Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
15.01.12

Konsum

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Der private Konsum ist die Stütze der Konjunktur. Doch die Bundesbürger investieren nicht wahllos. Sie stecken ihr Geld in Sachwerte. Doch welche Produkte kaufen die Deutschen da eigentlich die ganze Zeit?

© pa/dpa (3), DaimlerAG/Deutsche Gütegemeinschaft Möbel, Robert Schlesinger, Wolfram Steinberg
Wegen der Euro-Krise kaufen die Deutschen sogenannte "langlebige Güter" wie Möbel, Elektrogeräte und Autos oder investieren in Immobilien
Wegen der Euro-Krise kaufen die Deutschen sogenannte "langlebige Güter" wie Möbel, Elektrogeräte und Autos oder investieren in Immobilien

Elmar Duffner hat derzeit richtig Spaß an seinem Beruf. "Die Situation ist so, wie man sie sich sonst nur wünschen kann", sagt der Vorstand des schwäbischen Küchenherstellers Alno – und meint damit die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Denn die laufen seit Monaten eifrig in die Möbelhäuser. Entsprechend steigen die Zahlen des Bundesverbands des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM): Auf rund 30,4 Milliarden Euro schätzt die Organisation die Einnahmen der bundesweit gut 9200 Händler im Jahr 2011. Einen solch hohen Branchenumsatz habe es schon seit den 90er-Jahren nicht mehr gegeben, freut sich BVDM-Hauptgeschäftsführer Thomas Grothkopp. Vor allem Wohn- und Küchenmöbel standen zuletzt weit oben auf der Einkaufsliste der Verbraucher.

Sparen lohnt sich nicht

Das passt ins Bild. Denn die Deutschen neigen derzeit zu teuren Anschaffungen, die von Volkswirten üblicherweise als "langlebige Konsumgüter" kategorisiert werden. "Das Vertrauen der Verbraucher in die Finanzmärkte ist erschüttert. Statt wie sonst üblich zu sparen, geben die Leute ihr Geld daher für werthaltige Dinge aus", sagt Rolf Bürkl, Konsumexperte von Marktforscher GfK. Die Anschaffungsneigung sei so hoch wie zuletzt im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel 2007. Die aktuellen Konjunktur-Daten des Statistischen Bundesamts geben ihm Recht. Danach sind die Konsumausgaben der Privathaushalte 2011 so stark gestiegen wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Zwar haben auch die Verbraucherpreise kräftig zugelegt. Doch selbst wenn man diesen Aufschlag herausrechnet stand am Ende noch immer ein Konsum-Plus in Höhe von 1,5 Prozent.

Ökonomen sehen die privaten Ausgaben als Stütze des Aufschwungs in Deutschland. "Die Verbraucher haben mit ihren Einkäufen einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet", bestätigt Dirk Schlotböller, Konjunkturexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Doch was haben die Bundesbürger gekauft? Neben Möbeln waren es zum Beispiel Autos. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet für 2011 insgesamt 3,17 Millionen PKW-Neuzulassungen. Das sind neun Prozent mehr als noch im Vorjahr. "Der deutsche PKW-Markt hat sich in einem schwieriger werdenden Umfeld stabiler gezeigt, als viele vermutet hatten", kommentiert Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Gut gelaufen sind darüber hinaus Elektrogeräte, zumindest in den meisten Kategorien. Während das in den Vorjahren boomende Geschäft mit Flachbildfernsehern aufgrund der mittlerweile hohen Abdeckung abgeebbt ist, hatten Smartphones und Tablet-PCs Hochkonjunktur. Zudem waren hochwertige Haushaltsgeräte gefragt, etwa Kaffeevollautomaten. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) rechnet nun vorläufigen Zahlen zufolge mit einem Umsatzplus von fünf Prozent auf 27 Milliarden Euro im Jahr 2011.

Zufrieden sind auch Schmuckverkäufer. Durch die starken Materialpreissteigerungen bei Gold, Platin und Diamanten hatten Handel und Industrie Schlimmes befürchtet. "Entgegen allen Erwartungen haben die Preiserhöhungen aber niemanden abgeschreckt oder gestört", sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ). Im Gegenteil: Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit einem Umsatzplus in Deutschland von zwischen vier und acht Prozent – auf dann knapp fünf Milliarden Euro. Und das liegt nicht allein am Materialaufschlag, sondern auch an einer gestiegenen Anzahl von Kunden und Verkäufen, sagt Kim-Eva Wempe, die Geschäftsführerin der gleichnamigen Juwelierkette: "Die Verbraucher suchen offenbar nach Sachwerten."

Bauboom in Ballungsgebieten

Diese Vermutung wird von Ökonomen bestätigt. Sie sprechen sie von einer "Flucht in Sachwerte". Dazu gehören auch Bau-Investitionen, sei es in die energetische Sanierung der eigenen Immobilie oder der Bau neuer Häuser oder Wohnungen. Besonders beliebt sind die Ballungszentren Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Dort wurden bis Oktober 2011 stattliche 70 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Bundesweit lag das Plus bei 25 Prozent. Von dieser Entwicklung profitiert die heimische Bauindustrie: 2011 stiegen die Branchenumsatze um 9,5 Prozent und damit so stark wie seit 1994 nicht mehr, meldet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB).

Die neue Konsumfreude hat gleich mehrere Gründe. Als erstes nennen Volkswirte die guten Beschäftigungszahlen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren im Schnitt 41 Millionen Bundesbürger in Lohn und Brot. Das sind 1,3 Prozent oder 535.000 Menschen mehr als im Vorjahr – und die höchste Zahl seit der Wiedervereinigung. "Wer Arbeit hat, kauft auch ein", lautet die einfache Formel der Ökonomen. Darüber hinaus sind im vergangenen Jahr die Einkommen gestiegen, verharren die Zinsen auf einem niedrigen Niveau und steigt bei den Konsumenten die Angst vor Inflation. Beim Handelsverband Deutschland (HDE) zeigt man sich daher zufrieden wie lange nicht. Anfang Februar wird die Branchenorganisation ihre Jahreszahlen veröffentlichen – und dem Vernehmen nach die eigene Prognose von nominal zwei Prozent Plus deutlich übertreffen.

Damit nicht genug. Auch in diesem Jahr sollen die Konsumausgaben auf hohem Niveau bleiben, heißt es beim DIHK. "Die Beschäftigungszahlen werden hoch bleiben und es gibt weitere Lohnerhöhungen", begründet Konjunkturexperte Schlotböller. GfK-Mann Bürkl spricht von einer anhaltend hohen Verbraucherstimmung. Einer Umfrage der Wirtschaftsberater von Ernst & Young zufolge blicken die Deutschen optimistisch ins neue Jahr – weil sie sich kaum Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen und mit ihrer finanziellen Situation sowie dem Lebensstandard zufrieden sind. Von Krise sei im Alltag der Menschen nichts zu spüren.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote