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04.01.12

Arbeitslosigkeit

Forscher fürchten Ende des deutschen Jobwunders

Der Job-Boom könnte bald vorbei sein: Führende Ökonomen erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen 2012 wieder über drei Millionen steigt.

© Infografik Welt Online
Arbeitsmarkt
Die Verteilung der Erwerbslosigkeit nach Bundesländern

Trotz der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt halten Konjunkturforscher ein Ende des Job-Booms in Deutschland für möglich. "Die positiven Tendenzen dürften sich 2012 nicht mehr fortsetzen", sagte Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), der "Financial Times Deutschland". Er rechnet bereits zur Jahresmitte wieder mit saisonbereinigt steigenden Erwerbslosenzahlen.

"Die Arbeitslosenquote dürfte erstmal nicht weiter sinken", sagte Christian Melzer, Ökonom bei der Dekabank. Auch Fachleute der Deutschen Bank befürchten dem Bericht zufolge ein baldiges Ende des deutschen Jobwunders . Demnach dürfte die Arbeitslosigkeit bereits im ersten Quartal 2012 wieder steigen. Im Jahresschnitt erwarteten diese Ökonomen, dass dann 3,03 Millionen Menschen ohne Job sein werden.

Auch Citigroup und Union Investment prognostizieren laut "FTD", dass 2012 wieder mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland beschäftigungslos sein werden. Bundesagentur und Bundesregierung sind optimistischer, ihre Erwartungen für das neue Jahr sind nach dem Rekordjahr 2011 aber eher gedämpft. Im neuen Jahr werde die Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit wohl etwas nachlassen. Dennoch werde die Erholung anhalten, falls es nicht zu einem Einbruch der Weltwirtschaft kommt, hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag in Berlin gesagt.

Bundesregierung warnt vor Konjunkturrisiken

Auch der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, warnte: Die währungs- und finanzpolitischen Risiken bestünden auch noch 2012. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) geht davon aus, dass die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht vor den Risiken der weltwirtschaftlichen Lage für die Konjunktur in Deutschland warnen wird.

"Vor diesem Hintergrund kommt es jetzt darauf an, Wachstum in Deutschland zu stärken", sagte Rösler dem "Handelsblatt". Dazu zähle die Sicherung des Fachkräftebedarfs in den Unternehmen, eine sichere und bezahlbare Versorgung mit Energie sowie der weitere Abbau bürokratischer Lasten.

Die Bundesregierung legt Mitte Januar ihren Jahreswirtschaftsbericht vor. Laut Rösler hat die Bundesregierung bereits in der Herbstprojektion vor den möglichen Risiken einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung in Europa und der Weltwirtschaft gewarnt. "Ich gehe davon aus, dass diese Gesamteinschätzung im anstehenden Jahreswirtschaftsbericht bekräftigt wird", sagte Rösler.

Nach seiner jüngste Prognose geht auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) davon aus, dass die Krise im Euro-Raum die Konjunktur in Deutschland bremsen könnte. Das DIW prognostizierte für den Jahresbeginn ein leichtes Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Durch die Krise werde "der Aufschwung auch in Deutschland kurzzeitig unterbrochen", teilte das Institut mit.

Ab Sommer könne sich die deutsche Wirtschaft aber "wieder kräftig erholen". Für das gesamte Jahr 2012 erwartet das DIW 0,6 Prozent Wachstum, für 2013 sogar 2,2 Prozent. "Das klappt aber nur, wenn die Politik die Krise im Euro-Raum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt", erklärte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Quelle: dpa/dapd/cat
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