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09.01.12

Technische Probleme

Zulassungschaos an deutschen Unis im 19. Semester

Die bundesweite Online-Bewerbung für Numerus-clausus-Fächer funktioniert noch immer nicht. Probleme bei der Zulassung gibt es schon seit 2003.

© hochschulstart.de
hochschulstart.de
Die Hompepage des neuen Portals zur zentralen Online-Studienzulassung. Hier ist mittlerweile von einer PIlotphase des Systems die Rede. Ende offen

Die Probleme bei der Einführung des bundesweiten Studienzulassungssystems via Internet sind erheblich größer als bislang eingeräumt.

Allenfalls 40 statt der angestrebten 300 Hochschulen werden in diesem Jahr an dem Online-Bewerbungsverfahren für die begehrten Numerus-clausus-Studiengänge (NC) teilnehmen können. Und dies auch nur eingeschränkt bei Studiengängen mit nur einer einzigen Fachrichtung. Dies geht aus einem internen Sitzungsprotokoll der Stiftung Hochschulstart hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Ein Grund sind zusätzliche Probleme mit veralteter Verwaltungs-Software an vielen Hochschulen. Nach bereits mehrfach erfolgten Start-Verschiebungen hatte die von Ländern und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) getragene Stiftung Mitte Dezember die Aufnahme eines "Pilotbetriebes" zum Wintersemester 2012/2013 angekündigt – ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen.

Bundesweite Regelung gefordert

Das seit Jahren mangels bundesweiter Abstimmung unter den Hochschulen beklagte Einschreibchaos führt dazu, dass infolge von Mehrfachbewerbungen und Doppelzulassungen regelmäßig rund 20.000 NC-Studienplätze nicht besetzt werden können.

Experten halten Doppeleinschreibungen doch nur dann für vermeidbar, wenn möglichst alle der infrage kommenden 300 Hochschulen an dem neuen System teilnehmen. Die SPD-Politikerin Ulla Burchardt forderte angesichts des anhaltenden Einschreibchaos eine bundesgesetzliche Regelung.

"Bundesbildungsministerin Annette Schavan ignoriert seit Jahren, dass der Bund auch nach der Föderalismusreform für die Zulassung zum Studium wie auch für die Abschlüsse zuständig ist", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses. Burchardt weiter: "Mit einem Bundesgesetz werden zwar nicht sofort die aktuellen technischen Probleme gelöst, wohl aber in dem Dauerstreit endlich Klarheit über Zuständigkeiten und Verantwortung geschaffen, ebenso Abläufe und Finanzierung eindeutig geregelt."

Individuelle Einschreibsysteme jeder einzelnen Hochschule in Deutschland oder auch 16 verschiedene Länderregelungen für die Studienplatzvergabe machten weder volkswirtschaftlich noch politisch einen Sinn, sagte Burchardt weiter. Dies werde mit dem jetzt seit Jahren anhaltenden Einschreibchaos eindrucksvoll belegt. Dabei werde nicht nur mit der Lebenszeit und den Bildungschancen junger Menschen Schindluder getrieben, es würden auch Steuergelder wegen der Nichtbesetzung freier Studienkapazitäten sinnlos verschleudert.

Schavans Sprecher Robin Mishra sagte zu der Kritik der Ausschussvorsitzenden: "Technische Fragen sind durch keinerlei Bundesgesetz zu lösen – das weiß Frau Burchardt. Der jetzige Weg ist im Einvernehmen zwischen allen 16 Ländern und dem Bund vereinbart. Deshalb ist es richtig, sich jetzt auf die konkrete Lösung der entstandenen Probleme zu konzentrieren."

Ende der "Pilotphase" nicht planbar

Und die sind offenbar so vielfältig, dass zukünftige Studienanfänger wohl auch in den nächsten Jahren mit dem Einschreibechaos werden rechnen müssen. Denn im Protokoll der Stiftung Hochschulstart heißt es: "Ein Erreichen der (...) angestrebten Effekte (insbesondere Abgleich der Mehrfachzulassungen, Beschleunigung und Transparenz der Zulassungsverfahren) kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt für das Wintersemester 2012/2013 nicht gewährleistet werden."

In der Mitteilung der Stiftung Hochschulstart von Mitte Dezember heißt es weiter, es sei "unabdingbar, (…) weitere Schritte auf dem Weg zum vollumfänglichen Betrieb des DoSV zu unternehmen." Der Umfang der Teilnahme am DoSV werde mit fortschreitender Anbindung von Hochschulen sukzessive zum Sommersemester 2013 bzw. Wintersemester 2013/14 ausgebaut, um "mittelfristig" ein flächendeckend arbeitendes System zu realisieren. Der Bund hat für die Entwicklung des bis heute funktionsuntüchtigen, technisch aufwendigen Verfahrens bisher 15 Millionen Euro gezahlt.

Letztlich geht das Zulassungschaos an deutschen Universitäten damit in sein zehntes Jahr. Denn bekannt sind die Probleme seit der Auflösung der früheren Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), die ab 2003/2004 von der HRK und den Ländern massiv forciert wurde. Ihre Vertreter werden das Thema im Bildungsausschuss des Bundestages am 18. Januar sicher aufs Neue debattieren.

Quelle: dpa
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