Aufgestockter Rettungsfonds
IWF-Chefin Lagarde erhöht Druck auf Deutschland
Die IWF-Chefin fürchtet einen Domino-Effekt durch die Euro-Krise. Lagarde fordert Deutschland erneut auf, einem aufgestockten Rettungsfonds zuzustimmen.
Party-Highlight in Davos ist die alljährlich stattfindende Burda-Party. Gastgeber Hubert Burda (M.) zeigt sich zusammen mit dem deutschen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (l.) und Post-Chef Frank Appel.
IWF-Chefin Christine Lagarde hält den Druck auf Deutschland hoch. Die Euro-Zone müsse dringend eine ausreichend große Brandmauer gegen Finanzmarkt-Attacken errichten, "die Ansteckungen verhindern und Vertrauen bilden kann", sagte Lagarde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie verlangte von den Euro-Ländern größere Anstrengungen bei der Krisenbekämpfung sowie mehr Geld für den IWF.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt die Forderung des IWF nach einer Vergrößerung des künftigen Euro-Rettungsfonds ESM bislang ab. Der ESM soll nach den jetzigen Plänen 500 Milliarden Euro beinhalten.
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds forderte außerdem stärkere Anstrengungen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltskonsolidierung in Europa. "Es hat sich sehr viel Druck aufgestaut. Der richtige Zeitpunkt für eine Lösung ist jetzt gekommen", sagte Lagarde.
Sie warnte vor globalen Risiken, die sich aus den Spannungen in der Euro-Zone ergeben könnten: "Es ist keine europäische Krise, sondern eine Krise, die Domino-Effekte in der ganzen Welt verursachen kann." In dieser Krise sei niemand immun. Auf den bevorstehenden Euro-Krisengipfel in Brüssel angesprochen sagte die IWF-Chefin, die Vorzeichen für eine Lösung seien gut.
Auf die Frage, weshalb Staaten außerhalb der Eurozone jetzt Unterstützung über den IWF leisten sollten, sagte Lagarde: "Wenn die Brandmauer groß genug ist, wird sie nicht verwendet werden. Wenn sie doch verwendet würde, wären die Einzahlungen eine sehr sichere Investition. Der IWF ist ein sehr sicherer Schuldner."
Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach von einem gravierenden Vertrauensverlust gerade in den Schwellenländern. Viele hätten mit Unverständnis und sogar mit Verachtung auf die Verwirrung in der Euro-Zone nach der griechischen Referendums-Ankündigung reagiert. "Die Schwellenländer warten sicher nicht, bis sich die industrialisierte Welt organisiert hat", sagte Zoellick. Sie nähmen die Dinge selbst in die Hand: "Es ist eine offene Frage, wer hier beispielgebend vorangeht."
US-Ökonom Roubini warnt vor harten Zeiten
Unterdessen warnte der prominente US-Ökonom Nouriel Roubini vor einem Anhalten der aktuellen Krise bis zum Ende des Jahrzehnts. Wenn Europa sich nicht selbst radikal reformiere und die USA nicht effektiv gegen ihren Schuldenberg angingen, stünden der globalen Wirtschaft auch weiter harte Zeiten bevor, sagte der Wissenschaftler. Ohne wesentliche Veränderungen in der Politik könnten die Dinge sogar noch deutlich schlimmer werden.
Die US-Wirtschaft werde dieses Jahr voraussichtlich nur um 1,7 bis 1,8 Prozent zunehmen, sagte Roubini. Er warf der Regierung in Washington vor, Probleme vor sich herzuschieben und nicht die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
Der Ökonom sprach sich für eine Reduzierung der weltweiten Ungleichheit aus. Statt in den Finanzsektor und Immobilien zu investieren, müssten sich Regierungen auf das "menschliche Kapital" konzentrieren, "unsere Struktur, unsere Technologie, unsere Innovation", forderte Roubini. Der an der Universität von New York lehrende Ökonom erlangte internationale Bekanntheit durch seine Vorhersage der Finanzkrise 2008.
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