Rekordgewinn
Apple – Das iPhone-Monster
Apple hat eine schier unglaubliche Quartalsbilanz hingelegt: 13,1 Milliarden Dollar Gewinn - in drei Monaten, viel mehr als Google, Microsoft, Amazon oder Ebay machen, vergleichbar nur mit den riesigen Profiten der Ölkonzerne. Und das liegt am iPhone.
37 Millionen verkaufte iPhones. Mehr als 15 Millionen iPads. Gut 5 Millionen Mac-Computer. Und das sind die Verkäufe innerhalb von nur einem Quartal. Der Gewinn von 13,1 Milliarden Dollar ist einer der höchsten, den ein Unternehmen je innerhalb von drei Monaten erzielt hat; in dieser Quartalsgewinn- Rekordliste stehen sonst nur Ölkonzerne. Die wirtschaftliche Situation bei Apple: monströs, im positiven Sinne. Zumal Apple bei der vorigen Bilanz im Oktober enttäuschte und erstmals seit zehn Jahren die Gewinnprognose verfehlt hatte.
"Wir könnten nicht zufriedener sein", sagt Tim Cook, der das Erbe von Steve Jobs als Apple-Chef angetreten hat. Im Oktober war der legendäre Firmengründer nach einem langen Krebsleiden gestorben. Viele Fans und Investoren hatten sich gefragt: Funktioniert Apple auch ohne Jobs? Cook hat bewiesen: Es funktioniert. Die Analysten begeisterten sich an den "Monster-Zahlen", die Apple vorgelegt hat.
Apple weit vor Google und Microsoft
Zum Vergleich: Apple machte im vierten Quartal 46,33 Milliarden Dollar Umsatz und 13,1 Milliarden Dollar Gewinn. Bei Microsoft waren es 20,9 Milliarden Dollar Umsatz und 6,6 Milliarden Dollar Gewinn. Google kam im vierten Quartal 2011 auf 10,58 Milliarden Dollar Umsatz und 2,71 Milliarden Dollar Gewinn.
Mit dem Rekordergebnis stieg der Kurs die Apple-Aktie im Handelsverlauf um bis zu acht Prozent. Der Apple-Börsenwert liegt nun bei knapp 390 Milliarden Dollar – mehr als Google (188 Milliarden) und Microsoft (246 Milliarden) zusammen wert sind.
Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als würde Cooks erste Amtshandlung als Nachfolger Nachfolger von Steve Jobs eine Enttäuschung: Statt des iPhones 5 wurde das iPhone 4S vorgestellt, das sich zumindest äußerlich nicht von seinem Vorgänger iPhone 4 unterschied. Eine Fehleinschätzung – auch bei Apple. Das iPhone 4S verkauft sich bestens. Cook gab nach Vorlage der Zahlen zu, die Nachfrage nach dem iPhone 4S unterschätzt zu haben. Apple hätte auch mehr verkaufen können, "aber wir haben nicht hoch genug getippt".
Das iPhone als Einstigesdroge
Das mobile Betriebssystem iOS, mit dem iPhone, iPad und die iPod-touch-Player laufen ist jetzt eine Großmacht: 315 Millionen Geräte seien bisher davon verkauft worden, davon rund ein Fünftel allein im vergangenen Quartal. Googles Konkurrenz-Betriebssystem ist auf rund 250 Millionen Geräten weltweit installiert. Und mit 37 Millionen iPhones in einem Quartal verkaufte Apple mehr Smartphones als Erzkonkurrent Samsung. Die Südkoreaner setzten ersten eigenen Schätzungen zufolge von Oktober bis Dezember rund 35 Millionen Smartphones ab. Damit kann sich Apple wieder Marktführer bei den Smartphone-Anbietern nennen.
Die Mac-Computer stehen, was die Verkaufszahlen betrifft, nur an dritter Stelle, sind allerdings auch teurer als iPhones und iPads – und werden, das ist die Theorie von Tim Cook, von denen gekauft werden, die sich nun erst einmal ein iPhone oder ein iPad zugelegt haben. "Ein Produkt zieht das andere nach", sagt der Apple-CEO. Die "Einstiegsdroge" für die Apple-Welt ist demnach das iPhone. Wer auf den Geschmack kommt, landet anschließend beim iPad. "Und dann kommt der Mac."
Das funktioniert inzwischen auch in der Unternehmenswelt: Cook zählte in der Telefonkonferenz reihenweise große Konzerne auf, die bei Apple angekommen sind oder zumindest Apple-Produkte in ihren Netzwerken dulden. Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Gartner ist Apple mittlerweile der drittgrößte Computerhersteller in den Vereinigten Staaten. Weltweit allerdings schafft es Apple bislang nicht unter die ersten fünf der großen Computerhersteller - das sind bislang HP, Lenovo, Dell, Acer und Asus.
Das iPad soll das wachstum treiben
Als den großen Wachstumstreiber der Zukunft sieht der Apple-CEO das iPad. "Es wird der Tag kommen, an dem mehr Tablet-Computer als PC verkauft werden", sagt Cook. Im vergangenen Quartal hätten sich Tablet-Computer in den USA bereits besser verkauft als Desktop-PCs.
Ein Schlüsselelement für die Zukunft ist auch der Onlinedienst iCloud, mit dem sich Daten der Apple-Kunden zwischen verschiedenen Geräten bewegen und online gespeichert werden, in der "Wolke". iCloud habe nach dem Start im Herbst inzwischen 85 Millionen Kunden, sagte Cook. "Es ist kein Produkt, es ist die Strategie für das nächste Jahrzehnt."
Branchenkenner erwarten, dass Apple beizeiten auch einen eigenen Fernseher herausbringen werde: Einfach zu bedienen per Sprache, direkt verbunden mit dem Internet, vernetzt mit iPhone, iPad, Mac. Cook hielt aber dicht: "Ich werde zukünftige Produkte nicht weiter kommentieren – das ist vermutlich ein Schock für Sie."
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