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05.01.12

Insolvenz

Hoffnung auf Solon-Rettung verschwindend gering

Für den Berliner Photovoltaikhersteller Solon sieht es schlecht aus: Während der Insolvenzverwalter die Lage prüft, sind die Perspektiven für einen Retter aus Asien äußerst vage. Bis Februar soll eine Lösung für das mit 400 Millionen Euro verschuldete Unternehmen gefunden werden.

© dpa/DPA
Solarunternehmen Solon
Ob für den Photovoltaikhersteller Solon bald wieder die Sonne scheint, ist äußerst ungewiss

Die Belegschaft der Werkhallen, wo die Solon-Module entstehen, ist im jungen Jahr 2012 schon mal in Vorleistung gegangen. Eine Woche Urlaub haben sie alle genommen und eine weitere Woche bleiben die Mitarbeiter zu Hause und sammeln dafür Minusstunden auf ihrem Arbeitszeitkonto. Das ist derzeit ohnehin nicht prall gefüllt. In der Produktionslinie gilt seit Herbst Kurzarbeit. Sollte ein Investor doch noch Gefallen am insolventen Berliner Fotovoltaikhersteller finden: Die rund 120 Mitarbeiter in der Produktion haben schon mal Personalkosten gespart. Doch ein Retter ist nicht so richtig erkennbar.

115 Millionen Euro Jahresverlust

Nur noch schemenhaft schimmert das Interesse des Unternehmens Microsol. Kurz vor der Insolvenz war die indische Firma mit Sitz im kleinen Freihandels-Emirat Fudschaira, Teil der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), aufgetaucht. Solon ist mit rund 400 Millionen Euro verschuldet. Zudem laufen die Geschäfte schlecht. In den ersten neun Monaten des Jahres 2011 summierte sich der operative Verlust auf 115 Millionen Euro. Am 13. Dezember vergangenen Jahres meldete das Unternehmen Insolvenz an. Jetzt prüft Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg, welchen Wert der deutsche Solarpionier überhaupt noch hat.

Immerhin soll Microsol zumindest wenige Tage nach der Pleite noch Interesse an einer Übernahme geäußert haben. Wienberg selbst sagt dazu nichts. "Er sichtet noch Unterlagen und prüft Optionen für Solon", ist alles, was sich ein Sprecher entlocken lässt. Allerdings wird die Motivation des Solarunternehmens Microsol etwas klarer. Das indische Management würde sich gern mit dem – durchaus guten – Markennamen Solon schmücken. Der Vorteil für die Berliner, wenn es klappt: Es gäbe einen Zugang zum Fotovoltaikmarkt in Indien, der derzeit für ausländische Firmen recht abgeschottet ist. Angeblich haben die Microsol-Leute angeboten, die Produktion in Berlin aufrechtzuerhalten. Die Maschinen dort schaffen aber nur eine kleine Stückzahl. Wahrscheinlich würde der Großteil dann in Asien gefertigt. Überdies soll Microsol eine Art Abnahmegarantie für Solon-Module in Indien abgegeben haben.

Doch bevor es zu einer solchen Lösung kommt, müsste mit den Gläubigern von Solon ein Schuldenschnitt verhandelt werden. Sprich: Die Banken müssten einen Teil ihrer Forderungen abschreiben. Das wiederum hätte zur Folge, dass die staatliche Bürgschaft aus dem Jahr 2010 fällig würde. Damals hatten der Bund sowie die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern für Bankkredite in Höhe von 146 Millionen Euro gebürgt. Diese Summe dürften die Gläubiger dann einfordern.

Teure Fehler der Vergangenheit

Im äußersten Fall müsste dann das Land Berlin 37,4 Millionen Euro beisteuern. Der damalige Kredit samt staatlicher Teilabsicherung war ursprünglich nur als Überbrückung für die Krisenzeit Anfang 2010 gedacht. Seinerzeit gingen alle davon aus, dass das Geschäft mit Fotovoltaik wieder anspringen werde. Doch dazu kam es nicht. Immer schwerer wurde für Solon das Konkurrieren mit billigeren Modulen aus Asien. Hinzu kamen teure Fehler der Vergangenheit. So hat das Unternehmen in Spanien und Italien Solarkraftwerke auf eigene Rechnung errichtet – und blieb zum Teil darauf sitzen.

Überdies ist Solon in seiner derzeitigen Struktur völlig überdimensioniert. Der Verwaltungsapparat mit seinen mehr als 300 Mitarbeitern wäre einem Unternehmen mit Milliardenumsatz angemessen. Solon machte vergangenes Jahr jedoch bestenfalls 500 Millionen Euro Umsatz. Für einen Interessenten ist das Berliner Unternehmen also keine wirkliche Perle.

Im Februar soll eine Lösung für Solon stehen. Bis dahin bezahlt auch die Bundesagentur für Arbeit Löhne und Gehälter der mehr als 500 Mitarbeiter in Adlershof. Bis Februar will auch Insolvenzverwalter Wienberg entweder einen Investor gefunden haben oder mit der Verwertung, schlimmstenfalls Liquidation des Unternehmens, beginnen. In jedem Fall werden der Verzicht der Produktionsbelegschaft und die damit eingesparten Personalkosten nicht über den Fortbestand Solons entscheiden. Angesichts des riesigen Schuldenbergs und unsicherer Marktchancen ist es allenfalls eine Geste.

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