, könnte es weitergehen.

© dapd/DAPD
Anton Schlecker

Man möchte es nicht glauben in diesen Zeiten der Rücksichtslosigkeit in vielen Chefetagen – und schon gar nicht diesem Mann: Anton Schlecker hat durch die Wahl der Rechtsform seines Unternehmens sehenden Auges riskiert, sein persönliches Vermögen zu verlieren.

Weil es seinem Verständnis von Unternehmertum entsprochen habe, dass er persönlich dieses Risiko auf sich nehmen müsse. Und tatsächlich hat er mit der Insolvenz alles verloren. So schildert es jedenfalls seine Tochter Meike .

Anton Schlecker, der Selbstlose? Auch wenn es kaum zu glauben ist: So lange nicht irgendwo größere Schlecker-Reichtümer auftauchen, muss man diese Version akzeptieren. Ohnehin ist es kaum vorstellbar, dass der Firmengründer sein Lebenswerk wegen fehlender 22 Millionen Euro riskierte – einer vergleichsweise bescheidenen Summe angesichts eines Inlandsumsatzes von rund vier Mrd. Euro.

Hätte er das Geld gehabt, hätte er vermutlich gezahlt und sich so die größte Demütigung seines Unternehmerlebens erspart. Es spricht auch wenig dafür, dass er von langer Hand eine Planinsolvenz vorbereitet hat, um sich bequem und auf Kosten von Geschäftspartnern und Allgemeinheit schlecht laufende Läden und längst überfällige Rechnungen vom Leib zu schaffen.

Dafür kam die Insolvenz auch für Eingeweihte viel zu plötzlich. Um alle diese Fragen gibt es viel Aufklärungsbedarf. Wichtiger ist jedoch der Blick nach vorn: Wird es das, was der vorläufige Insolvenzverwalter "Schlecker 2.0" nennt, jemals geben? Es gibt für die Firma zumindest Hoffnung für ein Leben nach der Insolvenz.

Allen voran zeigen die Reaktionen der Lieferanten, dass es weitergehen könnte. Denn sie liefern wieder. Und das würden sie nicht tun, wenn die Sache aussichtslos wäre. Sie sind daran interessiert, dass ein erneuerter Schlecker ihr Kunde und ein Wettbewerber von dm, Rossmann und Müller bleibt.

Dort, wo Schlecker seine kleinen, schmuddeligen Läden schon renoviert hat, laufen die Geschäfte ja offenbar auch besser. Mögliche Investoren, die Geld für die Fortsetzung des Programms mitbringen, scheint es bereits zu geben. Ein Einstieg könnte sogar ganz nebenbei den begonnenen Kulturwandel in der Firma beschleunigen.

Das riesige Filialnetz allerdings ist Fluch und Segen gleichermaßen. Alle 6000 Läden werden kaum am Leben gehalten werden können und damit auch nicht alle Arbeitsplätze.

Dass der Insolvenzverwalter ebenso wie die Familie Schlecker versichern, so wenig wie möglich schneiden zu wollen und die Mitarbeitervertreter in die Schrumpfungsstrategie mit einzubeziehen, ist ein gutes Signal. Ver.di sollte kooperieren und sich mit Horrorszenarien zurückhalten. Denn der Buhmann Anton Schlecker hat nichts mehr zu sagen bei Schlecker.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote