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18.01.12

Konjunkturprognose der Bundesregierung

Wirtschaftsdelle - und Einkommen wie im Boom

Die Regierung revidiert ihre Konjunkturprogrnose: Die deutsche Wirtschaft wächst demnach 2012 nur noch um 0,7 Prozent. Und das ist im Vergleich zu den Erwartungen von Wirtschaftsexperten noch optimistisch. Die Bürger aber sollen den Abschwung gar nicht zu spüren bekommen, so die Regierung.

© dpa/DPA
Kabinett
Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Die BUndesregierung hat ihre Konjunkturprognose gesenkt

Die deutsche Wirtschaft wird nach zwei Boomjahren nach Einschätzung der Bundesregierung 2012 nur leicht zulegen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rechnet mit einem Konjunkturplus von 0,7 Prozent. Deutschland sei wirtschaftlich nach wie vor in einer "erfreulich robusten Verfassung", sagte Rösler. Nach einer "Wachstumsdelle" im Winter werde die Wirtschaft im Laufe des Jahres daher wieder zu einem höheren Wachstum zurückfinden.

Unterstellt wird in dem in Berlin vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht aber, dass die Euro-Länder bei der Lösung der Staatsschuldenkrise vorankommen. Zuletzt hatte die Bundesregierung für 2012 noch ein Wachstumsplus von einem Prozent erwartet. Die Regierung bleibt mit der jetzt erfolgten leichten Korrektur nach unten dennoch etwas optimistischer als viele Ökonomen. Diese haben im Schnitt ein Plus von nur noch 0,5 Prozent für das laufende Jahr vorausgesagt.

Nach zwei Boomjahren in Folge droht der deutschen Wirtschaft also ein Abschwung. Doch die Flaute werden die meisten Deutschen nach Einschätzung der Bundesregierung aber kaum spüren. Denn die Einkommen sollen trotz der Konjunkturflaute kräftig steigen. Erwartet wird ein Plus von drei Prozent. Das wäre fast so viel wie im Boomjahr 2011 mit 3,3 Prozent. "Dies ist seit dem Wiedervereinigungsboom der größte Anstieg der verfügbaren Einkommen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren", heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. "Das stärkt die Kaufkraft." Die Nettoverdienste steigen demzufolge um 2,5 Prozent, die Selbständigen- und Vermögenseinkommen noch schneller.

Mit dem Wirtschaftswachstum dürfte auch der Preisdruck nachlassen. Erwartet wird eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,8 Prozent – nach 2,3 Prozent im abgelaufenen Jahr. Nach Definition der Europäischen Zentralbank herrschen damit stabile Preise: Diese sieht sie bei Werten knapp unter zwei Prozent gewährleistet. "Das sich abschwächende weltwirtschaftliche Wachstum wirkt den Inflationsgefahren entgegen", ist sich die Regierung sicher.

Trotz der erwarteten Konjunkturabkühlung rechnet die schwarz-gelbe Koalition mit einem Beschäftigungsrekord. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um 220.000 auf 41,3 Millionen Personen steigen. Die Arbeitslosenquote werde von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken. Diese sei der niedrigste Wert seit 20 Jahren. "Es wird damit in diesem Jahr ein erneuter Beschäftigungsrekord erwartet", schreibt die Bundesregierung. "Neue Arbeitsplätze sind fast ausschließlich sozialversicherungspflichtig."

Die Deutschen dürften in Kauflaune bleiben. Stiegen die privaten Konsumausgaben 2011 mit 1,5 Prozent so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr, so sollen sie in diesem Jahr mit 1,2 Prozent ebenfalls kräftig zulegen. "Die Voraussetzungen hierfür sind nach wie vor ausgezeichnet: Der Arbeitsmarkt ist robust, die Einkommen steigen und das Preisklima ist günstig." Hinzu kommen leichte Entlastungen durch den niedrigeren Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung: Er sank zu Jahresbeginn von 19,9 auf 19,6 Prozent.

Quelle: AFP/dpa/Reuters/dino
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