Führungswechsel
Deutscher Top-Manager Enders wird EADS-Chef
Ein Deutscher an der Spitze und ein Franzose als oberster Kontrolleur: Das neue Führungsteam des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS steht. Überraschender Neuzugang ist der frühere EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
Der deutsche Spitzenmanager Thomas Enders (53) leitet künftig Europas größten Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Der derzeitige Chef der größten EADS-Tochter Airbus werde Ende Frühjahr die Nachfolge des Franzosen Louis Gallois antreten, teilte der Konzern am Donnerstag nach einer Verwaltungsratssitzung mit.
Gallois, der am gleichen Tag seinen 68. Geburtstag feierte, führt das Unternehmen seit 2007 und scheidet zum 31. Mai nach fünf Jahren wie geplant aus. Er bezeichnete Enders am Donnerstag als erfolgreichen Manager mit herausragenden Führungsqualitäten, Charisma und breiter Erfahrung.
Neuer Chef des Flugzeugherstellers Airbus und damit Nachfolger von Enders wird der Franzose Fabrice Brégier. Der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère beerbt im Zuge des turnusmäßigen Führungswechsels Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber als Vorsitzenden des EADS-Verwaltungsrats. Nach Angaben aus Branchenkreisen sollte das neue Führungsteam eigentlich bereits Anfang Dezember vorgestellt werden. Die französische Regierung verlangte demnach jedoch Zusatzinformation zu den ursprünglichen Plänen und sorgte damit für Verzögerungen.
Prominentes Neumitglied im obersten Kontroll- und Entscheidungsgremium wird Jean-Claude Trichet. Der 69-jährige französische Finanzexperte war bis vor kurzem Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Er wird künftig neben Wirtschaftsgrößen wie Lakshmi Mittal sitzen. Der britisch-indische Unternehmer ist Chef des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal und gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Deutschland wird neben Enders von Hermann Josef Lamberti (55/Deutsche Bank) sowie den Daimler-Managern Bodo Uebber (52) und Wilfried Porth (52) vertreten. Sie alle sind bereits heute Verwaltungsratsmitglieder.
Umstrittene Nominierung
Als nicht unumstritten gilt die Nominierung von Lagardère zum Verwaltungsratschef. Der 50-Jährige war im vergangenen Jahr nach der Veröffentlichung eines Internetvideos für ein Boulevard-Magazin in die Kritik geraten. Es zeigt Lagardère turtelnd bei einem Foto-Shooting mit seiner rund 30 Jahre jüngeren Model-Freundin, was in der Wirtschaftsszene ungläubiges Kopfschütteln auslöste. Kritiker warfen ihm mangelndes Interesse am Erbe seines Vaters Vater Jean-Luc vor. Er hatte EADS maßgeblich mit aufgebaut.
Der EADS-Verwaltungsratsvorsitzende Bodo Uebber nahm seinen designierten Nachfolger am Donnerstag in den Schutz. "Ich weiß, dass mein Nachfolger Arnaud Lagardère sowie wir alle das starke Interesse und die Ambitionen für EADS teilen", kommentierte er nach der Verwaltungsratssitzung. "Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats sowie die Nominierungen für das Management-Team, insbesondere dessen multinationaler Charakter, machen mich zufrieden und stolz." Sie seien ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung von EADS.
Ein mühsam ausgehandelter Kompromiss
Die derzeitige Machtverteilung bei EADS ist Ergebnis eines mühsam ausgehandelten Kompromisses zwischen Berlin und Paris aus dem Jahr 2007. Bis dahin hatte das multinationale Unternehmen eine zweiköpfige Managementstruktur mit zwei Chairmen und zwei Co-Chief Executive Officers. Beherrscht wird EADS maßgeblich vom deutschen Daimler-Konzern sowie dem französischen Staat und dem französischen Medienkonzern Lagardère.
Der 2000 aus der Fusion deutscher und französischer Luft- und Raumfahrtunternehmen entstandene Konzern wies für 2010 einen Umsatz von 45,8 Milliarden Euro aus und beschäftigt weltweit mehr als 128.000 Mitarbeiter. Neben Airbus gehören das Raumfahrt-Unternehmen Astrium, der weltweit größte Hubschrauberhersteller Eurocopter und sowie der Militärunternehmen Cassidian zu EADS.
Neben dem Wechsel an der Spitze von EADS und Airbus steht in diesem Jahr auch Daimlers weiterer Rückzug aus dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern an. Die Stuttgarter wollen sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden.
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