Finanzkrise
Metro legt Verkauf von Kaufhof auf Eis
Der größte deutsche Einzelhandelskonzern Metro hat die Verkaufsgespräche für Kaufhof gestoppt. Zuletzt hatten der Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen und die österreichische Immobiliengruppe Signa geboten.
Der milliardenschwere Verkauf der Warenhauskette Kaufhof ist vorerst geplatzt. Der Kaufhof-Eigentümer Metro hat seine langwierigen Gespräche mit Investoren "bis auf Weiteres" eingestellt. Hintergrund sei die schwierige Lage an den Finanzmärkten, teilte die Metro AG am Dienstag überraschend mit. "Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", erklärte der neue Metro-Vorstandschef Olaf Koch.
Damit bleibt die Konkurrenzsituation durch zwei Warenhausketten in Deutschland erhalten. Für die Metro-Tochter Kaufhof hatte der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen zusammen mit dem Finanzinvestor Blackstone geboten. Auch das österreichische Immobilienunternehmen Signa mit seinem Chef René Benko hatte gute Chancen. Zudem hatte 2011 ein Konsortium um Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban Interesse.
In der Branche wurde der Unternehmenswert von Kaufhof 2011 auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert. Besonders werthaltig sind dabei die Immobilien in den deutschen Innenstädten. Kaufhof erzielte 2010 einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und einen um Sonderfaktoren bereinigten operativen Gewinn von 138 Millionen Euro.
Die Metro veröffentlicht nicht, was ihre Töchter unter dem Strich verdienen. Neben mehr als 100 Warenhäusern und 16 Sporthäusern in Deutschland betreibt Kaufhof 15 Filialen in Belgien unter der Marke "Inno". Für das Unternehmen arbeiten rund 20.000 Menschen. In Berlin ist das Unternehmen mit fünf Filialen in den östlichen Stadtteilen vertreten: Am Alexanderplatz und am Ostbahnhof, sowie in den Gropius Passagen, im Linden- und dem Ring-Center.
Auf den Abbruch der Verkaufsgespräche reagierte die Metro-Aktie mit Kursverlusten. Dass jetzt die Verkaufsverhandlungen ausgesetzt wurden, lege den Verdacht nahe, dass das Metro-Management nicht den erwünschten Preis habe erzielen können, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer kommentierte: "Das ist sehr schlecht, denn einige Investoren hatten auf die Ausschüttung einer Sonderdividende nach dem Verkauf spekuliert."
Metro gab zugleich vorläufige Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr bekannt. Nach einem schwach verlaufenen Weihnachtsgeschäft sanken die Erlöse 2011 im Konzern um 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro. "Das vergangenen Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt", berichtete Koch in einer Mitteilung. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas hätten die Kauflust der Verbraucher gebremst. Dies konnte die Metro am Ende des Jahres nicht mehr wett machen.
"Trotz eines guten Endspurts war das Weihnachtsgeschäft insgesamt enttäuschend", sagte Koch. Im vierten Quartal sank der Umsatz um 1,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Die drei letzten Monate des Jahres sind normalerweise die umsatz- und ertragsstärksten für den Handel.
Metro geht davon aus, dass auch das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) 2011 unter dem des Vorjahres bleiben wird. Die endgültigen Zahlen des Düsseldorfer Konzerns werden am 20. März veröffentlicht.
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